Samhain

 

Es war der 31. Oktober, und Kamilla lag auf ihrem Bett. Sie fühlte sich heute schon den ganzen Tag so eigenartig. Sie war nicht zur Schule gegangen, sie hatte nichts gegessen und mit niemandem gesprochen - den ganzen Tag über. Irgendwie hatte sie das Gefühl, als sei sie nicht ganz bei sich - fast wie in Trance! Was war nur los mit ihr?

 

Langsam verstrich die Zeit, und auf einmal hatte sie das dringende Bedürfnis, sich anzuziehen und das Haus zu verlassen. Sie wusste aber nicht, wohin sie gehen wollte. Sie stand auf und zog sich an. Als sie sich im Spiegel betrachtete, stellte sie erstaunt fest, dass sie sehr seltsam aussah. Sie trug ein weißes, transparentes, bodenlanges Kleid, das ihren Körper weit umwehte. Sie hatte gar nicht gewusst, dass sie so etwas besaß. Ihr langes, weizenblondes Haar fiel über ihre Brüste und verstärkte den unirdischen Eindruck. Eigentlich trug sie sonst einen dicken Zopf auf dem Rücken. Jetzt bemerkte sie, dass sie keinen Büstenhalter trug. So ging sie normalerweise nicht aus dem Haus. Sie hatte auch auf ein Höschen verzichtet. - Was war nur los mit ihr? Es zog sie mit aller Macht in den Wald.

 

Ihre Aufmachung sah sehr ungewöhnlich aus, und so erregte sie entsprechendes Aufsehen, als sie durch die Straßen ging. Kamilla war froh, dass nicht so sehr viele Menschen unterwegs waren, die sich nach ihr umdrehen konnten. Sie war selbstbewusst genug, die Blicke mit einem Schulterzucken abzutun. Sie machten ihr weniger zu schaffen als ihre eigene, ungewöhnliche Verfassung. Sie glaubte zu wissen, was sie zu tun hatte. Doch wenn sie genau darüber nachdachte, hatte sie keine Vorstellung. Es war, als taste sie sich durch dichten Nebel - und doch musste sie gehen! Sie musste einfach!

 

Sie lief in den Wald - immer weiter. Als sie an den Fluss kam, wurde ihr leichter. Aber auch hier hielt sie nicht ein. Sie musste noch an einen anderen Platz. Plötzlich wusste sie genau, wohin sie wollte. An der Biegung des Flusses hatte ein Riese mit Felsblöcken gespielt. Dahin wollte sie gehen. Sich auf den Steinen in die Sonne setzen und warten! Je näher sie ihrem Ziel kam, desto leichter wurde ihr ums Herz, und als sie die Lichtung betrat, die sich zum Fluss hin öffnete, sah sie einen Zigeuner-Wagen stehen. Plötzlich war sie glücklich. Das Pferd, das neben dem Wagen graste, schnaubte freundlich, und sie streichelte zärtlich seine Nüstern.

 

ER war da! Er war zurückgekommen! Ihr Herz jubelte! Aber weder ihr Verstand noch ihr Bewusstsein konnten ihr eine Erklärung dafür liefern. Sie wusste nicht, warum sie sich so sehr freute über diesen "Besuch". Sie wusste nicht einmal, wer er war. - Oder doch?

 

Langsam drehte sie sich um die eigene Achse und sah sich um. Wo war der Besitzer des Wagens? Sie glaubte zu wissen, dass es ein Mann war und auch, dass er nur zu ihr kam! Sie ging noch ein Stück weiter, und da stand er. Er war auf einen der Felsen gestiegen und sah weit über den Fluss. Ihr Herz machte einen schmerzhaften Sprung. Er war so schön! Und sie hatte sich so sehr nach ihm gesehnt. Obwohl sie bis heute nichts davon gewusst hatte.

 

Ihr Blick glitt an seiner Gestalt entlang, prägte sich jede kleine Einzelheit ein. Seine nackten Füße - die Art, wie er breitbeinig auf dem großen Steinblock stand - so sicher und fest, als sei er verwachsen mit dem Untergrund. Seine schmalen Hüften, über denen die alte, zerschlissene Jeans nur mit einem Gürtel hielt. Sein Oberkörper war nackt, und sie sah die Narbe, die seine Schulter durchschnitt. Kamilla hatte plötzlich das Bedürfnis, sie zu berühren, zu streicheln oder vielleicht sogar zu küssen. Ihre Lippen darauf zu drücken. Leise stöhnte sie auf. Was war nur los mit ihr?

 

Ihre Augen hingen wie gebannt an diesem Mann, der ihr so vertraut war und dennoch ein Fremder. Sein langes Haar fiel dicht und schwarz über den Rücken. Er hatte es mit einem roten Band zusammengebunden. Plötzlich streckte er sich, hob die Arme hoch in den Himmel und dann sprang er kopfüber in den Fluss. Kamilla erschrak zu Tode. Sie rannte an das Ufer, und erst als sie seinen dichten Haarschopf über den Wellen auftauchen sah, atmete sie erleichtert auf. Er schwamm hinüber auf die andere Seite und stieg dort an Land. Aus der Hose lief das Wasser in Bächen über seine Füße. Er beugte sich hinab und drückte es mit seinen Händen aus dem Stoff.

 

Genau in diesem Moment fiel sein Blick auf sie. Mitten in der Bewegung erstarrte er, und dann sprang er zurück in den Fluss. Wie von Sinnen schwamm er in ihre Richtung. Er ließ kein Auge von ihr, und als er das Ufer erklomm, keuchte er vor Anstrengung. Als er sie erreichte, blieb er stehen wie angewurzelt. - Langsam sank er in die Knie, umfasste ihre Knöchel. Kamilla war verzaubert. Sie fühlte sich so angezogen von diesem Mann. Und ganz offensichtlich ging es ihm ganz genauso. Sie ließ sich zu ihm auf den Boden sinken und sah in seine Augen. Irgendetwas verband sie beide - da war sie ganz sicher!

 

Seine Hände umfassten zärtlich ihr Gesicht, und dann sah sie die Tränen in seinen Augen schimmern. Sie war so glücklich! "Weißt du, wer ich bin?" fragt er ganz leise. Kamilla schüttelte den Kopf. Er lächelte sie an. "Du weißt nicht, wer ich bin - und doch bist du gekommen?!" Es war eine Feststellung. Er wusste offenbar viel mehr über dieses Rätsel als sie, aber was auch immer es war, das sie wissen musste, er würde es ihr sagen. Sie war bei ihm - in Sicherheit!

 

"Wie heißt du?" fragte er sie. Kamilla fand es nicht seltsam, dass er sie kannte und doch nicht wusste, wie ihr Name war. "Mein Name ist Kamilla - diesmal!" - Wieso sagte sie das? Was sollte das bedeuten? Er lachte leise: "Die, dem Tempel Geweihte! - Ja, das passt!" stimmte er zu. "Mein Name ist Adrian - der aus dem Meer Stammende!" Er zog sie hoch und fasste nach ihrer Hand. "Komm mit!" Kamilla wusste nicht, was mit ihr los war, aber sie wusste genau, dass dies hier zu ihrer Bestimmung gehörte.

 

Er zog sie hinter sich her, immer weiter. Sie traten aus dem Wald, und ganz in der Nähe - mitten im hohen Gras - blieb er stehen. "Hier ist es! Kannst du es fühlen?" fragte er. Kamilla hatte keine Ahnung, wovon er sprach, und sie schüttelte den Kopf, aber gleichzeitig spürte sie, wie ein Zittern sie überfiel. Ihr Körper prickelte, als ob sie unter Strom stünde. Die Härchen auf ihrem Körper richteten sich auf, verursachten ihr eine Gänsehaut. Adrian sah es und strich mit dem Finger über ihren Hals. "Du spürst es!" stellte er beglückt fest. Er suchte auf dem Boden und fand auch genau das, wonach er suchte. Langsam ging er im Kreis und legte einen Stein nach dem anderen frei.

 

Der Steinkreis! Kamilla wusste plötzlich, sie stand inmitten eines Heiligtums. Woher sie es wusste, konnte sie sich nicht erklären, aber sie war sich sicher! "Leg dich hierher!" befahl er und wies ihr eine Stelle an. Kamilla zögerte keinen Moment. Sie und er waren hier verabredet. Sie gehörten zusammen - auch wenn sie noch nicht wusste, warum das so war. Gehorsam legte sie sich hin und schloss die Augen. Was er tat, konnte sie nicht sehen, aber alle ihre Sinne waren geschärft. Sie fühlte, dass er sie umschritt - in einem großen Kreis. Sie hörte, dass er vor sich hinmurmelte - leise! Die Sprache hatte sie noch nie gehört, und doch klang sie seltsam vertraut. Ihr Körper wurde warm. Es war, als flute Licht in jede ihrer Zellen. Ihr Kopf wurde leicht - ihr Geist hell. Langsam erschienen Bilder vor ihrem geistigen Auge, aber immer noch verschwommen - so als schaue sie in einen tiefen See. Adrian kam zu ihr - sie spürte ihn neben sich, und dann berührte er ganz zart ihre Stirn. Wie von Zauberhand weggezogen verschwand der dünne Schleier, der ihr den Blick verwehrt hatte. Die Erinnerung erwachte:

 

Wie lange lag es zurück? - Es war so lange vor der Zeit, dass sie es nicht in menschliche Dimensionen fassen konnte. Sie standen auf dem höchsten Punkt der Insel und sahen hinaus auf das Meer. Adrian war da, an ihrer Seite. Er war ihr Gefährte, ihr Untergebener - ein Diener der Göttin, deren oberste Priesterin sie war. Hinter ihnen brach die Welt entzwei. Ein Vulkan zerstörte ihr Land, ihr Leben - den ganzen Kontinent. Aber sie hatten es ohnedies gewusst, ihre Kultur war dem Untergang geweiht - und sie waren bereit.

 

In den letzten Minuten ihres Lebens jedoch gehorchten sie nicht mehr ihrer Pflicht. Und das war der Grund, warum sie sich nun hier wieder fanden - wieder finden konnten. Er hatte sie in die Arme genommen, und es war aus ihm heraus gebrochen. Er konnte einfach nicht sterben, ohne es ihr ein einziges Mal gesagt zu haben. Obwohl er sicher war, sie wusste alles! Seine Lippen hatten ihre Stirn berührt - wie vorhin - und eine Feuersbrunst ausgelöst in ihrem Inneren. Leise hatte er ihr seine Liebe ins Ohr geflüstert und doch alles übertönt, was bis dahin ihr Leben war. All ihr Wissen, all die Weisheit, die sie besaß - zu besitzen glaubte, war verschwunden aus ihrem Geist, aus ihren Herzen. Nur noch Raum für ihn war in ihr. Sie küsste ihn - Kamilla erinnerte sich an den ersten Kuss ihres Lebens! Er brannte wie Lava auf ihren Lippen, und bevor die Lava des Vulkans sie erreichte, hörte sie, wie er sie beschwor: "Versprich mir! Versprich mir, dass wir uns wieder sehen! - Ich kann nicht so gehen! - Du gehörst zu mir - du und ich sind eins! - Versprich es mir! - Hab keine Angst - wo immer du auch sein wirst - Wann auch immer - ich werde dich finden! - Meine Gebieterin, meine Königin - Geliebte! Versprich!"

 

Sie hatte es versprochen. Sie hatte geschworen, bei allem was ihnen heilig war, und dann kam das Ende - und doch spürte sie nur seine Arme - um ihren Leib, seine Hände auf ihrer Haut und seine Lippen auf ihrem Mund.

 

Kamilla riss die Augen auf. Sah in schwarze, flammende Blicke, die sie umfingen und wusste plötzlich, dass sie die Wahrheit gesehen hatte - ihre eigene Vergangenheit. Ihre und seine. "Kannst du mir vergeben, dass du nicht heimkehren konntest? Kannst du mir jemals verzeihen?" flüsterte Adrian.

 

"Du weißt es doch! - Es ist meine Entscheidung gewesen! Du hättest nichts tun können, mich vom Weg abzubringen, wäre ich nicht bereit gewesen!" Kamillas Stimme klang fremd und dunkel. "Aber du hattest Recht! - Wir gehören zusammen, und nun kann sich unser Schicksal erfüllen. Ich hätte nicht wahrhaftig die große Priesterin sein können, die unser Volk führte. Es gab eine Würdigere!" Kamilla war traurig. Sie wusste, sie hatte versagt, die Erwartungen, die ihr Volk in sie setzte nicht erfüllt und doch, jetzt war sie glücklich! Sie hatte ihn gefunden, den Mann aus dem Meer, der ihr ein Leben lang gedient hatte. Viele Leben lang immer wieder zur Seite gestanden hatte - er hatte sie gefunden! So wie er es versprochen hatte! Und jetzt war er bei ihr. Warum jetzt? Was war heute anders gewesen?

 

Adrian sah die Frage in ihren Augen. "Weißt du welcher Tag heute ist?" Kamilla dachte nach, aber immer noch zogen Wolken durch ihren Geist. Die Erinnerung war zurückgekehrt, doch ihr Wissen war immer noch verschüttet. "Halloween! - Es ist Samhain! Die Grenzen sind durchlässiger zwischen den Jahren. Und das Wissen ist vorhanden, man muss es nur suchen. - Das hast du heute gespürt und dich aufgemacht, und du weißt es: Wer sich auf den Weg macht, wird sein Ziel erreichen. Denn wenn der Schüler bereit ist, findet sich der Lehrer ein!"

 

Kamilla wusste, dass er die Wahrheit sprach. Doch so wie die Dinge lagen, war nicht sie "der Schüler" - oder vielleicht doch! Sie erhoben sich und gingen langsam durch den Wald zurück. Adrian griff nach ihrer Hand, und sie überließ sie ihm. Hand in Hand wanderten sie durch die blühende Landschaft und waren einfach glücklich. Als sie zum Wagen kamen, holte er einige Dinge heraus, und sie sah, dass er ein Feuer schürte. Sie setzte sich zu ihm und betrachtete seinen Vorbereitungen. Noch mehr interessierte sie aber der Mann. Die Erinnerung überfiel sie. Sie hatten gemeinsam der Göttin gedient, sie hatten die Riten des Lebens vollzogen und waren doch niemals wirklich vereint gewesen. Sie waren nie Mann und Frau, niemals nur Geliebter und Geliebte gewesen. Sie waren immer nur der Gott und die Göttin, die die Weihe vollzogen. Sehnsucht kroch in ihren Leib. Sie spürte jedes einzelne Härchen auf ihrem Körper. Sein Oberkörper war so muskulös, seine Haut so glatt, so glänzend, dass sie kaum ihre Hände unter Kontrolle halten konnte.

 

Aber Adrian fand ebenfalls immer mehr Arbeiten, die ihn in ihre Nähe führten. Letztendlich ließ er das Feuer Feuer sein und setzte sich neben sie. Gemeinsam sahen sie in die Flammen. Die Erinnerungen stiegen auf, wie Blasen im Wasser. Auch er fand es schwer, seine Hände bei sich zu lassen, und nach einer Weile legte er seinen Arm um ihre Schultern. Sanft zog er sie zu sich heran. "Woran denkst du, Akyo?" Kamilla zuckte zusammen. Diesen Namen hatte sie seit Jahrhunderten vergessen. "Ich bin nicht mehr die große Göttin, die sich den Gefährten erwählt, um sich mit den Menschen zu verbinden - zu ihrem Segen! Schon lange nicht mehr!" In diesem Moment bedauerte sie es fast.

 

"Und doch wollte ich, du könntest die Göttin ehren!" murmelte er leise. "Du weißt, dass ich es kann!" entgegnete sie. "Du weißt, dass jede Frau das Recht hat, das Geschenk zu übergeben! Dass jede Frau den Partner wählen kann, um ihm das Leben zu schenken! Jede Frau kann "die Göttin" sein - für jeden Mann ihrer Wahl!" - "Ich wollte, ich wäre der Partner Deiner Wahl!" flüsterte er fast unhörbar. Sie war seine Göttin! Er hatte sie schon immer geliebt, obwohl das unangemessen war. Aber er hatte in jedem neuen Leben immer wieder nur sie gesucht - immer wieder nur sie geliebt. Und auch jetzt hatte er unglaubliche Strapazen auf sich genommen, um sie wieder zu finden. Entgegen den Forderungen seines Clans. Niemand hatte seine Sehnsucht verstanden seine Frau zu finden, die ihm seit Äonen bestimmt war. Denn er musste sie finden! Er war ihr verpflichtet. Er hatte ihr Schicksal verändert! Er musste ihr helfen, das Karma zu lösen!

 

Und er verzehrte sich in heißer Sehnsucht nach ihr! Seine Hand glitt über ihren Rücken. Adrian konnte das warme, weiche Fleisch unter dem dünnen Kleid spüren. Es trieb ihn zur Verzweiflung. Er wollte nur noch ihre Haut - und doch musste sie das Zeichen geben. Er durfte nicht ohne ihre Zustimmung ihre Zärtlichkeit erwecken! Sie war die Göttin! Sie, nur sie allein, konnte sich ihm schenken. Sein Verlangen wurde übermächtig, aber mit eiserner Willenskraft hielt er sich in Zaum. Denn er wusste, WENN! sie sich ihm schenkte, dann war das der Himmel auf Erden. Ein Himmel, den er niemals ohne sie finden konnte.

 

"Temuran!" flüsterte sie seinen alten Namen, den, der sich in ihre Seele gebrannt hatte. Er drehte sich zu ihr, sah in die tiefblauen Augen, die aussahen wie Kornblumen im Weizenfeld ihres blonden Haares. "Meine Blume!" Schon immer war sie ihm so erschienen, wie eine zauberhafte Wiesenblume, die sich im Wind wiegte. Adrian legte seine Hände um ihr Gesicht, streichelte sachte ihre Wangen. "Wie alt bist du?" fragte er nachdenklich. Natürlich hatte er sich daran gewöhnt, sie zu suchen und auch sie zu finden, aber diesmal war sie so jung - fast noch ein Mädchen. Er konnte sie nicht überfallen mit seiner Sehnsucht! Kamilla lächelte. Sie wusste, in welche Richtung seine Gedanken gingen. "Ich bin siebzehn - und ich bin noch Jungfrau!" bestätigte sie seine Vermutung. "Aber ich bin auch Akyo! - Ich weiß einiges mehr als eine Einmalgeborene!" Als wolle sie diese Aussage bestätigen, ließ sie ihre Hand auf sein Knie sinken. Er spürte sie, als hätte sie glühende Kohlen auf sein Bein gehäuft. Mühsam unterdrückte er einen Seufzer. Aber Akyo kannte ihn schon so lange! Sie spürte seinen Gefühlslage, seine Begierden!

 

Und sie fühlte ihre eigene Sehnsucht. Sie hatte ja auch nur auf ihn gewartet, und als sie ihn sah, war ihr erster Impuls gewesen, die Narbe auf seinem Rücken mit ihren Lippen zu berühren. Natürlich wusste sie, dass sie die Göttin und ihr Wissen erst wieder erwecken musste, aber sie war sich sicher: Er würde ihr dabei helfen! Langsam begann sie die Knöpfe an ihren Kleid zu öffnen. Adrian konnte den Blick nicht von ihren Händen lassen. Jetzt konnte er doch seine Sehnsucht nicht länger in Zaum halten. Seine Hände berührten ihre. Streichelten zart darüber hin, halfen ihr mit den Knöpfen. "Du weißt, es ist eine besondere Kraft in der Verbindung mit einer Jungfrau?!" Jetzt sah ihn Kamilla an, nicht die Göttin Akyo!

 

Die Zärtlichkeit für sie, die in ihm aufstieg, war grenzenlos. "Meine Liebste, meine Einzige! - Wie oft haben wir dies getan? - Es ist jedes Mal ein Wunder! Ich werde niemals davon geheilt werden - von meiner Sehnsucht, meiner Liebe zu dir! Ich werde jedes Mal aufs neue meine Familie verlassen - meine Mutter verwunden - um dich zu suchen! Um dich zu finden! Mich mit dir zu verbinden! Meine Jungfrau! Meine Göttin! Akyo!" Seine Hand glitt in den Ausschnitt, berührte zärtlich ihre Haut, suchte nach ihrer Brust. Kamilla schloss die Augen und schob sich näher zu ihm. "Temuran!" Fast unhörbar flüsterte sie seinen Namen. Ihre Hände suchten die Narbe auf seiner Schulter, streichelten sie vorsichtig. Doch dann übermannte sie die eigene Sehnsucht. Sie zog ihn an sich und presste ihre Lippen auf die geschundene Haut.

 

Adrian nahm sie in die Arme und hielt sie an sich gedrückt, so zart und doch so fest, wie er nur konnte. Sie zu verlieren brachte ihn jedes Mal an den Rand des Wahnsinns. Doch es geschah immer wieder. Er hatte geschworen, sie nie zu verlassen, also musste sie vor ihm gehen - immer und immer wieder! Leben für Leben! Das war der Preis für ihre Liebe! Der Preis für ihr Versagen - und doch war es das alles hundertfach wert! - Er hatte sie wieder! Für dieses Mal!

 

Kamilla stand auf und streifte das Kleid von ihren Schultern, ließ es achtlos auf den Boden fallen. Adrian konnte seine Augen nicht von ihr lassen. "Wie schön du bist!" murmelte er. Dann öffnete er seinen Gürtel und ließ die alte Jeans auf die Erde fallen. Kamillas Blicke streichelten ihn. Aber das war ihr nicht mehr genug. Sie wollte ihn berühren.

 

Adrian wusste jetzt, dass seine Liebe willkommen war! Er sah das Einverständnis in ihrem Gesicht. Sie sehnte sich nach ihm. Leidenschaftlich zog er sie an sich, schmiegte seinen nackten Leib an ihren weichen, warmen Körper. "Ich liebe dich, meine Jungfrau! Ich liebe dich, meine Kamilla!" stöhnte er, als er fühlte, wie sie sich ihm öffnete. Seine harte Männlichkeit drängte sich gegen ihre Schenkel, und sie gewährte ihm Einlass. Adrian fühlte, wie er sich zwischen ihr Fleisch schob - spürte, wie sein harter Liebesstab gegen ihre Schamlippen drückte, sich an ihnen rieb. Unauffällig bewegte er die Hüften, verstärkte so die Reibung. Kamilla lachte leise. Sie hatte diese kleine List durchschaut, und Adrian wurde tatsächlich ein klein wenig rot.

 

"Komm!" flüsterte er. "Komm mit mir!" Er nahm sie an der Hand und zog sie mit zu dem großen Felsen, auf dem er gestanden hatte. An seinem Fuß hatte er ein Lager errichtet. Zwischen den Felsblöcken, den Sträuchern und den hohen Gräsern lag eine weiche Decke ausgebreitet. Adrian ließ ich darauf nieder, kniete vor ihr auf der Erde und sah zu ihr auf. Kamilla sah ihn an, die Liebe überflutete sie förmlich. Sie würde sich ihm schenken, aber sie würde auch die Empfangende sein. Ihre Hände legten sich auf seinen Kopf und zogen ihn an sich. Adrian sog ihren Duft tief in sich ein. Ihre nackte Haut trieb ihn an. Seine Hände wanderten über ihren Leib, und Kamilla schloss die Augen, genoss seine Berührungen.

 

Adrian wusste, er würde sich gedulden müssen! Sie war da, bei ihm. Er würde sie lieben, aber er würde Zurückhaltung üben müssen. Noch! Sie musste sich erst langsam wieder erinnern. Seine Arme umschlangen sie, pressten sie an sich. Er spürte ihre Haut auf seiner. Sein Glied war so hart und gierig, in sie einzudringen, dass er beinahe die Beherrschung verlor, als sie sich zu ihm auf die Decke legte. Sie zog die Beine an, und er konnte ihre Venus sehen. Sein Blick war gefangen! Kamilla sah, wohin er schaute und spreizte ihre Schenkel noch weiter auseinander. Ihre Sehnsucht nach ihm wuchs stetig. Sie spürte die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen. Die kühle Abendluft streichelte ihre benetzten Schamlippen. Das Gefühl machte sie verrückt. Langsam hob sie ihm ihr Becken entgegen. Adrian stöhnte laut auf vor schierem Hunger nach ihr. "Liebe mich!" flüsterte sie.

 

Adrian zitterte vor Gier, doch er hielt stand. Er beugte sich hinab zu ihr, und seine Finger erkundeten vorsichtig diese jungfräuliche Venusgrotte. Ganz zärtlich zog er ihre weichen Lippen auf und schob seine Zunge dazwischen. Kamilla stöhnte. Sie presste ihm ihre gierige Scham entgegen. Stieß mit dem Becken gegen seine Hände, spürte wie seine Finger eindrangen. Das Verlangen, ihn in sich zu spüren, wurde übermächtig. "Komm! Komm in mich!" flehte sie heiser. Ihre Möse gierte danach, von ihm aufgespalten zu werden, seinen harten Liebesspeer eindringen zu fühlen.

 

Sie wollte ihn jetzt! Sie konnte nicht länger warten. Ganz weit drückte sie ihre Oberschenkel auf, hob ihre Hüften zu ihm empor und stützte sich auf ihren Armen ab. Adrian wusste, er konnte keine Beherrschung mehr aufbringen. Dieses Bild war einfach zu hinreißend - zu geil. Sein Schwanz zuckte in seiner Hand. Er kniete sich vor sie und griff zu. Seine Finger spreizten erneut ihre Scham und suchten den Kitzler. Zärtlich legte er seine Fingerkuppe darauf und drückte zu. Kamilla stöhnte laut, und ihr Becken zuckte unter ihm. Langsam schob er sich näher. Sein Penis berührte ihre gierige Liebeshöhle. Beide stöhnten in heißem Verlangen auf - sahen sich in die Augen. Eine Sekunde noch währte ihre Sehnsucht. Dann stießen sie zu, versanken in der Erfüllung ihres Lebens.

 

Adrian lag in ihren Armen, in ihrem Vulkankrater versunken - unbeweglich, geborgen! Er spürte, wie ihr Blut an seinen Beinen entlang lief. Sie tauchte die Finger ein und zeichnete erst ihn und dann sich selbst mit dem Blut der jungfräuliche Göttin. Sie hatte nichts vergessen! Doch danach war es um ihrer beider Zurückhaltung geschehen. Kamilla begann sich unter ihm zu bewegen, und als er ihre Leidenschaft spürte, die Reibung an seiner überempfindlichen Kuppe, stieß er zu. Rhythmisch drang er ein und zog sich zurück. Kamilla keuchte in purer Lust. "Jaah, Temuran! Jaaah!" Sie presste ihre Schenkel um seine Taille und hielt ihn so auf Abstand. Nur die Spitze des Zauberstabes berührte das Heiligtum, schob sich immer wieder zwischen ihre Schamlippen. Sie keuchte vor Gier ihn ganz in sich aufzunehmen, und doch verhinderte sie es noch. Adrians Finger massierten ihre Klitoris und erregten sie so noch weiter. Er kippte sein Becken nach hinten. Drückte ihr so seine Hoden zwischen die Schenkel. Das Gefühl war überwältigend. Er stöhnte laut und presste sich noch enger an sie. Ihr williger Leib brachte ihn zur Raserei!

 

Dann plötzlich fühlte er ihren Körper unter sich zucken. Wellen der Lust überfluteten sie, und sie spreizte ihre Beine weit, um ihn völlig in sich einzulassen. Mit dem letzten Stoß seiner Lenden drang er ein und überschwemmte sie mit seinem Lebenselixier. Bewegungslos lagen sie aufeinander - ineinander, und dann geschah es. So wie sich ihre Körper vereinigt hatten, vereinigten sich nun Geist und Seele! Kamilla und Adrian wurden wieder zu Temuran und Akyo! Der Gott und die Göttin hatten das Geschenk des Lebens erneuert. Sie hatten sich wieder mit der Erde verbunden - zu neuem Segen für die Menschen! Und sie hatten sich wieder gefunden, ihre Liebe bestätigt für ein neues, gemeinsames Leben!

 

Samhain hatte von neuem den Zweck erfüllt, den Kreis des Lebens zu schließen, die Seelen zu verbinden, die zusammen gehörten, aber auch die Fruchtbarkeit für Mensch und Tier - für die ganze Natur zu feiern und die Welt zu erinnern, dass es noch etwas anderes gab: Die Dinge hinter den Dingen!

 

© BvS

Inspiriert von "Die Nebel von Avalon"                                                                        Ihre Meinung?