Freitagabend

 

Freitagabend, fast zwei. Soeben hat mich der letzte ICE am Bahnhof ausgespuckt, die wenigen Meter nachhause durch den Wind bin ich tapfer gelaufen. Endlich, meine Wohnung, wohlige Wärme. Den Trenchcoat lege ich quer über die Garderobe, die Aktentasche bleibt stehen. Den Rest – braunes Businesskostüm mit engem Rock, die unvermeidliche Perlenkette, Seidentuch und hochhackige Pumps lasse ich vorerst an. Ich mag das Klicken der Absätze auf dem Parkett, die ausgeprägten Rundungen, in die mein Körper durch die Schuhe gepresst wird, und die sich im Fenster spiegeln. Wie immer kann ich nach einem Arbeitstag nicht sofort ausspannen, setze mich an den Schreibtisch, lese durch die Post. Baileys Moccha und Bar-Jazz neben Rechnungen.

 

So langsam dringt whiskeyschwere Entspannung durch meinen Körper, hinterlässt eine wohlige Wärme und ein Kribbeln im Bauch. Die Schuhe sind inzwischen auf dem Boden gelandet, meine Füße dafür auf dem Tisch. Mein Blick fällt auf ein Foto, konventionell im Silberrahmen, aber ... ungewöhnlich. Ein Foto von dir. Nein, nicht von dir ... von einem Teil von dir. Deiner Hüfte, deinem Nabel, ein Stückchen Oberschenkel, und deinem steil aufgerichteten Penis, glatt, glänzend, darauf eine Hand mit langen, glänzend rot lackierten Fingernägeln – meine Hand. Wie lange es schon wieder her ist, dass du ... dass du und ich ... egal. Lust macht sich in meinem Bauch breit, und übertönt zusammen mit dem Alkohol jedes bisschen bürgerlichen Anstands. Halb drei – das ist doch Prime time. Falls du noch auf bist, wirst du schon ans Handy gehen. Und auch ne Lady darf ... in der heutigen Zeit schon sowieso ... oder? Bevor ich noch lange nachdenken kann, habe ich deine Nummer gewählt.

 

Ein Lachen, tief, kehlig. „Naaaaa?! Hast du Hunger?“ Schon deine Stimme macht mich an, und noch mehr, dass du genau weißt, was ich will. Mehr als ein schnurrendes „hmmmmm“ bringe ich nicht heraus. „Magst du, ich meine, hast du noch Zeit, also ... vorbeizukommen.“ So ein Gestammel, verdammt. Wieder lachst du.

 

„Oh ja, mein Kätzchen ... viiiiieeel Zeit. Aber treffen kann ich dich nicht, ich bin ... äh ... im Nachtzug nach Berlin.“ „Na dann ... gute Reise, und bis irgend- ...“ „Halt. Hattest du nicht Hunger? So viel Hunger, nach mir? Nach meinem Schwanz in dir?“ Die Direktheit deiner Worte schockiert mich. Nicht, dass ich zimperlich wäre, aber darüber ... reden? Und mit solchen Worten? Bevor ich lange nachdenke, hat meine Stimme schon auf samtweich-sexy umgeschaltet und haucht ein „oh jaaah“ ins Telefon. Wie habe ich mich nun wieder in diese Situation manövriert? Ich kann doch nicht einfach ... ja, wenn du vor mir stündest. Dann wäre das alle ganz einfach. Aber so? Was soll ich denn jetzt sagen?

 

„Weißt du, was ich gerade tue?“ „Hm?“ „Mein nackter Fuß ... wandert gerade über deinen Knöchel, deine Knie ... deinen Schenkel“ ... Oh, wie das kribbelt. Mir ist, als wärst du da. Wenn ich die Augen zumache ... dann spür ich dich ganz deutlich. Du kannst doch nicht ... wenn das die anderen Reisenden hören! Und trotzdem machst du weiter. „Und jetzt, die Spitze deiner Strümpfe, höher, auf die Haut ... und dann ... hast du eigentlich was drunter?“ Und da ist er wieder, dieser Moment Stille, über den ich nicht hinwegkomme, dir nicht antworten kann. Hintergrundklappern erinnert mich daran, wo du bist.

 

„Ja? Dann ... zieh’s aus. Für mich ...“ Ob ich ... jetzt? Der Gedanke ist zu verlockend ... „Hm ... sagt du mir, wie?“ „Öffne den Reißverschluss ... langsam ... lass den Rock über deine Schenkel rutschen ... ja ... langsam ... streif ihn über den Spitzenabschluss deiner Strümpfe ... Und steig raus. Ganz langsam ... und jetzt ...“ „Jetzt streife ich auch noch die Strümpfe von meinen Beinen, über die Knie, und die Zehen ... und meine Bluse, die ist schon offen, weil - “

Das ging doch grad ganz gut, aber irgendwie macht es mir zu schaffen, dir zu sagen .... dass ich vorher, als deine Stimme mich streichelte, meine Brüste massiert habe, die geschwollenen Nippel, die üppige, aber feste Rundung ...

 

„Hast du etwa selbst? Oh ...“ Ja, ich weiß, wie sehr es dich anmacht, wenn ich mich selbst berühre, mich so streichle, wie es Sekunden später deine Hand tun wird. „Ja, habe ich“ grinse ich ins Telefon. „Und jetzt ... warte mal ...“ Meine hauchfeine, seidene Wäsche – Panty und Hemdchen, fließt an meiner Haut entlang. „Ich hab jetzt nur noch die Perlenkette an. Soll ich ...sie ausziehen und ... damit spielen?“ Als du ein „hmmmmm ... ja“ murmelst, weiß ich genau, welches Bild du in deinem Kopf hast: mich, nackt ... und eine Perlenschnur, die zwischen meinen Schamlippen hervorlugt, deren gleichmäßige Reibung sie rosig glühen lässt, und mir soviel Lust macht. So wie vor einigen Wochen ... Ich lege meine Beine auf den Schreibtisch, weit gespreizt, lasse langsam die glatten Perlen über meinen Bauch gleiten, schiebe sie zwischen die Schamlippen. Guuut ... du musst wohl auch mein Gurren gehört haben.

 

„Mein Zeh ... rutsch gerade über deine Kliti ... wie feucht du bist, Kätzchen ... wie warm und feucht ...“ Oh ja, ich spüre dich. Deine Zehen, die über die zarte Haut zwischen meinen Schenkeln streichen, das schmale Streifchen schwarzen Schamhaars liebkosen, meine geschwollenen Lippen teilen, die Feuchtigkeit zwischen ihnen verreiben. Deinen Zeh, der in mich eindringt. Ich spüre dich, obwohl es meine Hände tun. Und ich wünschte, du würdest meine Hand wegreißen, und durch deine ersetzen. Deine Hand, deine Zunge, deinen Schwanz.

 

Gerade, als ich mich aufraffe und dir das sagen will, schellt die Türklingel. „Wart mal kurz, ich muss ...“ Entschuldigungen ins Telefon murmelnd betätige ich die Sprechanlage, und höre dich nun an beiden Ohren ungeduldig brummen: „Nun mach doch endlich auf. Berlin ... doch nicht Freitagabend. Doch nicht, wenn ich weiß, dass mein Kätzchen heimkommt und Hunger hat ...“

 

© Tanguera                                                                                   Ihre Meinung?