Sehnsucht

für Rainer


Sie war gerade 16 geworden und musste ihren Geburtstag alleine verbringen. So hatte sie sich das wirklich nicht vorgestellt. Ihr Freund Robert war in den Ferien von seinen Eltern zum Sprachurlaub nach England geschickt worden, und sie saß hier herum! Klar, die Party war cool gewesen, aber er fehlte ihr! Auch wenn sie dauernd sms-ten wie verrückt!


Lore sehnte sich nach ihm. Robert saß neben ihr in der Schule, und sie verstanden sich prächtig. Schon die ganzen letzten Jahre waren sie Freunde gewesen, aber im letzten Jahr war mehr daraus geworden - wesentlich mehr.


Es begann auf der Klassenfahrt nach Berlin. Eines Abends hatten sie eine Tanzveranstaltung besucht. Robert war gar nicht mit ihr gekommen. Er war mit zwei Freunden da, aber als ein englischer Mitbewohner aus der Jugendherberge sie zum Tanzen holte, schaute er schon recht unwillig zu ihr her. Und als Tom, der Engländer immer länger und immer enger mit ihr tanzte, wurde seine Laune zusehends schlechter.


Was wollte dieser blasse, rotblonde Jüngling von Lore? Robert schielte immer wieder hin zu den Beiden. Es gefiel ihm nicht, wie eng sie tanzten - und er würde jetzt einschreiten. Als Lore und Tom an die Bar gingen, war seine Stunde gekommen. Er folgte ihnen und forderte sie auf. Wie sie ihn anstrahlte! Sie hatte auf ihn gewartet - sie freute sich, dass er sie erlöste. Robert lächelte - und als sie zur Tanzfläche gingen, grinste er Tom an - schadenfroh!


Aber dann - als er sie in seinen Armen hielt, verschwendete er keinen Gedanken mehr an Tom. Ehrlich gesagt: Er hatte überhaupt keinen Gedanken mehr in seinem Kopf. Gefühle, wie er sie noch niemals so empfunden hatte, überschwemmten seinen Körper. „Lore“, murmelte er - und zog sie näher. Ihr Duft stieg in seine Nase. Mein Gott, roch dieses Mädchen gut! Wonach denn bloß? - Kein Wunder, dass er nicht mehr geradeaus denken konnte. Und sie schmiegte sich so eng an ihn.  - Wow! Er spürte sie! Er spürte ... einfach alles!


Lore lag in seinen Armen. Und sie fühlte sich so wohl da! Sie hatte diesen Tom nicht gemocht. Aber Robert - den mochte sie! Selbstvergessen tanzten sie - die ganze Nacht. Und als sie nach Hause gingen, küsste er sie. Robert küsste sie!  Er küsste sie auf den Mund, und ihr wurde so heiß, wie nie vorher in ihrem Leben.


Als sie dann in ihrem Bett lag, dachte sie über diesen Abend nach. Das heißt, sie dachte eigentlich nicht - sie fühlte! Alles, was sie empfunden hatte - heute Abend! Ihr ganzer Körper war in Aufruhr. Es war, als hätte ein Ameisenvolk auf ihrer Haut eine Jahreshauptversammlung einberufen. Es kribbelte überall. Lore atmete tief. Ihre Hand streichelte diese heiße Haut. Sanft umfasste sie ihren Busen. Die Spitzen waren schon ganz fest. Aber es gab da noch eine andere Stelle, die besonders kribbelte.


Ganz langsam krochen ihre Finger tiefer. Sie spielte mit dem zarten Flaumhaar, zupfte ein bisschen daran herum. „Ach Robert!“ Sie sehnte sich so nach ihm. Er hatte sie so  ... ja, was? - Verwirrt? - Erregt? - Ja! Er hatte sie erregt! Sie konnte immer noch seine Küsse spüren. Ihre Hand schob sich vorsichtig noch ein kleines Stückchen weiter. Lores Fingerspitzen tauchten ein! - Wow! - Sie war - ??? - Feucht? - Heiß? - Glatt? - Was war das? Lore stöhnte. - Sie presste ihre Schenkel zusammen. Das hatte sie noch niemals gespürt. Zum ersten Mal in ihrem Leben war sie erregt, richtig erregt! Sie fühlte sich als Frau. Sie war eine Frau! Und sie sehnte sich nach einem Mann - nach Robert!


In dieser Nacht konnte sie nicht schlafen, und genau da hatte es begonnen! Am nächsten Tag mied er sie - und eigenartigerweise war sie froh darüber. Sie musste erst mit sich selber klarkommen - ihre Gefühle sortieren. Aber nachts konnte sie nicht mehr denken. Die Sehnsucht verhinderte es. Robert war der erste Mann, der ihr diese Art körperliche Erregung bescherte. Und er verwirrte sie völlig. Sie wollte ihn bei sich haben, seine Küsse fühlen, seine Hände - und gleichzeitig hatte sie Angst davor. Was würde geschehen, wenn er...?


Erst zu Hause sahen sie sich wieder - alleine! Lore sah ihn unter dem Apfelbaum auf dem Schulhof. Sie kam vom Sport und trug nur ein knappes, schwarzes T-Shirt und eine sehr kurze, weiße Hose. Und Robert hatte offensichtlich auf sie gewartet. „Soll ich dich heimbringen?“ fragte er, und Lore nickte. Hand in Hand schlenderten sie durch die Stadt - wortlos. Was sollten sie auch sagen? Es genügte, was sie fühlten. Vor ihrer Haustür sahen sie sich in die Augen.


Was für wunderschöne Augen sie doch hatte! Hellblau und um die Pupille herum, mitten in der Iris ein Zackenband - wie ein Stern. Außen wurde die Farbe ihrer Augen dunkelblau. „Deine Augen sind blau, wie der Himmel - und ich kann die Sterne sehen!“ flüsterte er und zog sie behutsam zu sich her. Er spürte, dass ihr ganzer Körper bebte in seinen Armen. Das Zittern übertrug sich auf ihn. Zärtlich hielt er sie - drückte seine Lippen in ihr blondes Wuschelhaar. Dieser Duft! - Ihr Duft machte ihn einfach wild!


Abrupt ließ er sie los. Er reagierte einfach zu impulsiv. Wenn sie das spürte, würde sie ihn verachten - noch schlimmer: Verstoßen! Einen kleinen Schritt nur brauchte er - zwischen ihr und sich. Er musste sicherstellen, dass er sie nicht erschreckte. Dabei erschrak er vor sich selber. Er brauchte nur an sie denken, und schon wusste er nicht mehr aus noch ein. Wenn er alleine war, ja dann...! Ob sie auch so verrückt wurde, wenn sie ihn spürte?


Bevor er ging, küsste er sie sanft auf die Wange. Am liebsten hätte er sie an sich gerissen und mit wilden Küssen überschüttet. Aber er ließ es. Und Leonore ging sofort in ihr Zimmer. Sie konnte jetzt niemanden sehen. Erst recht nicht ihre Mutter. Sie würde ihr ansehen, was los war - und sie würde sie fragen! Aber was sollte sie antworten? Sie wusste ja selber nicht, was mit ihr geschah. Ruhelos legte sie sich auf ihr Bett.


Wenn er nur da wäre - bei ihr! Oder vielleicht doch nicht! Was würde sie denn tun? - Mit ihm? - Oder er mit ihr? - Was wollte sie, das er mit ihr tat? - Wieweit sollte er gehen? - Wieweit wollte sie gehen? Sie stellte sich vor, er wäre hier - jetzt! „Oh jaahh, Robert!“ murmelte sie leise und zog das Kissen in ihre Arme. Er würde - er sollte sie küssen! Seine Lippen auf ihren Mund legen und dann...? - Wollte sie mehr? Wollte sie, dass er ihre Lippen öffnete - ganz behutsam? - Wollte sie fühlen, wie seine Zungenspitze über ihre weiche Haut glitt, sie benetzte? - Lore fasste mit der rechten Hand ihre Linke, und dann legte sie zärtlich ihren Mund auf diese weiche Stelle an ihrem Handrücken - den Übergang zu ihrem Arm. Ihre Lippen streichelten darüber hin. Sie spürte die winzigen Härchen auf ihrer Haut. Fast unmerklich öffnete sie ihren Mund. Stöhnend drückte sie ihn an diese zarte Stelle. Wenn es doch seine Lippen wären! Jetzt spürte sie ihre Zungenspitze, die warme Feuchtigkeit. Neugierig leckte sie. Es fühlte sich gut an! Weich - sanft - aufregend! Sehnsüchtig presste sie das Kissen an ihren erhitzten Körper. „Robert! - Oh Robert! - Ich liebe dich!“ Ganz leise gestand sie dem Kissen ihre Liebe.


Er war ja so süß - so sexy. Die langen, brauen Haare, die bis fast in den Nacken reichten, die lebendigen, dunklen Augen, die sie immer ansahen, wenn er glaubte, sie bemerke es nicht! Und wenn er in der Schule sein Knie an ihres lehnte! Es sah immer aus wie Zufall. War es das? Nein! Sie glaubte es nicht. Wenn er sie doch bloß wieder küssen wollte! Sie konnte doch nicht den Anfang machen - oder? Nein! Das traute sie sich nicht! Stöhnend schloss sie die Augen. Würde sie ... wollte sie ... mit ihm... mehr? - Wollte sie ...? - Mit ihm ...schlafen? Diese eine Frage quälte sie. Sie sehnte sich so nach ihm! Aber würde sie es tun? - Würde sie es können? - Würde sie es wollen? Verzweifelt drückte sie „ihn“ an sich. „Mein Liebster!“ Sie wusste es einfach nicht.


Jeden Tag sahen sie sich in der Schule. Jeden Tag berührten sich ihre Körper - zufällig! Und jeden Tag wurden sie nervöser, sehnsüchtiger nacheinander. Sie trafen sich, und sie lernten miteinander. Sie gingen Eis essen und ins Kino - aber immer mit irgendwelchen Freunden. Nur manchmal sahen sie sich alleine - und dann wussten sie nicht so recht weiter. Bis zu dem Tag, an dem sie beim Sport einen Ball auf die Nase bekam.


Er traf sie mit der Wucht einer Kanone, und ihr wurde schlagartig schlecht! Beinahe wäre sie umgefallen. Ihre Lehrerin befahl ihr, sich hinzulegen, und das tat sie dann auch. Und nach der Stunde brachte  Robert sie nach Hause. Das heißt: Er versuchte es! Unterwegs wäre sie beinahe zusammengebrochen. Ihr war so schwindelig, und in ihrem Bauch hatte sie das Gefühl ein großes, schwarzes Loch würde sich auftun und sie verschlingen. Robert hielt sie fest. Doch das machte es nicht besser - im Gegenteil! Lore sackte in sich zusammen. Was sollte er jetzt nur tun? Entschlossen nahm er sie auf seine Arme. Er würde sie tragen. Sie war schließlich so schlank und zierlich, dass er mit seinen Hanteln schwerer zu schleppen hatte.


Sie zu tragen, war nicht sein Problem. Aber ihre Arme, die sich um seinen Hals schlangen und der verführerische Duft, der ihm in die Nase kroch und nicht zuletzt seine Angst um sie! Als er sie in ihr Zimmer gebracht hatte und einen kalten Waschlappen auf ihr geschundenes Gesicht drückte, griff sie nach seiner Hand. Er setzte sich zu ihr. „Tut es sehr weh?“ Seine Sorge war echt.


Auf einmal begann sie leise zu weinen. „Lore!“ Er war zu Tode erschrocken. Hatte sie sich vielleicht doch schwerer verletzt, als er dachte. Zärtlich streichelte er ihr Haar. „Soll ich einen Arzt holen?“ - Aber sie schüttelte den Kopf. „Ich bin hässlich!“ flüsterte sie. „Er hat mir die Nase gebrochen!“ Erschüttert schluchzte sie vor sich hin. Sie würde ihm nicht mehr gefallen! Das war das Schlimmste, was man ihr antun konnte.


Sein einziger Gedanke galt ihr. Er wollte ihr helfen, und der Rest geschah instinktiv. Er nahm behutsam den Lappen von ihrem Gesicht, tupfte ihre Tränen ab. Mit großen, tränenfeuchten Augen sah sie ihn an. Und dann beugte er sich über sie und legte ganz vorsichtig seine Lippen auf den verwundeten Nasenrücken. „Du bist so schön!“ flüsterte er. „Das schönste Mädchen auf der Welt!“ Lore schniefte unter Tränen, doch dann küsste sie ihn. Sie fand seine Lippen, und ihre Hände zogen ihn näher, umfassten sein Gesicht und streichelten sein Haar. „Ich liebe dich!“ - So nun war es heraus. Ihr Herz schlug bis zum Hals. Momentan spürte sie keinen Schmerz - nur  brennende Unsicherheit. Was würde jetzt geschehen?


Robert ließ sie nicht los, im Gegenteil! Er nahm sie fester in seine Arme und küsste sie noch mal. Die Welt um sie herum löste sich auf. Es gab nur noch sie beide. Sie hielten sich in den Armen und liebkosten sich zärtlich. Er passte höllisch auf, ihr nicht weh zutun. Und als sich seine Lippen von ihr lösten, murmelte er: „Ich dich auch, meine Lore!“ Seine Finger streichelten die weiche Haut ihrer nackten Arme. Aber vielleicht bald....!


Als ihre Mutter das Zimmer betrat, war Lore fast froh. Sie war erschöpft.  Von diesem Unfall und von dem phantastischen, unglaublichen, hinreißenden Wunder, dass ER sie liebte! Robert liebte sie! Sie schwebte wie auf Wolken. Aber ihre Mutter komplimentierte ihn hinaus. Lore brauchte Ruhe. Und damit hatte sie Recht. Denn kaum hatte er das Zimmer verlassen, war sie auch schon eingeschlafen. Der Schmerz und die Liebe hatten jeden Rest an Kraft, der in ihr war, verbraucht.


Von diesem Zeitpunkt an hingen sie zusammen, wie die Kletten. Sie sprühten vor Glück. Sie küssten sich, die schmusten, sie berührten sich - und sie wurden fast verrückt. Ihre Sehnsucht nach dem Liebsten, nach ... noch mehr ... Zärtlichkeit, noch mehr ... Lust, noch mehr ... Erfüllung wurde immer größer. Sie steigerte sich ins Unermessliche. Und in jeder Nacht lag Lore in ihrem Bett und träumte sich zu ihm. Und immer noch konnte sie die eine Frage nicht beantworten! Wollte sie...? Würde sie...?


Robert war so lieb zu ihr, so zärtlich, und sie konnte seine Sehnsucht spüren. Er wollte sie. Aber er sagte es nicht! Er drängte sie nicht. Sie hatte fast den Eindruck, er war genauso unsicher, wie sie.  Bei Lore hielt sich die Unsicherheit und ihre Angst beinahe die Waage mit ihrer Neugier, mit ihrer sehnsüchtigen Liebe. Aber Robert kämpfte mit seinem heißen Blut. Die Leidenschaft kochte in ihm. Jedes mal wenn er sie an seinen begehrlichen Körper presste, war er nahe dran...! Und doch: Er liebte sie - so sehr! Diese Liebe legte ihm Zügel an, ließ ihn immer wieder als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen.


Als er dann in den Ferien nach England ging, war es beinahe eine Erlösung. In ihrer Nähe wurde er wahnsinnig. Er konnte nur noch daran denken, wie sie sich anfühlen würde, wenn er und sie erst einmal...! Er brauchte diese Pause - sonst würde er durchdrehen. Aber als sie am Flugplatz in seinen Armen lag, schluchzend in unfassbarem Leid, hätte er es beinahe nicht geschafft. Nur die Blicke seiner Eltern veranlassten ihn, sie loszulassen. Und sie hatte auch noch Geburtstag, wenn er nicht da war. Den ersehnten 16. Geburtstag! Auch er hatte Tränen in den Augen, wenn er daran dachte. „Ich komme wieder! - Liebes! - Ich komme bald wieder!“


Es waren nur zwei Wochen - die längsten Wochen ihres Lebens. Sie hatte den Flughafen noch nicht verlassen, da bekam sie schone seine erste sms. „Als dieses Flugzeug abhob, um in die falsche Richtung zu fliegen, wurde mein Tag in trübes Grau getaucht. Meine Sonne scheint nicht mehr - du bist nicht bei mir. IHDL - Robert“ Oh Gott, wie sollte sie das ertragen? Ihr Herz brach mitten entzwei! Lore weinte den ganzen Tag. Sie konnte sich einfach nicht mehr beruhigen. Und als sie nachts in ihrem Bett lag, wurde es nur noch schlimmer. „Robert, mein Robert!“ flüsterte sie immer wieder sinnlos vor sich hin und kuschelte sich an ihr Kissen. Wenn er jetzt bei ihr sein könnte! Jetzt würde sie sogar...! - Würde sie?


Verzweifelt schlief sie ein. Sie hatte wirre Träume in dieser Nacht. Immer wieder suchte sie ihn, und er verschwand auf unerklärliche Weise immer wieder. Als sie am nächsten Morgen aufwachte, war sie völlig zerschlagen. Ihre Familie gab sich die größte Mühe, sie zu trösten. Ihr kleiner Bruder, der sie sonst nur ärgerte, lud sie sogar ins Kino ein.


Und täglich kamen seine Botschaften in Kurzform. „Ich kann den Duft deines Haares nicht vergessen! IHDL - Robert“ Sie konnte ihn ja auch nicht vergessen - seine Küsse brannten noch immer auf ihrer Haut. „Weißt du, was ich jetzt tun möchte? ;-)“ Ja, großer Gott, sie wusste es! Aber sie wartete fieberhaft auf seine Antwort. „Ich möchte dich küssen - deine weichen Lippen spüren! IHDL“ Lore rannte in ihr Zimmer, warf sich auf ihr Bett und vergrub sich unter ihrem Kissen. Das Handy hielt sie fest umklammert. Immer wieder küsste sie hingebungsvoll ihr Handgelenk, stellte sich vor, es sei ER! Ihr ganzer Körper vibrierte vor Sehnsucht nach ihm. Wenn er doch bloß wieder da wäre.


Pieep! Elektrisiert fuhr sie auf. „Ich möchte dich küssen - meine Lippen auf die Wanderschaft schicken! Weißt du wohin, Liebste?“ Ja, ja, ja! Sie wusste wohin! Sie wollte ihn spüren - genau da! Seine Lippen, seinen heißen Atem, seine Hände! Er machte sie verrückt! Jeden Tag kamen zwei, drei seiner Nachrichten. Und sie lebte nur von der einen zur anderen. Sie wartete - sie fieberte, sie verzehrte sich nach ihm!


Auch wenn sie glaubte, die Zeit bewege sich zähflüssig, wie die klaren Tropfen Uhu, die sie einst in ihre Sanduhr getropft hatte, um die Zeit anzuhalten, sie verging! Und dann war der letzte Tag ihrer Trennung da. Der letzte Tag ihrer Einsamkeit - der heißen Sehnsucht nach ihm - der Tag ihres 16. Geburtstages.


Ihre Familie hatte ihr ein Fest versprochen, und sie hielt ihr Versprechen. Sie überschlugen sich in dem Bemühen sie glücklich zu machen, ihr zu helfen die Trauer um Robert, der nicht bei ihr sein konnte, zu ertragen. Eigentlich tat es ihr fast leid. Sie wusste, dass sie es nicht richtig würdigen konnte, all den Aufwand, all die Geschenke, die Freunde, die Liebe, die ihr zuteil wurde. Sie konnte nur an ihn denken. Sie hörte nur das „Pieep!“ ihres Handys und wartete nur auf den Augenblick, wo das Flugzeug endlich landen würde: Morgen!


Und Robert rief sie an. Er gratulierte ihr - spielte ihr einen Song vor: „You are sixteen, you are beautiful - and you are mine!“ Leise sagte er: „Warte bis morgen! - Nur noch einen Tag und eine Nacht!“ Und am Abend kamen wieder seine „Liebesbriefe“. Pieep! Lore legte das Handy nicht mehr weg. Sie trug es bei sich, wo immer sie war. Es war ihre Verbindung zu ihm.


„Du bist sechzehn, du bist so schön! - Weißt du was ich sehen möchte? Berühren? Ich träume nur noch davon. Nur noch von dir! Manchmal habe ich es schon gesehen - ein bisschen davon! IHDL!“ Was meinte er? Ihren Busen? Wieso hatte er „es“ schon gesehen? Wo? Beim Sport? Im Bad? Oder wenn sie das süße, rosa T-Shirt trug? Es war fast durchsichtig, und wenn sie mit ihm zusammen war, dann stachen die Spitzen ihrer Brüste durch den Stoff, wie kleine Pfeile! Sie wusste es doch. Sie hatte gesehen, wie er sie ansah! Wie seine Blicke ihren Körper streichelten. Sie hatte es vorgezogen, es nicht zu bemerken. Aber jetzt, wenn sie daran dachte, wurde ihr so flau in der Magengegend. Ihre Brüste strafften sich. Wenn sie sie verstohlen berührte, konnte sie die festen Krönchen spüren. Sanft massierte sie mit der Handfläche. „Robert!“ stöhnte sie fast unhörbar. Ihr Bruder brachte ihr ein Glas Sekt. Sie trank es durstig. An Robert zu denken, brachte ihr Blut in Wallung. Sie konnte die Abkühlung wirklich vertragen.

 

Pieep! „Süße, meine Süße! Ich möchte meine Hände darauf legen, streicheln! Kleine Küsse darauf drücken - auf deine süßen, sexy...! IHDL! - Lore schnappte nach Luft. Wieso konnte er sie so erregen - nur mit diesen Andeutungen? Sie wusste ja, was er meinte - aber er sagte es nicht! Gerade das machte sie an. Ihre Vorstellung spielte ihr die heißesten, erregendsten Szenen vor. Er war bei ihr, schob ihr die schmalen Träger von den Schultern. Das Shirt rutschte hinunter, nicht ganz, denn der Stoff hing fest - an ihren steifen Brustwarzen. Seine Hand befreite sie, glitt unter den Stoff, streichelte ihre nackte Haut.


Wenn nur diese Party erst zu Ende wäre! Sie wollte alleine sein. Alleine mit ihren Träumen. Alleine mit ihrer Sehnsucht! Sie wollte ihm ihre Hände leihen, wollte spüren, wie es sich anfühlen würde, wenn er sie berührte. Und außerdem wollten ihre Freundinnen immer wissen, was er schrieb. Sie hörten ja das schrille „Pieep“. Aber sie schüttelte nur den Kopf. Sie würde es ihnen nicht zeigen.


„Ich möchte mit der Zungenspitze darüber hin lecken. Die Süße deiner Haut schmecken, ihren Duft riechen! Kannst du es fühlen?“ Ja, oh jaah! Sie konnte es fühlen! Sie wollte es fühlen. Sie wollte ihn fühlen! Lore wurde immer flattriger. Wenn die Leute jetzt nicht bald heimgingen, würde sie durchdrehen! Und dann war diese Party zu Ende. Sie hatte nicht viel davon mitbekommen. Sie konnte sich endlich in ihr Zimmer zurückziehen. Morgen erst, würde sie mit ihrer Mutter aufräumen. Jetzt hatte sie Zeit.


Pieep! Wie von Furien gejagt, rannte sie in ihr Zimmer und versperrte die Tür. „Riechst du überall so gut? Darf ich noch woanders schnuppern? Streicheln? Küssen? - Ich liebe dich!“ Ja, das war genau die Frage, die ihr in der Seele brannte. Aber sie kam der Antwort immer näher. Langsam zog sie sich aus. Der Spiegel an ihrer Wand warf ihr Bild zurück. Sie war schön im Halbdunkel ihres Zimmers. Sie betrachtete sich genau - versuchte sich mit seinen Augen zu sehen. Würden ihm ihre Brüste gefallen? Sie waren zu klein - fand sie! Jetzt allerdings erschienen sie ihr größer, praller, als sonst. Behutsam strich sie darüber hin - drückte ein bisschen fester. Lore drehte sich um die eigene Achse.


Betrachtete ihre schmale Taille, die Hüften. Sie versuchte sich von hinten zu sehen. Ihr Po! War er hübsch? Sie beugte sich vor. Naja! Sie hatte keine Ahnung! Würde er ihm gefallen? Sie hob sich auf die Zehenspitzen, balancierte - verlor das Gleichgewicht und fing sich wieder. Jetzt war ein Spalt zwischen ihren Schenkeln. Sie beugte sich tiefer - sah einen blonden Schimmer. Langsam drehte sie sich weiter. Aus dieser Perspektive gab es mehr Blond zu sehen. Sie berührte sich, fuhr mit gespreizten Fingern durch ihr Lockenwäldchen - wie mit einem Kamm.


Pieep! Das Handy auf ihrem Bett erschreckte sie zu Tode. „Ich kann nicht schlafen. Ich träume von dir! Ich träume davon, bei dir zu sein, dich in meinen Armen zu halten. Dich zu lieben - überall zu liebkosen ...IHDL!“ Lore ließ sich zurücksinken, nahm das Kissen in ihre Arme und presste das kühle Leinen an ihren heißen Körper. „Überall zu liebkosen!“ Sie öffnete ihre Beine und schob das weiche Kissen dazwischen, presste es zusammen, drückte es gegen ihre Scham. Kühl und erregend! Lore stöhnte laut. Seine Hände würden sie auch dort berühren! „Überall zu liebkosen!“ Ihre Finger massierten ihren Busen - immer fester griff sie zu. Mit Daumen und Zeigefinger umfasste sie ihre steifen Brustwarzen, rieb sie, drückte sie zusammen, zwickte hinein.

 

Ein Blitz schierer Lust fuhr ihr direkt in den Unterleib. „Jaaahh!“ Auch dort würde er sie anfassen! Eine Hand glitt tiefer. Sie teilte die seidigen Haare, schob ihre Finger weiter hinab. Diesen weichen, aufregenden Spalt hatte sie bisher noch nie näher erforscht. Jetzt aber, schrie er nach Berührung, nach Fingern, die ihn zärtlich erkundeten. Die Lust, die sie empfand, breitete sich wie die wärmenden Strahlen einer Sonne aus in ihrem Bauch. Lores Zeigefinger fand die Feuchtigkeit, die glatte, heiße Sehnsucht nach Robert. Sie rieb sanft. Ihre Lust verwandelte sich in Begierde!


Zärtlich nahm sie die zweite Hand zu Hilfe, spreizte die weichen, prallen Schamlippen auseinander. Neugierig tastete sie - immer eifriger, immer tiefer. Die heiße, glitzernde Feuchtigkeit auf ihren Fingern faszinierte sie. Sie leckte darüber hin. Wie seltsam es schmeckte! Ein klein bisschen säuerlich - nicht eigentlich gut und doch - auch der Geruch machte sie an. Ihre Fingerspitze kehrte zurück. Wow! Ein unglaubliches Gefühl durchströmte ihren nackten Leib. Was war das? Sie erkundete ihre warme, enge Muschi genauer. Eine kleine, feste Knospe zwischen ihren Fingerspitzen, schickte das Bedürfnis ihre Beine noch weiter zu öffnen, in ihren Bauch. Hier konnte niemand sie sehen! Sie war sicher!


Lore rieb fester, umkreiste diese empfindsame Perle. Immer enger wurden ihre Kreise, immer schneller ihre Bewegungen. Ihr Becken begann sich unter ihren eifrigen Händen zu bewegen. Es wippte den zärtlichen Fingern entgegen. „Robert!“ Wenn er nur bei ihr wäre! „Oh jaah!“ Seufzend vor Begierde drängte sie ihren sehnsüchtigen Körper an das kühle Kissen. War das in Ordnung, was sie hier tat? Ganz kurz kamen ihr Bedenken - versanken sofort wieder in ihrer aufsteigenden Lust. Ihre Hüften stießen. „Oh Gott! Oh großer Gott!“ Die Ecke des Kissens hatte sie berührt. Genau an der Stelle, die sich nach Berührung sehnte. „Jaah, oh jaaahh! Robert, komm zu mir! - Ich will es! - Ich will - dich!“ Keuchend wand sich ihr erregter Körper. Begierig nach ihm stieß sie - traf erneut die Spitze. „Aaahhhmmmm!“ Ihre Worte verwandelten sich in sehnsüchtiges Gestammel. Ihre Stöße kamen immer schneller. Die Fingerspitze rieb fester. Ihn jetzt fühlen - zwischen ihren Schenkeln! - Tief! - Noch tiefer!

 

„Jaah, oh jaah, Robert, jaaahhhh!“ Ihr ganzes Sein bäumte sich auf. Eine Welle der Lust überflutete sie, riss sie mit. Pulsierendes Glück strömte durch ihre Adern. Die Sonnenstrahlen, die sie zuerst nur gewärmt hatten, wurden immer heißer. Eine glühende Lichtkugel schmolz in ihrem Unterleib, verlieh ihr selber Strahlung. Stöhnend verkrampfte sie sich, zog die Beine eng an den Körper.


Keuchend lag sie, zusammengerollt wie ein Embryo, auf ihrem Bett. Nur ganz langsam entspannte sie sich, fand zurück aus dem Land der Lust - in ihre Wirklichkeit. Jetzt wusste sie, wonach er sich sehnte! Und jetzt wusste sie auch die Antwort auf die Frage, die sie solange gequält hatte. Sie lautete: Ja!

 

© BvS                                                                                      

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