Von Dildos, Seemannsbräuten, Casanovas und Schlampen

 

Kürzlich, als ich mal wieder im Internet nach neuen Online-Shops für meine Bücher recherchierte, stieß ich auf ein ulkiges Gerät für Männer. Es heißt „STU – Stamina Training Unit“. Was meine Netzhäute da reizte, war ein Ding, dass wie eine große, graue Taschenlampe aussah.

 

Beim Lesen der Produktbeschreibung brach ich erst in schallendes Lachen aus, danach beschlich mich Nachdenklichkeit. Zuerst aber zurück zum „STU“. Es handelt sich um eine High-Tech-Seemannsbraut, also eine Silikon-Muschi für den Mann. Das Design war so wenig erotisch, wie eine Taschenlampe eben sein kann. Dafür war der eigentliche Zweck aber auch ein anderer, als die schiere Selbstbefriedigung per Androiden-Möse in Ermangelung einer realen weiblichen Gespielin.

 

Nein – der bei diesem Gerät angepriesene Sinn ist die Verlängerung der Standhaftigkeit des Mannes. Mit anderen Worten: Es handelt sich um eine Trainings-Möse gegen zu schnelles Abspritzen! Der Tester pries die Silikon-Muschi in höchsten Tönen, begonnen vom sehr realistischen Anfühlen bis zur Möglichkeit, mittels eines Drehknopfes am rückwärtigen Ende ein Vakuum zu erzeugen, um den Reiz auf den Penis zu erhöhen. In der Tat bezeugte der tapfere Proband, nach ein paar Wochen des Trainings wesentlich ausdauernder geworden zu sein.

 

Ich war beeindruckt, auf ein distanzierte Weise. Die Frage, die sich mir nämlich stellte, war folgende: Warum „trainiert“ Mann seine Standfestigkeit nicht mit der Liebsten? Wenn sie schon womöglich etwas zu beklagen hat, könnte sie sich doch auch mit liebevoller Hingabe zu ein paar zweckorientierten Übungs-Ficks bereit erklären?! Der Nutzen würde sie später doch reichlich dafür belohnen.

 

Ich persönlich würde diese doch etwas lebendigere Variante eindeutig vorziehen.

 

Aber noch ein anderes Phänomen zeigte sich mir. Als ich einigen meiner weiblichen Bekannten vom „STU“ erzählte, schmunzelten sie amüsiert und meinten mitleidig: „Ja ja, das ist mal wieder typisch für euch Männer – ist mal keine Frau vorhanden, greift ihr auf so eine armselige Plastik-Möse zurück!“

 

Nun weiß ich zufällig, dass all diese Damen im Besitz eines Dildos sind und diesen auch gern und häufig benutzen, egal ob sie Single sind oder nicht. Es scheint also so zu sein, dass die Verwendung von Dildos bei Frauen inzwischen allgemein anerkannt und akzeptiert ist, ein Mann aber eine arme Socke ist, wenn er auf so eine Kunststoffdose zurück greift.

 

Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, es ist auch immer noch so, dass ein Mann ein toller Hecht ist, wenn er viele Frauen flachlegt, eine Frau aber ein Flittchen oder eine Schlampe, wenn sie einen Mann nach dem anderen in ihr Lotterbett zieht. Was für eine verquere Beurteilung!

 

Ich finde, es ist höchste Zeit, sich von solcherlei althergebrachten Beurteilungen zu verabschieden! Als unverbesserlicher Optimist werde ich mich immer wieder dafür einsetzen, den Menschen bewusst zu machen, dass beide Geschlechter gleich unvollkommen sind und demzufolge wesentlich entspannter miteinander umgehen würden, wenn sie sich ihre vermeintlichen Fehler nicht ständig unter die Nase reiben würden.

 

Um wie viel schöner ist es doch, den Duft der Erotik in derselben zu schnuppern!

 

In diesem Sinne grüße ich Sie recht verschmitzt – und freuen Sie sich auf eine weitere, etwas morbide  Geschichte von mir, die hier demnächst zu lesen ist.

 

Ihr Matthias Kayser




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