Blindflug

von Matthias Kayser


Fünf Uhr, Feierabend! Freudig kramte ich meine Sachen zusammen, warf mir die leichte Lederjacke über und schloss mein Büro ab. Wie jeden Donnerstag, so wollte ich mir auch heute meine wohlverdienten zwanzig Minuten künstliche Sonne gönnen. Zum einen entschädigte mich das für´s graue Novemberwetter ebenso, wie für den Umstand, dass ich dieses Jahr nicht meine üblichen zwei Wochen Tauchurlaub auf Lanzarote verbringen konnte, weil ich leider ziemlich abgebrannt war; zum anderen fiel ich gerade unter dem entspannenden Einfluss der Höhensonne nur zu leicht in die lebhaftesten erotischen Fantasien, die man sich vorstellen kann!

 

Auf dem Weg zum Sonnenstudio schlug mein Herz auch aus noch einem anderen Grund deutlich schneller als während der Arbeitszeit: Ich würde SIE wiedersehen! SIE war die Besitzerin des Studios. Und nicht nur das, sie war nett, charmant – und unglaublich gut gebaut. Ich fand, dass sie mit dieser Klasse-Figur ohne weiteres ihr Geld als Pirelli-Pin-up-Girl hätte verdienen können. Ich traute mich jedoch nie, ihr das mal vorzuschlagen. Stattdessen schwieg ich schüchtern und lebte meine Tagträume mit ihr unter ihrer Sonnenbank aus ...

 

Auch heute hatte sie wieder Dienst. Wir begrüßten uns wie alte Freunde, was ich für sie im Grunde auch irgendwie schon war. Von meinen geheimen Sehnsüchten und Begierden ahnte sie allerdings bestimmt nichts, ich war mir sicher!

 

Nachdem ich meine Chips für den Zeitautomaten bekommen hatte, begab ich mich sofort in die Kabine, denn heute saßen keine Bekannten in den gemütlichen Korbsesseln herum, mit denen ich mich noch ein wenig hätte unterhalten können. Ich zog mich aus, legte mich auf die Bank, setzte den Augenschutz auf und wartete darauf, dass die Höhensonne anspringen würde. WAZONG!!! Ah – jetzt ging es los! Die altbekannte Wärme begann, mich zu durchströmen. Nicht lange, und ich driftete in den Halbschlaf ab. Mein Gehirn begann, die wonnigsten Liebesspiele mit IHR zu kreieren.

 

Urplötzlich schreckte ich hoch und knallte mit dem Kopf gegen die Abdeckung! Etwas hatte mich berührt!!! An meinem natürlich schon voll ausgewachsenem Geschlecht! Ich fiel zurück, wollte mir die Brille vom Kopf reißen, um zu sehen, was oder wen ich da gespürt hatte. Stattdessen wurde meine Hand jedoch zart, aber bestimmt festgehalten, um mich an der Bewegung zu hindern. Ich öffnete den Mund, um zu protestieren. Sofort klang mir ein tonloses Flüstern entgegen: »Schschsch! Rühr Dich nicht und keinen Mucks! Sonst bin ich sofort wieder weg!«

 

SOLLTE ES WAHR SEIN???

 

Sollte SIE tatsächlich in meine Kabine gekommen sein, um sich über mich herzumachen? Weiter kam ich mit meinen Gedanken nicht, denn nun begann sie offensichtlich, mit ihrer Hand meinen sowieso schon strammen Penis sanft, aber drängend zu bearbeiten! Ich konnte es nicht fassen! Aber nach nur wenigen Augenblicken trieb ich auf einer übermächtigen Welle der Erregung fort, fort, fort! Mein Verstand hatte sich verabschiedet, jetzt hatte das Lustzentrum die Regie übernommen. Ich spürte, wie sich weiche, warme Lippen um meine Eichel schlossen, eine Zunge gekonnt den Schaft umschlängelte, meinen zum Bersten geschwollenen Schwanz tief in sich aufnahm ...

 

Ich hatte schon einige kunstvolle Bläserinnen auf meiner Flöte spielen lassen, aber was ich nun zu spüren bekam, übertraf alles vorher erlebte! Bei aller Raffinesse und Dynamik streiften nicht ein einziges mal ihre Zähne die zum Zerreißen gespannte Haut meines pulsierenden Schaftes!

 

Binnen kürzester Zeit kam es mir, und zwar so gewaltig, dass mein ganzer Körper hin- und hergeschleudert wurde! Ein Erdbeben der Stärke acht durchfuhr mich, und mein Herz drohte zu kollabieren. Ob ich gestöhnt oder gar laut gebrüllt habe, vermag ich beim besten Willen nicht zu sagen. Ich weiß nur, dass SIE sich sofort danach genauso lautlos zurückzog, wie sie gekommen war!

 

Wie betäubt lag ich da, mein Herz schlug Trommelwirbel, die nur ganz allmählich langsamer wurden. Dann klackte der Zeitautomat, und das Licht ging aus. Während ich mich immer noch recht benommen anzog, überlegte ich, wie ich halbwegs elegant das Studio verlassen könnte. In mir schwankten Gefühle zwischen Euphorie und Peinlichkeit. Sollte ich mich klammheimlich hinausschleichen? Nein, ich entschied mich, entschlossen die Tür zu öffnen und einfach zu gehen, vielleicht mit einer souveränen Geste der Verabschiedung.

 

Mein mühsam aufgesetztes fröhliches Gesicht löste sich allerdings sofort ins Nichts auf, und ich weiß, das ich SEHR irritiert ausgesehen haben muss, denn SIE stand eifrig und mit verschwörerischem Grinsen telefonierend hinter dem Tresen, und eine alte Dame saß, mich zahnlos anlächelnd, in einem der Korbstühle. Ein Tropfen – war es Speichel? – rann an ihrem Mundwinkel herunter ...

 

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