Meine ... große, kleine Sünde



SO EINE BESCHEUERTE SCHNAPSIDEE! Nun saß sie mitten im Gebüsch, wagte kaum zu atmen - bloß kein Blatt rascheln lassen und auch kein anderes Geräusch verursachen. DA HATTE SIE SICH JA WAS SCHÖNES EINGEBROCKT! Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und noch höher. Das hatte sie nun davon – von ihren spleenigen Ideen. Wie eine Verbrecherin kam sie sich vor - eine Diebin. Scham kroch bei diesen Gedanken in ihr hoch.

Und warum das Ganze? Sie wollte ihrer Freundin eine Freude machen. Sie wusste, ihre Freundin wünschte sich nichts sehnlicher als ein Foto von ihm. Ihren gemeinsamen Berufschullehrer Dr. Dieter Sauer.

Ein Bild sollte sie bekommen – ein ganz besonderes.

Die Augen sollten ihr aus dem Kopf quellen – ihrer Freundin. Sie würde ein Nacktfoto schießen von ihm!
So spontan dieser Gedanke gekommen war – mitten in der Nacht – bewaffnete sie sich also mit ihrer Kamera, schwang sich kurz entschlossen auf ihr Motorrad und fuhr los.

Es war eine warme Sommernacht und schon entsprechend spät. Dunkel genug war es auf jeden Fall. Sie hoffte nur, das Objekt der Begierde wär noch wach – vielleicht gerade im Begriff, ins Bett zu gehen? Das wäre perfekt!

Sie schaltete den Motor ab, die letzten paar Meter rollte sie ihre Maschine auf dem Parkplatz um die Ecke. An dieser Seite lag sein Balkon. Zum Glück wohnte er in der 1. Etage. Schon Wochen vorher hatte sie das herausbekommen.

Schwaches Licht flimmerte aus dem breiten Balkonfenster zwischen den hohen Büschen hindurch. „Der Fernseher“ – schoss es ihr erleichtert durch den Kopf. „Er ist also noch wach“– das war gut.

Befriedigt lächelnd nahm sie ihren Helm ab – um sich besser umsehen zu können. Tat so - sitzend auf ihrer Maschine - als ob sie jemanden erwarte. „Ich bin verabredet – ich bin verabredet“ redete sie sich ein. Sie wusste, dass solche Sätze innerlich gesprochen, ihr Verhalten äußerlich verändern würde. Sie bemerkte, wie sie sich entspannte und automatisch einen Blick auf ihre Uhr warf. Ihr Blick aber - galt nur der Umgebung. Kein Mensch zu sehen – gut!

Langsam stieg sie von ihrer Maschine ab. Nun wäre es gut, eine Raucherin zu sein – rauchend könnte sie unauffällig irgendwo stehen, um sich einfach eine zu quarzen. Es diente dem Genuss, keiner würde hinterfragen, warum die Rauchende gerade dort stand. Aber einfach so dastehen - mitten in der Nacht - erregte immer Aufsehen. Auch wenn man so tat, als ob man auf jemanden wartete.

Sie musste also schnell handeln. Eine seitliche Zugbewegung am Lenker ihres Bikes überprüfte, ob ihr Motorrad richtig auf dem Seitenständer stand. – Sie sah sich rasch um, die Umgebung dabei abermals kritisch abcheckend.

Zack – blitzschnell hatte sie sich geduckt. Im Sichtschutze ihres Motorrades sprang sie nun ins Gebüsch. Als sie es registrierte war es zu spät, sie erstarrte vor Entsetzen!


DIE BALKONTÜR STAND SPERRANGELWEIT OFFEN! „Hatte er etwas gehört? Der Sprung war nicht gerade leise gewesen! Wo war er?“ Schossen ihre Gedanken durch den Kopf. Weiter kam sie mit ihren Gedanken nicht mehr, denn was nun folgte, war gänzlich entgegen ihren Erwartungen und entwickelte sich zur Horrorvision.

Sie sah seine Silhouette in Richtung Balkontür wandern. Im Schein des Fernseherlichtes begriff sie auf einmal – er war völlig nackt!

Nicht einmal eine Hose hatte er an – und kam direkt auf sie zu! Fluchtimpulse durchfuhren ihren Körper, überfluteten ihr Gehirn, drängten sie zu fliehen, schleunigst wegzurennen. Ihr Körper, von Adrenalin durchpulst, zitterte wie Espenlaub. Und ihr Lehrer schritt weiter zügig auf sie zu.

„RUHIG!“ – mit diesem einen Wort versuchte sie energisch, einen Gegenimpuls zu setzen. „Er kann dich nicht sehen – er kann dich nicht sehen! Abwarten und keinen Mucks!“ Dachte sie bei sich. Eine Gänsehaut breitete sich aus. Schweißperlen traten ihr auf Stirn und Nacken. Sie spürte, wie die salzigen Tropfen ihre Bahn zogen. Wie gerne hätte sie sich einfach über ihre Stirn gewischt. Das aber hätte die Äste um sie geradezu verräterisch schwanken lassen. Das leiseste Knacken würde sie nun verraten! Er stand keine zwei Meter entfernt.

Gar nichts durfte sie machen – außer starren.

MÜCKEN – umschwirrten plötzlich ihren hochroten Kopf, setzten sich auf ihre erhitzte und doch fröstelnde Haut. Schon stach die erste zu! Der eine Ast an der linken Schläfe begann mit einem Mal äußerst unangenehm zu drücken. Sie spürte, wie Grünspan auf ihre Haut rieselte bei dem Versuch, vorsichtig eins der kleinen Blut-saugenden Biester an einem Ast reibend von ihrer Haut zu vertreiben.

Ihre Nase juckte. – „Alles, nur nicht niesen!“ schoss es ihr durch den Sinn.

Sie begann, ihre Nase zu bewegen – vorsichtig pustete sie eine andere Mücke weg. Aber diese dachte gar nicht daran, so ein gefundenes Fressen ernsthaft zu verlassen. Ssssst mit ultrahohem Angriffssound - nahm sie woanders Platz. Sssst – kam die Nächste. Sssst, ssst, ssssssst.

Es war zum wahnsinnig werden – und dazu kam noch die viel größere Gefahr, entdeckt zu werden - von ihm. Ihr Lehrer stand keine zwei Meter von ihr entfernt auf dem Balkon und rauchte genussvoll - wie es schien - eine Zigarette – splitterfasernackt!

„Das darf doch alles nicht wahr sein! So eine Geschichte glaubt mir ja kein Mensch“ – dachte sie bei sich. „Ich würde es schließlich nicht einmal selber glauben – wenn ich nicht gerade drin stecken würde. MITTENDRIN!

Wie war das? – Der liebe Gott bestraft kleine Sünden immer sofort?“

Es musste sich hierbei schon um eine sehr GROSSE, kleine Sünde handeln – so wie sie litt.

Sie musste einfach – bitte – nur eine Hand für ihr Gesicht freibekommen. KNACK!

- NEIN!-

Er kam auf sie zu – was sollte sie ihm sagen? Er blieb stehen – sie hörte, wie er tief Luft einsog. Sie wollte nur noch tief im Erdboden versinken. Hatte er sie entdeckt? Sie traute sich weder zu atmen, noch aufzuschauen. Ihr Herzschlag – derart laut. Bestimmt konnte er ihn hören - ihren Herzschlag. Das Rauschen ihres Blutstroms.

Noch lauter aber war sein Ausatmen. Langsam, äußerst langsam wurde ihr klar – er hatte nur an seiner Zigarette gezogen. Eine Spannung wich, wurde aber sofort durch den nächsten Gedanken ersetzt.

„Was wenn er den brennenden Stummel nun zu ihr ins Gebüsch schnippte? - Sie traf?“ ...

 

Nichts dergleichen geschah. Ein Stein fiel von ihrem Herzen, als sie sah – wie er zurück in seine Wohnung ging. Noch stand er dicht bei der offenen Tür – sie durfte also noch nicht aus ihrem Versteck. Allerdings konnte sie nun endlich mit einer Hand über ihr Gesicht fahren. Beide Hände zog sie zu sich heran. So konnten die Mücken sie nicht mehr plagen.

In dieser weit entspannenteren Haltung wartete sie nun auf die erste sich ihr bietende Gelegenheit, ihr Versteck endgültig zu verlassen.

„Wie gut er aussieht!“ Ertappte sie sich plötzlich bei verbotenen Gedanken. Nun – bei ihrer fast schon gemütlichen Position im Gebüsch, wagte sie genauer zu schauen. Da stand er – ihr Lehrer – nichts ahnend – splitterfasernackt - in seinem Wohnzimmer, den Fernseher betrachtend.

WOW! Was für eine – skurrile – Situation! Sie verspürte mit einem Mal ein Kribbeln ganz anderer Natur. Ein erotisches Gefühl erfasste sie.

Mit einem Mal interessierte sie, was er wohl für ein Programm sah. Und vor allem, warum er denn nackt vor dem Fernseher noch immer nahe der Balkontür stand. Ob sie wohl einen Blick von seiner Männlichkeit erhaschen könnte?

Vorsichtig arbeitete sie sich durch die Äste näher zum Balkon. Von hier konnte sie weit mehr erspähen.

Da stand er – mit gespreizten Beinen. Die leichte Behaarung im Schimmer des bläulichen Fernsehlichtes sichtbar, sorgte für den entsprechend männlichen Touch. Auch seine Brust war dicht behaart. Er sah - atemberaubend gut aus, zog sie direkt in seinen Bann. Sie konnte ihre Augen nicht von ihm lassen. Musste sich zwingen, das Atmen nicht zu vergessen. Und dann war da noch etwas. Sie spürte wie sie reagierte – auf ihn.

Ihre Brustwarzen richteten sich auf – rieben sanft gegen ihren BH. Auch an anderer Stelle spürte sie plötzlich ein kribbelndes Verlangen – nach ihm!

Wie gerne würde sie sich komplett ihrer Kleidung entledigen, um einfach über die Balkonbrüstung zu klettern – zu ihm. Ob sie es einfach machen sollte? „So einen Schwachsinn machst Du mir nicht“ hörte sie die Stimme ihrer Vernunft – falls man überhaupt noch so etwas wie Vernunft bei ihr finden konnte. Etwas derart Unvernünftiges hatte sie noch nie zuvor getan.

„Du entwickelst Dich gerade zur Spannerin!“, schoss es ihr durch Kopf. Aber nicht einmal jetzt war sie in der Lage, ihren Blick von ihm zu nehmen. Eine nie da gewesene Sehnsucht ergriff sie. Gebannt schaute sie weiter! Musste einfach weiter schauen - seinen ganzen Körper in sich aufsaugend. Mit jedem Zentimeter Haut, den sie sich betrachtend zueigen machte,  fühlte sie sich ihm zugehöriger – ja regelrecht verbunden.

Was machte er nur mit ihr? Kurz schloss sie ihre Augen – Ihr Herz schlug nun für ihn. Sie wusste sie musste weg und zwar schnell.

Als sie ihre Augen wieder öffnete, schrie sie innerlich auf. - Er begann an sich zu spielen. – sie traute ihren Augen kaum. Das gab es doch nicht. Konnte - durfte es doch gar nicht geben. „Was hast Du – Er ist doch ein Mann! Hat keine Frau – was erwartest Du?“ So langsam fragte sie sich ob es überhaupt ihre eigenen Gedanken waren. „Was willst Du nun tun? – Weiterschauen? Ja – du möchtest! Was noch?“ „Ich möchte mich an Dich schmiegen – so gerne! Nackt an Dich schmiegen – Dich streicheln, umarmen mich nehmen lassen – nur von Dir!“ Sie bemerktewie ihre Hände vor Sehnsucht zitterten. Sie musste einfach noch näher heran.

KNACK!

EIN TROCKENER AST! Sie war auf einen kleinen trockenen Ast getreten. „Das ist mein Aus!“ Mit diesem Gedanken schloss sie ihre Augen derart fest, bis sie innerlich helle Sternchen sah. Dementsprechend lange benötigte sie nach dem Öffnen, etwas zu sehen.

Er stand immer noch – unverändert. Spielte weiter. Mit der ihr zugewandten Hand hatte er seinen kleinen Freund umfasst. Mit der anderen noch freien Hand fuhr er sanft sich streichelnd über seine Haut. An seinen Beinen entlang nach oben gleitend . An seine Brust – dort verweilend.

Ihre Augen wurden groß. – Ihr Verlangen noch größer! Wie gerne hätte sie den Part dieser Hand übernommen. Wäre sie ganz seine Hand geworden – sanft ihn streichelnd. Sich dicht an ihn schmiegend – ihn fühlend. Sie wollte ihn an ihrem Busen spüren – jetzt. Ihre Hände streichelten von allein ihre Brüste – ohne sich ihres eigenen Handelns bewusst zu werden, schaute sie gebannt weiter.

Seine Hand wanderte über seinen Hals zu seinem Gesicht. Ein verträumtes Lächeln lag auf seinen Lippen. Seine Augen blickten sehnsuchtsvoll – wissend. Sie wünschte sich zum Grund dieses Lächelns zu werden – in diesem Augenblick. Diese Lippen – küssen. Sanft – stürmisch - heiß – ihn küssen.

Ihre Gefühle wallten auf. Sie musste zu ihm. Gerade als sie sich entschloss, über die Brüstung zu steigen – entschwand er ihren Blicken. Sie war allein! Sollte sie sich entkleiden – in seinem Wohnzimmer steigen? „UNSINN! – Du wist nun gehen und zwar schnell!“ Dieses Mal war sie sicher, ihren eigenen Verstand zu hören.

Mit hoch errötetem Kopf und Brausen in ihren Ohren verließ sie ihr Versteck. Zittrige Finger setzten den Helm auf und nestelten ungewohnt lange am Verschluss.


Erleichtert ließ sie sich auf ihrem Bike nieder. Ihre zittrigen Beine dankten für die erleichternde Position. Sie atmete tief durch. Mit wie vernebelten Gedanken schlich sie sich mit ihrem Motorrad von dem Parkplatz. Erst ein paar Meter später traute sie, sich ihr Bike zu starten. Leicht schwindlig fuhr sie von dannen.

Sie würde sich abkühlen müssen – nach ihrer Fahrt! UND WIE!

Was sie zum Glück nicht wusste: Er hatte sie gesehen und erkannt. Schon beim ersten Knacken hatte er sie erblickt – im Gebüsch sitzend. Seine Schülerin – seine - Liebste! Was aber sollte er machen? Sie kompromittieren – nackt wie er war?

Er wollte sie – sie war in seinen Gedanken. Denn dort durfte sie sein – dicht bei ihm. Ob ihr heiß geworden war? – So richtig heiß? Er wünschte es sich. Mit einem Lächeln im Gesicht beobachte er, wie sie sich davon schlich. Ob sie von ihm träumte – heute Nacht? Er würde träumen – von ihr - und im Traum mit ihr all die Dinge tun, die ihm momentan verboten waren!


© Azraela                                                                                       Ihre Meinung?

 







Top