Piadora



Den ersten "Klick" zu dieser Geschichte finden Sie hier:

 

Klick - Phoebe

© by Piadora

 

 

Zweiter "Klick"


Das Aktbild

 

Barfuß und halbnackt  stand er in der Dunkelheit, die braune Haut seines Oberkörpers rot überhaucht. Nur seine Jeans hatte er noch an. Aber auch da wusste er nicht wie lange noch. Was war das nur dieses Mal? Keine Fotosession wie sonst, oh nein! Dieses Mal berührte es ihn - persönlich. Klick! Dabei hatten sie kein Wort gesprochen. Nicht ein einziges. Sie war so feinfühlig. Bewegte sich nach seinen Vorstellungen, posierte so geschickt und immer im richtigen Licht, dass ihm der Atem stockte. Sie lebte seine Gedanken! Phoebe.

 

Er hatte sie auf der Party gesehen - als er mit Mike über das ideale Aktbild debattierte. Fotografen unter sich. Sie hatten nicht miteinander geredet - aber er konnte spüren, dass sie zuhörte. Intensiv zuhörte. - Interessiert! Ihre Augen hatten reagiert. Sie begannen zu funkeln, als er über seine Theorie vom idealen Aktfoto dozierte. Er sprach immer mehr nur für diese dunkeln Augen, die an ihm vorbei sahen. Und Mike hatte keine Ahnung.

 

Wenn er sie ansah - mit dem Auge seiner Kamera - dann wusste er: Sie war es! Das Kribbeln in seinen Eingeweiden bestätigte es ihm. - Dieses eine Bild! Wie gerne hätte er es mit ihr gemacht! Klick! Aber er war nicht der Typ, der eine fremde Frau um ein Aktfoto bat. Innerlich verfluchte er sein Unvermögen. Und dann, als er von der Toilette zurückkam - war sie fort. Sein Abend war zu Ende. Wieder mal eine verpasste Gelegenheit. Enttäuscht griff er zu seinem Bierglas, um den Rest in einem Zug zu leeren. Er würde gehen. Es war genug!

 

Igitt! - Was schwamm da in seinem Bier und vergällte ihm auch noch den letzten Rest von Genuss? Angewidert fischte er ein aufgeweichtes Stück Papier heraus. Eine Visitenkarte. PHOEBE stand da gedruckt. Das war alles. Mit Kugelschreiber hatte sie in steiler Handschrift darunter geschrieben: 15 Uhr Am Heumarkt. Adrenalin schoss in seinen Kreislauf wie intravenös verabreicht. Was würde morgen um drei Uhr geschehen? Würde er sein Bild bekommen? Das ideale Aktbild? Sie wusste, was er wollte. - Und er würde da sein!

 

Eine Stunde vorher schon war er da gewesen - und wartete. Und dann hatte er sie fast verpasst. Beinahe zu spät sah er sie in der Bahn, ganz vorne hinter der Fahrerkabine. Er rannte los. In letzter Sekunde sprang er auf den Waggon auf. Atemlos lehnte er sich an eine der Haltestangen - und sah sie an. Am liebsten hätte er sie schon jetzt... aber seine Kamera lag noch still und leblos in der grauen Tasche, die über seiner Schulter hing.

 

Nur kurz hatten sich ihre Blicke getroffen, waren ineinander versunken und hatten sich vergewissert, den Richtigen gefunden zu haben. - Oh ja! Für ihn war sie die Richtige! Sie glänzte in diesem Waggon wie ein goldener Sonnenstrahl. Ihr blondes Wuschelhaar leuchtete ihm entgegen, erhellte die milchweiße Haut noch mehr. Die dunkel geschminkten Augen glänzten. Der schwarze Lackmantel schmiegte sich eng an ihren schlanken Leib. Die Erkenntnis, die ihn dann streifte, traf ihn wie der Blitz. Sie war nackt unter diesem Mantel! Er hatte nach Luft geschnappt und den Blick gesenkt.

 

Und nun stand er hier in seiner Dunkelkammer und entwickelte, betrachtete verzaubert, was seine Kamera eingefangen hatte. Er hatte es, sein perfektes Aktfoto! Eines perfekter als das andere. Klick! Er hatte Phoebe - nackt unter dem dünnen Lack. Eine süße, runde Brust präsentierend, scheu lächelnd im Sonnenschein des Melaten-Friedhofes. Das blühende Leben - zwischen alten, efeuumrankten Gräbern.

 

Er hatte SIE, wie sie ihre bloßen Brüste an einen steinernen Engel schmiegte und er hatte SIE auf der Bank - mit weit geöffnetem Mantel. Die perfekte Schönheit ihres Körpers faszinierte ihn. Weißhäutig und glatt, schlank und biegsam, schien ihr ganzer Leib mit seiner Kamera zu flirten. Sie führten ein Zwiegespräch und eigentlich war nicht er es, der diese Bilder schuf, es war SIE - und sein Objektiv. Es hatte sich verliebt in Phoebe - mit dem ersten Klick.

 

Und trotzdem war es nicht nur ihre perfekte Figur, die die erlesene Qualität dieser Bilder ausmachte. Natürlich war es ein Genuss, mit Blicken den verlockenden Linien unter dem Lack zu folgen. Der grazilen Kurve des Kinns hinunter über den Hals - auf dem weißen Dekolleté zu verweilen, um dann ihren vollendeten Busen zu streicheln. Und tiefer hinab über das runde Bäuchlein, zu langen, wohlgeformten Beinen bis hin zu den verschlungenen Bändern der hohen Stilettos um ihre festen Waden. - Und doch war es nicht einmal der hohe, blank rasierte Schamhügel - zwischen weit geöffneten Schenkeln, der das Auge einfing, um alle Blicke zu fokussieren. Auch nicht die “Momentaufnahme“ von ihrer zauberhaften Scham, von weichen, rosenroten Lippen und der feuchten Tiefe des Blütenkelches einer wundervollen Blume der Lust. –

 

Nein! Es waren diese dunklen Augen, die lustverschleierten Blicke, die ihm ihre Erregung bekundeten - die ihn erregten. Es war die sanfte Röte der Scham auf ihren Wangen, wenn sie seiner Kamera die süßen Geheimnisse um das sehnsüchtige Verlangen ihres Körpers verriet. Wie erregend lüstern sie aussah, wie aufwühlend sinnlich. Eine Aura frivoler Wollust umgab sie, die jeden Mann hinriss.

 

Als er zum letzten Foto griff, wurde ihm schwach. Das rote Licht der Dunkelkammer war auf einmal viel zu heiß, seine Hose beängstigend eng. - Das war es! - DAS Bild! - SEIN Bild! - Das ultimative Aktbild! - Phoebe! Er musste sich setzen.

 

Phoebe - eingefangen von seiner Kamera. Klick! Phoebe - liebkost von Licht und Schatten. Schwebend unwirklich - zwischen Leben und Tod. Inmitten verwitternder Gräber und lichtem Gehölz. Phoebe, die sich nach vorne beugte - bloße Beine auf hohen Absätzen! Den kurzen, schwarzen Mantel hochgezogen - bis weit hinauf über einen prallen, runden, nackten Po! Phoebe, die das süße Geheimnis weicher Lippen offenbarte! Blassrosa Heiligtum - Sehnsucht aller Männer! Mysterium der Lust!

 

Und Phoebe, die um ihre Beine spähte, die Locken sich tief in die Stirn kringelnd - mit Augen die faszinierten - becircten - betörten. Die von Sehnsucht erzählten, von Hingabe und Lust, von leidenschaftlichem Verlangen und dem Versprechen auf Erfüllung. - Phoebe, die verrückt machte - sinnlos vor Begehren - mutwillig aufreizte und verführte - und doch auch Opfer war. Hilflos, unfähig zu widerstehen, ausgeliefert und hingegeben: Der Macht der sinnlichen Liebe - der Sehnsucht ihres Leibes!

 

Fassungslos betrachtete er sein Bild. Das Ziel all seiner Unternehmungen. Er hatte es erreicht: Das perfekte Aktbild! - Und nur um zu erfahren, dass es darüber hinaus noch mehr gab. Viel mehr! Sirenengesang und Zauberinnen und Augen, die einen schlugen mit der unheilbaren Sehnsucht nach Liebe - und nach ihr: Phoebe!

 

© BvS                                                                                             Ihre Meinung?