Gewissenskonflikt

:-) Für alle Männer, in deren Kopf eine andere Frau herumspukt :-)


 

Verdammt, Verdammt, Verdammt! Warum ging ihm diese Frau nicht mehr aus dem Kopf? Es war ja nur ein eingeschobener Termin. Die Sprechstundenhilfe eines Orthopäden hatte ihn angerufen. Sie war eine wichtige Verbindung für ihn, und als sie ihn bat, eine Freundin - die ein Rückenproblem hatte - zu massieren, sagte er sofort zu. Und dann stand da diese Frau vor ihm - und er hatte das Gefühl, einen Schlag in die Magengrube bekommen zu haben. Sie war genau sein Typ! Sozusagen sein geheimster Traum, etwas, von dem man nie glaubt, es jemals zu bekommen. Verflucht und zugenäht! Er hatte sich so professionell wie möglich verhalten, um die Spannung zwischen ihnen zu überspielen. Als er sagte: „Ziehen Sie sich bitte aus!", hatte seine Stimme gezittert, aber sie hatte es nicht bemerkt - hoffte er. Er hatte sofort den Raum verlassen und gebetet, dass alles gut würde.

 

Seine sonstigen Patientinnen waren alte Damen um die 70 oder 80 Jahre. Und sie - war eine Frau in der Blüte ihrer Jahre. Vielleicht 35 oder 40 - und sie war schön! So schön! Sie war der Typ Frau, den er liebte - genau wie seine Frau! Nur kannte er seine Frau seit 24 Jahren! Außerdem war diese hier anders! Sie war elegant, gebildet, lässig! Sie war ihm überlegen, und nun lag sie halbnackt vor ihm. Sie hatte den Rock anbehalten - und er war fast froh darum. Aber eben nur fast! Ausgestreckt lag sie da, und ihr blondes Haar glänzte in einem verirrten Sonnenstrahl. Himmel! - Er durfte sie berühren! Er atmete tief ein und dann legte er seine Hände auf ihren warmen, nackten Körper. Zum Donnerwetter! Er war Russe - und er war ein leidenschaftlicher Mann. Er würde es genießen - wenn ihm auch sein empfindliches Gewissen etwas zu schaffen machte.

 

Nicolai, der Russe, war Masseur. Auch seine Sonja war Russin, und sie war ihm eine gute Frau! Er liebte sie - seit 24 Jahren. Sie hatten zwei erwachsene Kinder und lebten seit zehn Jahren in Deutschland. Und nun kam da so ein blonder Engel und brachte ihn aus dem Gleichgewicht - nein, kein Engel! Sie war wohl eher die Sünde! - Auch nicht! - Sie hatte ja gar nichts getan. Sie war eine Versuchung des Teufels: Eine entzückende Teufelin! Wieso lag sie hier so süß und unschuldig herum? Verdammt, Verdammt, Verdammt!

 

Er begann zu massieren, und sie reagierte. Sie streckte sich, dehnte ihren Körper unter seinen Händen - so wie eine Frau es tut während der Liebe, oder wenn sie sich sehr wohl fühlt. So ein Blödsinn! Sie sollte sich ja wohl fühlen, das war ja der Sinn der Sache, deswegen war sie hier. Aber andere Frauen verweigerten sich. Sie gaben nicht zu, dass seine Hände ihnen gut taten, dass sie mehr davon spüren wollten, oder gar, dass erotische Gefühle sie quälten.

 

„Tut Ihnen das gut so?", fragte er scheinheilig. „Ich kann kaum mehr an mich halten, nicht zu schnurren wie eine Katze!", antwortete sie. Ihre Stimme klang rau, sexy, wie nach einer Liebesnacht. Sie hatte ein Timbre, das ihm direkt in den Unterleib fuhr. Mit dieser Antwort hatte er nicht gerechnet. Er wollte sie eigentlich in Verlegenheit bringen. Zumeist funktionierte das sehr gut. Nur hier nicht. Sie drehte den Spieß um. Sie machte ihn einfach an - so war das! Nein, das tat sie gar nicht! Das konnte er ihr wirklich nicht vorwerfen - nicht einmal das! Sie war nur ehrlich.

 

Als es dann soweit war, dass er sie bitten musste sich umzudrehen, atmete er sehr tief ein und seine Stimme kratzte: „Drehen Sie sich bitte um!" - Und sie tat es. Sie legte sich auf den Rücken und verschränkte die Arme hinter dem Nacken. Er hielt die Luft an - so lange, wie möglich und versuchte nicht auf ihren Busen zu starren, aber auch das gelang nicht. Er konnte nicht widerstehen! Was war er für ein Schwächling! - Und was hatte sie für wunderbare, üppige, blassrosa-weiße Brüste - mit hellbraunen Spitzen, die sich leicht zusammenzogen! Sein Unterleib brannte. Er schnaufte! Und dann legte er seine Hand auf ihren Bauch.

 

Sie lag, wie versteinert. „Sie müssen sich entspannen!", befahl er hart. Sie lächelte ihn an - süß. „Das kann ich nicht!" Auch eine Antwort, mit der er nicht gerechnet hatte! „Warum?", fragte er erstaunt. „Wenn Sie Ihre Hand auf meinen Bauch legen, kann ich mich nicht entspannen! - Da darf nicht einmal mein Mann hinfassen!" Jetzt lachte sie - und er war verwirrt. „Warum?", fragte er noch mal. „Weil er zu dick ist!" - Donnerwetter! Diese Frau schaffte ihn. Sie brachte immer nur das Unerwartete. Sie sagte die Wahrheit! Das war völlig ungewohnt. „Meine Frau hat dieselbe Figur wie Sie!" Diese Antwort war reiner Selbstschutz! Er wollte, dass sie wusste, dass er verheiratet war, aber damit hörte er nicht auf: „Eine so schöne Frau wie Sie, sollte sich wohl fühlen!" Als er den Mund zumachte, wusste er, dass er jetzt völlig übergeschnappt sein musste! - Und sie reagierte genau wie es sein sollte. Sie begann sich zu entspannen, bewegte sich leise unter seinen Händen und schloss die Augen - gab sich ihm hin. Das heißt: nur seinen Händen. Am Liebsten hätte er sich auf sie geworfen, um nur noch diese unglaublichen Brüste zu massieren. Titten, die ihn den Verstand verlieren ließen.

 

Als sie ging, sah er ihr nach. Sie hatte einen Gang, wie eine Pantherkatze - oder eben, wie eine entspannte Frau nach der Liebe! - Hinreißend! Und seitdem dachte er nur noch an sie! Es verging kein Tag, keine Nacht - in der sie nicht durch seinen Kopf, durch seine Träume geisterte. Seine Sonja würde es nicht mehr lange übersehen können. Diese fremde, deutsche Frau weckte in ihm eine Lust, eine Begierde, die seine Frau nicht stillen konnte! Zum Teufel damit!

 

Er wartete auf die nächste Stunde mit ihr. Obgleich er nicht einmal wusste, ob sie wieder zu ihm kommen würde. Sie hatte ja eigentlich kein Rezept. - Aber sie kam wieder, und sie lächelte ihn an - strahlend. Sie freute sich auf ihn! - Nein! Bestimmt nicht! Sie freute sich auf die Massage, und er hatte Angst davor. Er hatte Angst vor seinen eigenen Gefühlen. Er wollte sie berühren, streicheln an ganz anderen Stellen, als an den zu behandelnden, und sie durfte es nicht bemerken!

 

Nicolai würde es schon schaffen! Er massierte sie. Den Nacken, die Schultern, den Hals, den wunderbaren langen Rücken. Seine Hände streiften den Ansatz ihres festen Pos. Er stellte sich hinter ihren Kopf und strich den ganzen Rücken entlang, zog seine Finger über nackte, glatte Haut - vom Steißbein bis zum Haaransatz - und zurück. Sie streckte sich unter seinen streichelnden Händen, und dann hob sie den Kopf und sah ihn an - mit großen blauen Augen. Erwartungsvoll? - Sofort drehte er sich um. Ihr Gesicht war genau vor seinem gierigen Unterleib. Das konnte er nicht zulassen! Er würde es nicht aushalten - und sie durfte seine Lust nicht sehen!

 

Aber wenigstens in seinen Gedanken wollte er es erleben: Da sah sie ihn an - und er wich nicht aus! Sie sah, dass er heiß war wie nie vorher in seinem Leben! Sah seinen harten Schwanz vor ihrer Nase zucken - griff danach! Ihre Hand massierte seine Hoden ... und er wäre fast gekommen! - War er jetzt komplett durchgeknallt? Wieso reagierte er so auf sie? Dieses Miststück brachte ihn an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, aber sie konnte ja gar nichts dafür. Sein empfindliches Gewissen ließ zwar nicht zu, dass er ihr die Schuld gab, aber sich konnte er auch nicht verantwortlich machen. Er hasste diesen Zustand. - Er hasste sie!

 

„Drehen Sie sich um!" Es klang unwirsch. Sie drehte sich um. „Heben Sie ihr Becken an!" Sie hob ihr Becken an. Seine linke Hand legte sich unter ihr Kreuzbein. Mit der Rechten drückte er ihren Unterkörper wieder herab. Er spürte, wie sie verkrampfte - und freute sich darüber. „Entspannen!", befahl er. - Er, Nicolai der Russe, würde schon mit dieser Herausforderung fertig werden.

 

Aber sie lachte nur, kicherte geradezu. „Wie denn?", fragte sie. Wie konnte er dieser Frau nur beikommen? Einer Frau, die so unverhohlen zugab, dass ihr ganzer Körper reagierte - auf ihn? Reagieren musste? Die es auch noch genoss - völlig unbefangen? - Er wollte sie bestrafen! Für die Begierde, die sie in ihm weckte. Seine Finger zogen sich zusammen, massierten sanft. An seiner Handkante fühlte er ihren Schamhügel.

 

„Es gibt schon noch gefährlichere Griffe!", drohte er. Aber sie lächelte immer noch. „Die müssen Sie mir aber zuerst erklären!", forderte sie. „Nicht, dass ich einen Herzklappenfehler bekomme!" Nicolai schluckte. „Jetzt ist meine linke Hand unten und die rechte oben. Bei dem anderen Griff lege ich dann die rechte Hand von unten zwischen ihre Beine!" Er wollte sie schockieren, aber sie lachte hell auf. „Das werde ich meinem Mann erzählen. Das soll dann er mit mir machen!" - Sie war wirklich so unschuldig, und er war wütend und wusste nicht auf wen. Wahrscheinlich auf sich selbst! „Er kann das nicht!", krächzte er. „Dazu braucht man schon etwas Übung!" Und dann war die Stunde vorbei. Gott sei Dank! Er war wirklich froh darüber. - Warum ging sie schon fort? Er wollte sie behalten! - Verdammt! Verdammt! Verdammt!

 

Nicolai fieberte dem nächsten Treffen entgegen. Er war schon glücklich, wenn er sie ansehen konnte, trotzdem würde er ihr sagen, dass er nicht mit ihr ... - So ein Schwachsinn! Was wollte er ihr sagen? Sie wollte doch gar nichts von ihm, aber sie war ihm so aufregend vertraut - und so fremd gleichzeitig. So verführerisch, so natürlich, so erotisch, so hinreißend! - Und er wollte sie so sehr! Wollte sie haben, berühren, verführen, vernaschen, lieben, vögeln, ficken ... und gleichzeitig wollte er genau das verhindern! Die Gegensätzlichkeit seiner Gefühle machte ihn wahnsinnig. Sein Gewissen brannte in ihm.

 

Als sie kam, brachte sie ihm ein Geschenk - für seine Frau! Nicolai wusste nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Wie sollte er seiner Frau erklären, dass ... ja, was denn? - Er verdrängte es! - Sie war da! Unter seinen Händen! Und er würde ... „So, nun drehen Sie sich um! Jetzt kommt der gefährliche Griff! - Darf ich?" Sie stand auf. Ihre Brüste wippten. Ihm wurde heiß. „Einen kleinen Moment!", bat sie und zog ihr T-Shirt an. „Sicher ist sicher!" Sie lachte und er atmete erleichtert auf. Wenn er sich vorstellte... aber er wollte es sich vorstellen - so gerne! In allen Einzelheiten!

 

Sie legte sich hin. „Fangen wir an?" Sie nickte: „Im Zweifel fange ich an zu schreien!" Er drückte ihre Beine auseinander und bat leise: „Heben Sie das Becken an!" Sie folgte brav seinen Anweisungen. Er schob seine Hand, den Arm zwischen ihren Schenkeln durch, unter den Rücken. Platzierte ihn entlang der Wirbelsäule. Ihr Po lag auf seinem Unterarm. Den anderen Arm, legte er unter ihre Taille, so dass sich seine Hände berührten. Sein Gesicht war ganz nahe über ihrem Venushügel. Er konnte ihren Duft riechen.

 

Seine Gedanken überschlugen sich, wirbelten durcheinander. Ihr jetzt das Höschen ausziehen, dieses dämliche Hemd ... und dann noch mal! Ihre Schenkel spreizen, seine Hände dazwischen schieben. Er würde ein anderes Ziel finden, als ihren Rücken. Ihre weiche, warme, enge Muschi würde sich seinen Fingern öffnen. Er würde sie streicheln, liebkosen, lecken - am liebsten hätte er jetzt seinen Kopf auf ihren Unterleib gelegt, sich selber hingegeben, sich verloren - an sie! Er schloss die Augen. „Das ist sehr angenehm!", murmelte sie. - Gott! - Er wollte sie so sehr! - Und dann war es zu Ende - schon wieder!

 

Aber nächstes Mal würde er sich schützen! - Wovor? Sie sollte doch nur wieder kommen! Das war alles, was er wollte. Und sie kam wieder. Warum auch nicht? „Wie hat Ihrer Frau mein Geschenk gefallen?" - Er zuckte zusammen. „Ich weiß es nicht!" Sie sah ihn seltsam an. „Warum nicht?" Er zuckte mit den Schultern und begann sie zu massieren. Sie fragte nicht weiter, aber irgendwie hatte er das Bedürfnis es zu erklären: „Ich habe es ihr gegeben, und dann bin ich gegangen!" Auch jetzt fragte sie nicht weiter. Er brauchte einige Zeit, dann sprach er weiter. „Ich habe ihr gesagt, es ist von einer Patientin!" Sie hob den Kopf und sah ihn an. „Stimmt!" - „Ja, aber ich habe ihr gesagt, sie sei eine alte Dame." Sie lachte: „Zwischen 85 und 90?" Jetzt lachte auch er. „Ja!" Sie legte sich wieder bequem zurecht. „Feigling!", sagte sie - sonst nichts!

 

„Warum schweigen Sie jetzt?" Die Stille war ihm unangenehm. Sie hatte ja Recht. Er war ein Feigling! Er wollte seiner Frau keine Erklärungen geben. Er konnte nicht erklären ...! „Es ist verboten!", sagte er. „Was ist verboten?", fragte sie, und er hörte das Erstaunen in ihrer Stimme, aber er wollte es trotzdem sagen. „Alles! - Für mich ist alles verboten!" - „Für mich nicht!", sagte sie bestimmt. „Es ist eine große Spanne zwischen alles und nichts!" Nicolai kam sich unmöglich vor! Absolut unmöglich! Und trotzdem! „Ich rauche nicht und ich trinke nicht!" Jetzt lachte sie. „Ich rauche auch nicht! Und ich trinke ... - doch manchmal schon! Nicht oft, aber manchmal! - Manchmal auch zuviel! Warum soll ich auf Sekt verzichten? Ich liebe Sekt!" - „Ich liebe auch Sex!" Oh Gott! Was hatte er da gesagt? „Verzeihung! Sekt!"

 

Sie lachte schallend. Freud ließ grüßen! Was für ein wunderbarer Versprecher, und es war ihm so peinlich! Er war ein Mann mit einem unglaublich ausgeprägten Gewissen. Schon ein kleines bisschen Flirt brachte ihn so aus der Fassung! Nicolai war so süß, und er massierte so wunderbar. Ob er wusste, wie er auf Frauen wirkte? - „Ich habe meine Frau noch nie betrogen!", sagte er leise. - Sie hätte ihn küssen mögen. Er stellte ihren Glauben in die männliche Hälfte der Menschheit wieder her. Es gab wenige Männer wie ihn! Er sah so gut aus, und in seinem Beruf gab es sicher viele Versuchungen. Woher sollte er wissen, dass sie nur seine Hände genießen wollte, dass sie nur "spielte"! Woher sollte er wissen, dass der Mann an ihrer Seite, alle anderen in den Schatten stellte? „Ich habe meinen Mann auch noch nie betrogen!", sagte sie deshalb ernst. Sie wollte nicht, dass er sich quälte. Er begehrte sie! Wie wunderbar! - Aber sie wollte ihn nicht in Gewissenskonflikte bringen.

 

Als sie ging, war er am Ende seiner Nervenkraft. Gott sei Dank hatte er jetzt frei, denn er musste sich wieder einigermaßen in den Griff kriegen. Also ging er in seinen privaten Raum. Er würde duschen! Langsam knöpfte er sein Hemd auf und streifte es ab. Wenn seine Finger die Haut berührten, zuckte er schon zusammen. Dann ließ er die Hose fallen und stieg heraus. Seine Boxershort stand wie ein Zelt. Er musste grinsen - trotz allem! Dann schob er "das Zelt" über seinen steifen Penis und zog es aus. - Sie wollte immer ein Fenster offen haben - sie liebte den Wind auf ihrer nackten Haut. Sie hatte es ihm gesagt. Seine Frau hätte so etwas niemals zugegeben.

 

Er ging zum Fenster und zog den Vorhang zurück ... öffnete es weit. Der kühle Wind auf seinem erhitzten Körper tat gut - war mehr als nur angenehm. Es fühlte sich an wie streichelnde Federn - Flaumfedern- Engelsflügel. Unglaublich erregend. Zum ersten Mal erlaubte er sich, sich diesem Gefühl hinzugeben. Er schloss die Augen und spürte seiner Erregung nach. In Gedanken sah er sie vor sich. Sah, wie sie sich auf seiner Liege drehte, wie ihr Busen sanft schaukelte. Instinktiv schlossen sich seine Hände. Beinahe konnte er die harten Brustwarzen fühlen - zwischen seinen Fingerspitzen.

 

Als er die Augen wieder öffnete, sah sie ihn an! Sie stand draußen auf der Straße, kam aus einem Laden und öffnete gerade ihre Autotüre um einzuladen. Sie lächelte ihm zu, winkte. Er stand wie versteinert. Er stand hier ... nackt und so unglaublich geil, wie noch nie in seinem Leben - und sie winkte ihm zu. Sah sie es nicht? Oder wollte sie es nicht sehen?

 

In diesem einen, kurzen Moment dachte er nicht an seine Frau. Er dachte nur noch an sie, dachte an heißen Sex, an sanfte, zärtliche Liebe, an überschäumende Leidenschaft - mit dieser begehrenswerten Fremden vor seinem Fenster. Und sie konnte es in seinen Augen lesen! - Sie sah die pure Lust, die Gier nach ihr. Seine Beherrschung fiel von ihm ab. Jetzt wollte er sie ... aber danach würde er sich hassen. Sich und sie! Sie wusste es. Sie würde gehen - sofort! Fast sofort!

 

Es war zu verlockend! Einen Schritt trat sie noch näher und betrachtete ihn. Ihre Blicke glitten über seinen Körper ... von oben nach unten, blieben einen Moment hängen und kehrten wieder zurück zu seinen Augen. Langsam! Erregend! Sie lächelte zärtlich. Genießerisch streichelte sie seinen nackten, wunderbaren Leib - mit ihren Blicken, bewegte die Hand ein bisschen, und Nicolai drehte sich ganz langsam um die eigene Achse - zeigte sich ihr, spielte mit ihr ... spielte ihr Spiel! Genoss es zu spielen. Niemals hatte er sich seiner Frau auf diese Art präsentiert - sich ihrem Urteil ausgesetzt. Aber was hatte sie gesagt, diese fremde, deutsche Frau, die sein Fleisch zum Kribbeln brachte, die ihn so sehr beeinflusste? - „Die Gedanken sind frei!?" - Ja! Das war es! Seine Gedanken gehörte nur ihm - ihm allein. In Gedanken konnte er sie besitzen, würde er sie besitzen - diese sinnliche, betörende Fremde!

 

Er war ein schöner Mann! Erotisch! Maskulin! Er sehnte sich nach ihr! Und trotzdem bekämpfte er diese Versuchung - für seine Frau! Was für ein Mann! Seine Augen leuchteten - begehrlich! Die Versuchung wurde auch für sie spürbar. Sie konnte es zwischen ihren Beinen fühlen - aber sie wurde auch nicht belastet von einem derart feinfühligen Gewissen. Sie konnte die sanfte, noch unschuldige Lust ihres Körpers genießen - er nicht! Das gab den Ausschlag. Sie lächelte erneut - fast liebevoll. Dann küsste sie ihre Fingerspitzen und warf ihm den Kuss zu - stieg in ihr Auto und fuhr weg.

 

Und er - Nicolai, der Russe - ging unter die Dusche! Er war stolz auf sich! Er hatte eine Versuchung gemeistert - war seiner Frau treu geblieben. Es gab keinen Grund für ein schlechtes Gewissen! - Doch tief in seiner russischen Seele musste er sich eingestehen, dass er nicht widerstanden hätte ... wenn sie ihn gewollt hätte, denn er spürte die wilde Sehnsucht in seinem Fleisch. Aber sie hatte ihm etwas anderes geschenkt - ungleich wertvoller! Sie hatte ihm Freiheit geschenkt! - Ihr verdankte er, dass er seine Gefühle jetzt genießen konnte - ohne ihnen nachgeben zu müssen!

 

© BvS                                                                                                  Ihre Meinung?