Das komische Ding

 

Es gab da einen Mann, an den sie dachte - manchmal.
Und wenn sie an ihn dachte, dann lächelte sie.
Er war gut für sie – gut für ihre Laune – gut für ihre Seele.
Manchmal dachte sie, er sei gut für ihr Herz.
Und dann schmerzte es, ihr Herz.
Das Herz ist ein komisches Ding, das wusste sie längst.
Es lässt sich nicht immer so beherrschen, so wie man es sollte.

 

* * *

 

Sie kannte ihn doch gar nicht, nicht richtig.
Und doch wusste sie mehr von ihm, mehr als andere.
Er vertraute ihr Dinge an, die er niemandem sonst je sagen würde.
Und sie vertraute ihm, aus tiefster Seele.
Es gab keinen Zweifel in ihr, nicht den geringsten.
Nur wusste sie nicht warum.
Sie brauchte immer einen Grund – normalerweise.

 

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Sie kannte ihn doch gar nicht, nicht persönlich.
Aber sie kannte seine Gedanken, seine Sehnsüchte.
Er vertraute ihr sein Herz an, sein Verlangen wie sein Versagen.
Gesehen hatten sie sich nie – und doch!
Wer war es doch gewesen, der es gesagt hatte?
Man sieht nur mit dem Herzen gut!
Sie konnte ihn sehen – ganz deutlich.

 

* * *

 

Sie kannten sich doch gar nicht – von Angesicht zu Angesicht.
Aber sie spürte seine Sehnsucht nach Nähe, ihrer Nähe?
Er wollte glauben an sie, die fremde Vertraute.
Eine Frau die alles war in einer Person, Engel und Hexe
Nicht überlegen und edel, nicht verworfen und geil.
Eine Freundin – moralisch und verrucht, listenreich und aufregend
So wie sie es war, in seinen Augen.

 

* * *

 

Er kannte sie doch gar nicht, glaubte es doch nur.
Und doch traf er es so genau, ihr Innerstes, ihr Wesen.
Vielleicht machte ihn das so anziehend für sie.
Er erfasste ihr Sein, ohne sie zu kennen - durch sein Vertrauen.
Durch sein Bedürfnis nach ihr, nach ihrer Freundschaft.
Nicht nach mehr, obwohl es manchmal so aussah.
Sie spürte, was er wollte von ihr – und das war lauter!

 

* * *

 

Sie kannte ihn doch, sie kannte sein Herz
Und das war rein, so wie das ihre.
Es fehlte nur das Wort, das benennen konnte, was sie verband.
Aber brauchten sie ein Wort? Sie wussten es ja.
Denn er kannte sie doch, hatte sie gefunden.
Unter Millionen von Fremden und Freunden
Der Bruder - die Schwester!

Du – mich!

 

© BvS

 

 

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