Carlotta

 

Carlotta war eigentlich kein besonders fröhlicher Mensch. Das lag natürlich nicht nur an ihrem Leben, sondern auch an ihrem unglückseligen Temperament. Sie neigte dazu, alles besonders schwer zu nehmen und machte sich dadurch viele Probleme, die eigentlich gar nicht da waren. Aber sie hatte natürlich auch genügend wirkliche Probleme. Seit sie in diesem Seniorenheim war, war ihr gesamtes Leben in Unordnung.

 

Sie war im Krankenhaus gewesen, um sich den Star operieren zu lassen und diese Operation war schief gegangen. Seitdem war sie blind - oder so gut wie! Sie sah nur noch Schatten. Manchmal, wenn das Licht günstig war, dann erkannte sie noch ein paar Farben. Sie haderte mit ihrem Schicksal! Damals, in ihrer eigenen Wohnung, hatte sie noch lesen können. - Und sie hatte eine Wohnung gehabt!

 

Jetzt war sie eine blinde, alte Frau! Abgeschoben und verlassen. Nein, das stimmte eigentlich nicht, aber sie empfand es so. Sie hasste dieses Heim! Sie kam sich bevormundet vor, und sie wollte hier weg! Der einzige Lichtblick war eine gute Freundin, die sie zweimal in der Woche besuchen kam. Maria war zwar wesentlich jünger, aber wahrscheinlich konnte sie ihr gerade deswegen oft helfen. Sie setzte ihr immer wieder den Kopf zurecht, wenn sie sich zu sehr in ihrem Selbstmitleid verlor.

 

Heute kam sie, ihre Freundin Maria. Und sie war noch nicht einmal angezogen. Nach dem Mittagessen legte sie sich immer hin und wenn sie Besuch bekam - um zwei Uhr, war sie eigentlich schon fertig und saß da, um Tee zu trinken. Heute nicht!

 

Als Maria kam, wusste sie sofort, dass ihre Freundin wieder einmal auf dem Boden zerstört war. So gut sie konnte, lenkte sie sie ab. Half ihr sich anzuziehen, und dann gingen sie zusammen hinunter, um sich in den Garten zu setzen. Es war herrliches Wetter, und sie suchten sich ein schattiges Plätzchen, abseits von den anderen Heiminsassen. Carlotta war ein ausgesprochener Eigenbrötler, und sie wollte mit den "Alten" nichts zu tun haben. Sie war ja schließlich erst 76 Jahre!

 

Aber heute kam ein "Neuer" und fragte, ob er sich nicht zu ihnen setzten dürfe. Carlotta wies ihn schroff zurück. Sie wollte ihre Ruhe. Außerdem wollte sie erst recht nicht mit einem Mann reden. Männer waren lästig! Und mit diesem, wollte sie schon gar nicht reden. Er war Russe!

 

Maria schimpfte mit ihr. Sie sagte, dass sie unhöflich sei! Und wahrscheinlich stimmte das sogar. Es war ihr aber egal. Wenigstens war er verschwunden, der Russe. Aber das war ein Trugschluss. Er hatte sich zwar höflich zurückgezogen, aber gleichzeitig demonstrierte er, dass er nicht aufgab. Er hatte sich drei Meter weiter gesetzt - ins Niemandsland. Er saß da, ganz alleine und begann leise vor sich hin zu singen. "Es steht ein Soldat am Wolgastrand!" Und er hatte eine gute Stimme.

 

Carlotta hörte es natürlich. "Was ist da los?", fragte sie neugierig. Vielleicht war ja eine Veranstaltung. Maria lachte: "Er bringt dir ein Ständchen!" Carlotta war verblüfft. "Wer?" - "Dein Russe!" Jetzt wusste sie doch tatsächlich nicht, wie sie reagieren sollte! Und natürlich reagierte sie falsch. Es gefiel ihr, dass er sang - für sie sang! Aber zugeben wollte sie es nicht. "Er soll ruhig sein - der aufdringliche Kerl!", sagte sie so laut, dass er es hören musste. Der Gesang brach ab, und er stand auf und ging.

 

"Du hast es geschafft!", fauchte Maria. "Das war aber nicht nötig!" - Sie wusste es ja selber - aber heute war kein guter Tag! Ihre Freundin kannte sie viel zu gut. Jetzt sah sie sich genötigt, etwas dazu sagen zu müssen. Aber Maria enthob sie der Notwendigkeit. Sie redete über den "Neuen". "Wie lange ist er schon hier?" Carlotta wusste es genau, aber sie war einfach trotzig. "Woher soll ich das wissen?" - "Na ja, er sieht jedenfalls gut aus. Die anderen Damen drehen schon die Hälse!", lachte sie und dann begann sie den Russen zu beschreiben: " Wie alt wird er sein? Vielleicht 75 oder 76 Jahre! Mindestens ein Kopf größer als du - und schönes Haar hat er. Grau meliert und noch ganz dicht. Nicht so kahl, wie die anderen Herren hier! - Und weißt du was, Carlotta? Er hat schöne Hände - gepflegt!" Als sie aber sah, wie abwehrend ihre Freundin reagierte, wechselte sie das Thema. Sie hatte nur zwei Stunden Zeit und da wollte sie keinen Ärger.

 

Als Maria fort war, saß Carlotta alleine und dachte nach. Warum war sie bissig gewesen? Er hatte ihr doch gar nichts getan. Aber sie fühlte sich so eigenartig - wie nur? Bedroht!? Vielleicht lag es ja daran, dass sie nichts sehen konnte. Eine ganze Weile saß sie so und dann hörte sie wieder seine Stimme. Er hatte wirklich eine wunderbare Stimme. Tenor! Einschmeichelnd und sanft. Er sang aus "Land des Lächelns": "Liebes Schwesterlein, sollst nicht traurig sein - wenn dein Herz dir auch zerbricht!" Das konnte sie nicht ertragen. Sie ging.

 

Am anderen Tag war er wieder da. Und sie war alleine heute! "Darf ich mich zu Ihnen setzen?" - So einfach "ja" zu sagen, das brachte sie nicht fertig. "Wenn es sein muss!" Kratzbürstigkeit, war ihr Markenzeichen. Nur Maria hatte es bisher geschafft, diesen Schutzwall zu durchbrechen. Sie hatte einfach gesagt: "Ich mag Sie, und der Rest ist mir egal!" Sie lachte nur, wenn Carlotta mal wieder ausflippte. Und dann wurde auch ihr leichter ums Herz. So wurden sie Freundinnen. Aber jetzt war das etwas anderes, mit diesem Russen.

 

"Mein Name ist Tibor Epp!", stellte er sich vor. Und dann setzte er sich zu ihr und erzählte von Russland. Eigentlich wollte sie sagen, dass sie das überhaupt nicht interessierte, aber sie hörte doch zu. So saßen sie fast eine Stunde zusammen, und er redete. Plötzlich stand sie auf. "Ich gehe jetzt! Ich bin müde!", verkündete sie. Tibor lächelte. Er verstand ihren Rückzug. "Selbstverständlich, meine liebe, gnädige Frau!" Auch das noch. "Liebe, gnädige Frau!" So etwas hatte ihr bisher niemals jemand gesagt. Abrupt drehte sie sich um und ging.

 

Am nächsten Tag war er nicht da. Wieso nicht? Es hätte Carlotta sehr interessiert, aber sie konnte nicht fragen. Nicht nachdem sie sich so ablehnend verhalten hatte. - Nachdem er zwei Tage nicht auftauchte, begann sie sich Sorgen zu machen. Vielleicht war er ja krank. Sogar abends im Bett, dachte sie an ihn. Sie ärgerte sich darüber. Aber er hatte wirklich so eine schöne Stimme! Gerade als sie das dachte, hörte sie ihn. "Guten Abend, gut Nacht!" Ob er das für sie sang? - Jedenfalls schlief sie in dieser Nacht sehr gut. - Besser als sonst!

 

In den nächsten Tagen, war sie weniger abweisend als sonst und auch als Maria kam, unterhielten sie sich zu dritt - sehr nett. "Wie findest du ihn?", fragte ihre Freundin. Das war nicht gut! "Ich brauche keinen Mann!", fuhr sie ihr ins Gesicht. Maria lachte, wie üblich. "Ich habe nicht gesagt, du sollst mit ihm ins Bett gehen! Ich fragte dich, wie du ihn findest!" Jetzt musste sie selber lachen. Sie fand ihn ja wirklich ganz nett. Er konnte gut erzählen, und sie unterhielt sich gerne mit ihm. - Tibor! Und jeden Abend sang er für sie vor ihrer Türe ein Gute-Nacht-Lied. Sie konnte sich vorstellen, dass die anderen neidisch waren. Insgeheim fühlte sie sich geschmeichelt.

 

Sie kannten sich jetzt schon ein viertel Jahr, als er begann zu ihr ins Zimmer zu kommen. Natürlich nur, um ihr das Abendlied zu singen. Danach ging er wieder. Sie wusste, dass sie ihm gefiel. Er hatte es ihr gesagt, als sie alleine im Garten saßen. Was für schöne, blaue Augen sie hatte und welch wunderschönes, dichtes, weißes Haar. Ab und zu streichelte er über ihre Hand. Das verwirrte sie! Seit fast 30 Jahren war sie Witwe, und sie wollte gar keinen Mann mehr haben. - Oder vielleicht doch? Die Aufmerksamkeit, die er ihr angedeihen ließ, gefiel ihr aber trotzdem. Es tat ihr gut, jemanden zu haben, der da war und sich um sie bemühte.

 

Und dann - eines Tages, d.h. eines Nachts - geschah es: Er war nicht gekommen um ihr Abendlied zu singen. Sie war traurig und ein bisschen eingeschnappt. Aber was sollte sie machen? Sie ging ins Bett, und als sie eingeschlafen war, hörte sie leise seine Stimme. Noch im Halbschlaf, vernahm sie wie er sang: "Dein ist mein ganzes Herz!" Carlotta lächelte. Vielleicht träumte sie! - Aber dann spürte sie seine Hand. Sie schlüpfte zu ihr unter die Bettdecke und streichelte sanft ihr Bein. Vom Knie zum Oberschenkel. Ganz fest drückte sie die Augen zu. Sie schlief ja - das enthob sie einer Reaktion! Als er leise ihr Zimmer verließ, klopfte ihr Herz zum Zerspringen. Auch in dieser Nacht schlief sie wunderbar!

 

Am nächsten Tag sahen sie sich nicht. Carlotta atmete auf. Es war doch peinlich! Aber nachts kam er zu ihr. Spät! Als sie schon schlief - nein, sie schlief nicht! Aber es sah so aus. Er zog den Stuhl an ihr Bett und sang: "Lippen schweigen, s flüstern Geigen, hab mich lieb!" Er sang ganz leise - pianissimo! Und wieder kam seine Hand zu ihr. Sie hatte schon darauf gewartet. "Weißt du, ich habe so etwas schon sehr lange nicht getan!", flüsterte er. "Ich wollte es nicht tun. Es gab keine Frau - so wie dich! - Du bist einzig!" Carlotta reagierte nicht, aber sie hielt still.

 

Am Tage verkehrten sie wie sonst auch. Aber innerlich zitterte Carlotta, und in der nächsten Nacht kam er wieder. Er holte sich den Stuhl und sang: "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein!" Carlotta lief eine Träne über die Wange. Tibor schob seine Hand unter ihre Decke und berührte sie zärtlich. Ganz vorsichtig schob er ihr Nachthemd zur Seite. Seine Finger trafen auf ihre Haut und elektrisierten sie. "Du hast so weiche Haut!", flüsterte er. "So glatt und zart. - Du bist eine schöne Frau, weißt du das?", fragte er. Aber er erwartete keine Antwort. Immer noch streichelte er ihr Bein - auf und ab! "Ich glaube, du bedeutest mir sehr viel - vielleicht schon zu viel. - Denn du willst ja keinen Mann!" Eine kleine Weile verweilte seine Hand noch bei ihr - dann verließ er sie. Und das Eigenartige war: Sie fühlte sich wirklich verlassen.

 

Was sollte das denn werden? In ihrem Alter verliebte man sich doch nicht mehr! So ein blödes Geschwätz! Aber tief in ihrem Inneren - hätte sie es gerne geglaubt - das Geschwätz! Als sie Maria davon erzählte, fand die es ganz normal. Sie war sogar erfreut darüber. Vielleicht war es ja doch nicht nur peinlich! Vielleicht durfte sie sich ja doch darüber freuen! Manchmal war sie glücklich. Wenn sie seine Stimme hörte, vergaß sie sogar, dass sie nicht mehr sehen konnte.

 

Tagsüber fand sie es unmöglich, aber nachts...! Und er kam immer wieder um für sie zu singen. Liebeslieder! Und um sie zu berühren. Und Carlotta leistete dem Vorschub. Sie zog ihr Nachthemd ein Stück hoch, so dass er ihre Haut fand. Es konnte doch schließlich verrutschen, das Hemd! Und sie genoss es zu hören, was für eine wunderschöne Frau sie noch war. Auf einmal fühlte sie sich auch wieder als Frau. Sie fühlte sich begehrt und geliebt! Die Erinnerung daran lag schon lange zurück.

 

"Musst du immer hier so dunkel machen?", fragte er eines Nachts. "Ich breche mir noch den Hals!" In der nächsten Nacht ließ sie die Fensterläden offen - für ihn! Damit gab sie zum ersten Mal zu erkennen, dass sie wusste - von seinem nächtlichen Treiben - und es billigte. Tibor wurde mutiger. Er wollte ja doch mehr von dieser zauberhaften Frau, der man so wehgetan hatte. Deswegen war sie schließlich auch so kratzbürstig. Aber er würde ihr schon beweisen, dass nicht alle Männer "Lumpen" waren!

 

Jede Nacht kam er zu ihr und sang. Und nun, da er auch ein klein bisschen Licht hatte ... Behutsam schob er die Bettdecke ein Stück zur Seite als er seine Hand darunter schob. "Lass mich ein ganz kein wenig sehen - von Deiner weichen Haut!", bat er verhalten. "Du hast wunderbare Beine - makellos!" Seine Stimme wurde plötzlich rau und sie spürte, dass sich sein Gesicht zu ihr beugte. Ganz zärtlich legte er seine Lippen auf ihren Mund - bewegungslos verharrten sie so - nahe beieinander. "Du zitterst ja!", flüsterte er. "Ist dir kalt? - Soll ich dich wärmen?"

 

Nein, es war ihr nicht kalt, beileibe nicht! Sie hatte wahre Hitzewallungen! Ihr Zittern hatte eine ganz andere Ursache, und er wusste es genau. Aber Carlotta rückte ein Stück zur Seite, und Tibor - kam in ihr Bett! Er wollte sie ja nur wärmen! Sie drehte sich weg von ihm - wenigstens das. Aber er schob seinen Arm unter ihre Schulter, und so ruhte sie nun - an ihn geschmiegt - in seinem Arm. Und dann kam sein zweiter Arm und umschlang sie, seine Hand berührte ihre Brust. Carlotta versteinerte. Aber ihr Körper reagierte. Ihre Haut spannte sich, und sie konnte fühlen, wie ihre Brustwarze steif wurde. Sie war so unsicher, so hilflos!

 

Aber er tat nichts mehr. Er hielt sie fest - ließ ihr Zeit sich an dieses Gefühl zu gewöhnen. Und Carlotta fand es dann doch sehr angenehm, ihn an ihren Körper geschmiegt zu spüren. Seine Hand, die ganz zärtlich ihren Busen hielt, und als sie seinen Mund fühlte, der ihre Schultern küsste, stellte sie überrascht fest, dass sie glücklich war.

 

Ihre nächtlichen Spiele gingen nun schon fast fünf Wochen und langsam fragte sich Carlotta, wie er sich dabei fühlen musste. Männer waren leidenschaftlicher. Für ihn musste es schwierig sein sich zu beherrschen. Um so mehr wusste sie zu schätzen, dass er ihr so viel Zeit ließ. Tibor war nicht wie andere Männer! Sie stellte fest, dass er ihr viel bedeutete, und es machte ihr auch gar nichts mehr aus. Sie hatte sich an diese unglaubliche Situation fast schon gewöhnt. Und Maria riet ihr zu!

 

Und so ging in der nächsten Nacht die Initiative von ihr aus. Als sie sich in seinen Arm kuschelte, fragte sie ihn: "Tibor, möchtest du mit mir schlafen?" Er war ja schon Einiges von ihr gewöhnt, aber damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Vor allen Dingen nicht so direkt. Auf einmal hatte er einen Kloß im Hals. Wieso war er so befangen? Das war ihm, in seinem Leben, nur sehr selten passiert! Er schluckte und räusperte sich. "Natürlich möchte ich dich haben, meine Prinzessin! Am Liebsten mit Haut und Haar!", flüsterte er in ihr Ohr, und seine Lippen streiften ihren Hals. "Ich wusste nur nicht so sicher, ob du mich auch willst!" - "Ich weiß es auch nicht sicher!", gab sie leise zu.

 

Tibor musste lachen. "Wenn du nicht sicher bist, warum fragst du mich dann so etwas? Warum führst du mich so in Versuchung?" Carlotta zuckte die Schultern. Und dann sagte sie etwas noch Unglaublicheres: "Ich glaube, ich liebe dich! Ich möchte, dass du glücklich bist!" Sein Herz bebte. Er liebte diese spröde Frau und so wie es aussah, wurde seine Liebe erwiderte. Er würde Sie glücklich machen!

 

Er drückte sie fest an sich und flüsterte: "Meine Liebste! Ich liebe dich so sehr! Und wir beide, wir werden es tun! Und es wird wunderschön sein - nur sollten wir erst darüber reden!" Carlotta erschrak. Sie hatte noch nie mit jemandem über "so etwas" geredet! Er spürte ihre Ablehnung, und er wusste, jetzt musste er ihr über diese Hürde helfen. Also nahm er sich zusammen. Auch ihm fiel es nicht leicht! "Carlotta, ich ... ich kann vielleicht nicht...!" Er begann zu stottern. Manchmal hatte er Erektionsstörungen. Aber das zuzugeben fiel ihm schwer.

 

Carlotta hatte es schon verstanden. Sie drehte sich zu ihm - zum ersten Mal! Zärtlich küsste sie seinen Mund. Wo war ihr Unbehagen geblieben? Alle Männer in ihrem Leben - viele waren es nicht gewesen - waren ihr überlegen. Keiner hätte zugegeben ihre Hilfe zu brauchen. Tibor war anders! Und sie wollte ihm helfen, sich dabei selber helfen lassen. "Was soll ich tun?", hauchte sie. Tibor war hingerissen. Sie liebte ihn, und er würde sie lieben.

 

"Fass mich an!" Carlotta schluckte. Sie wusste, dass es Frauen gab, die so etwas taten - und noch mehr! Sie hatte es auch schon gesehen - im Fernsehen! Aber sie? Und trotzdem: Sie musste ihm helfen! Sie musste es tun - für ihn! Langsam kam sie zu der Überzeugung, dass in diesem Fall sie die Gebende sein müsste. Und so entschied sie sich. Das wozu sie kein anderer Mann je bewegen konnte, er bekam es als Geschenk!

 

Sie setzte sich auf und zog ihr Nachthemd über den Kopf. "Bitte, schließ die Türe zu!", bat sie ihn. Tibor sprang aus dem Bett, als sei er gerade 40 geworden. Er verschoss die Türe und dann streifte auch er seinen Schlafanzug ab. Als er zurück in ihr Bett schlüpfte, war er ganz sicher, dass er heute Nacht kein Problem haben würde! Ihr nackter, weicher Körper erregte ihn unglaublich. Und als er dann spürte, wie ihre Hand tiefer glitt, um seiner Erektion nachzuhelfen, war ihm, als müsse er platzen vor Kraft. "Liebes, du machst mich so an, dass ich heute bestimmt keine Schwierigkeiten haben werde!", keuchte er.

 

Carlottas Hand umfasste ihn vorsichtig und drückte sanft. Zum ersten Mal hielt sie einen steifen Penis in ihrer Hand. Sie fühlte, wie er zuckte. Es war ein eigenartiges Gefühl. Sie tastete neugierig, streichelte und drückte ein wenig. Tibor stöhnte auf, und Carlotta lachte leise. Es war nicht schrecklich - ganz im Gegenteil. Sie konnte ihm Lust bereiten. Er befriedigte sich nicht an ihr - sondern sie verhalf ihm zur Befriedigung. Das gefiel ihr - es gefiel ihr sogar sehr. Vielleicht würde sie ja auch noch "das Andere" entdecken! Aber nicht heute Nacht.

 

Sie spürte seine Hände, die über ihren Hals streichelten, hinab zu ihren Brüsten. Die sie umfassten und zusammendrückten. Ihre Warzen wurden steif. Ein leises Brennen breitete sich aus in ihrem Körper. Sie empfand plötzlich Sehnsucht nach ihm, an ganz seltsamen Stellen. Sie wollte, dass er sie berührte! Er presste ihren Busen immer fester zusammen. Es tat nicht weh - oh nein! Sie schob ihren Leib dichter an ihn, und seine Hände verließen ihre Brust und strichen über ihren kleinen Bauch. Carlotta hielt den Atem an. Sie hatte Sex nicht besonders gemocht. Es war unangenehm und ... doch jetzt ganz anders!

 

Tibor beugte sich hinab. Sein Mund streifte ihre harten Brustwarzen, und er leckte darüber. Carlotta zucke zusammen. Ein Lustblitz hatte ihren Körper durchzuckt, den sie noch niemals empfunden hatte. Seine Hände, die sich auf ihren Venushügel legten und sanft massierten, irritierten sie völlig. Er tat ihr nicht weh, er nahm Rücksicht auf sie, beachtete sie winzigen Zeichen der Zustimmung die sie gab. Wenn sie nur den Atem anhielt, verhielt er seine Bewegung. Er wollte - Glück für sie! Vorsichtig schob er ihre Beine auseinander. Streichelte sie. Berührte ihre Knie, und dann glitten seine Finger höher - ganz langsam!

 

"Du bist so schön!", flüsterte er. "Du bist so lieb, so zärtlich - so wunderbar!" Carlotta war einfach überwältigt von diesem Mann, der sie verführte - nicht vergewaltigte - zu Dingen, die sie nicht wollte. Mittlerweile spürte sie, wie seine Finger an ihrer Scham entlangfuhren. Er drückte nur ganz wenig dagegen - nur ganz zart und doch wollte sie, er würde ein klein wenig fester...! Sie spreizte ihre Schenkel weiter auseinander. Sanft öffnete er ihre Schamlippen. "Du bist noch nicht bereit!", flüsterte er und leckte über seine Fingerspitzen.

 

Carlotta verstand die Welt nicht mehr. Das es solche Männer gab! Zärtlich drang er vor, suchte nach ihrem Kitzler. Carlotta hatte keine Ahnung von den Dingen, die er so sicher wusste. "Du bist noch nicht feucht genug, aber warte nur, meine Süße, lass mich nur machen!" Seine Fingerspitze massierte, kreiste um einen Punkt, der ihr heiße Begierden in den Bauch schickte. Sie hatte plötzlich Sehnsucht nach ihm, nach seinem festen, prallen Glied, das in sie eindringen würde. Es war einfach unglaublich!

 

"Jaah!", stöhnte sie leise. "Oh jaah!" Tibor küsste sie. "Ich kann mich nicht hinknien, Liebling, wir werden eine andere Stellung finden müssen. Wie magst du es haben?" Das stellte Carlotta vor ein schier unlösbares Problem. Bisher hatte niemand sie gefragt, was sie wollte. Sie hatte nur darum gebetet, dass es rasch vorbei gehen möge. Heute war alles ganz anders. "Ich weiß es nicht!", flüsterte sie ratlos. Er erkannte, dass sie keine Ahnung hatte, wovon er sprach, dass er gewissermaßen mit einer Jungfrau schlief. Sie war verheiratet gewesen und hatte zwei Söhne. Und doch hatte er das deutliche Gefühl, dass sie niemals Lust empfunden hatte. Insgeheim verfluchte er sein gesamtes Geschlecht. Was waren manche Männer doch Trottel!

 

Er liebte sie, und er würde ihr einen Orgasmus schenken, zum Dank für ihre Liebe. Sie war so zauberhaft und so unerfahren. "Warte, Liebes! Ich habe eine Idee." Er wollte ihr die Verantwortung abnehmen. "Dreh dich nur ein bisschen weg von mir. Schieb nur deinen Po her, und leg deine Beine über meine Hüfte." Sie erfüllte bereitwillig seine Bitte. Jetzt lagen sie in der Kreuzstellung. Das war bequem für sie und für ihn.

 

Seine Hände hatte nicht aufgehört sie zu liebkosen, und jetzt konnte er fühlen, wie sie zunehmend erregter wurde. Ihre Scheide war jetzt feucht und prall. Vielleicht war es so: Dass, wenn er weniger an seine Lust dachte und mehr an die seiner Liebsten, er überhaupt kein Problem mehr hatte. Sein Schwanz pulsierte, stark und hart - von wegen: Erektionsstörung! Er griff zu und drückte ihn gegen ihre weichen Schamlippen. Carlotta zuckte zusammen.

 

"Magst du ihn haben?", fragte er ganz leise. Carlotta schluckte. Ja, sie wollte ihn haben. Sie wollte, dass er eindrang in ihre heiße Weiblichkeit und sie erfüllte. Sie hatte es noch niemals gewollt und war doch nie gefragt worden. "Ja!", hauchte sie. "Ja, ich will dich spüren - in mir!" Warum hatte sie nie darüber geredet? Es war doch so schön!

 

Er presste sich dichter an sie, drückte ihr die Spitze seiner Eichel zwischen die Schamlippen und rieb sie an ihr. Tibor fühlte, wie sie begann, sich unter ihm zu bewegen. Sie hob ihm ihr Becken entgegen und stöhnte. "Jaah, Tibor! Jaah, schieb ihn rein!" Sie wollte es! Da stieß er zu, drang tief ein und stöhnte vor Genuss laut auf. Immer noch kreiste sein Finger um ihre Klitoris. Und seine Carlotta wurde immer lebhafter. Sie kam ihm entgegen. Sie stieß gegen seinen Penis und versenkte ihn tief in ihrer glatten Spalte. Er hörte sie stöhnen. Sie empfand Lust! Mit seinem Knie drückte er ihre Schenkel auseinander und drängte sich noch tiefer dazwischen. Plötzlich begann sie zu wimmern. Es erschreckte ihn nicht. Sie empfand keinen Schmerz, sie wand sich in Lust. "Oh jaaah!", keuchte sie. "Oh jaah! Tibor!" Und dann spürte er, wie sie unter ihm zu zucken begann, wie ihre Scheide sich zusammenzog und ihn umfasste. "Carlotta!" Er schrie auf und entlud sich tief in ihr.

 

"Oh Gott, war das wunderbar!", stöhnte er atemlos. "Carlotta, du bist wunderbar!" Er zog sie in seine Arme, zurück an seine Seite. "Liebling, meine Schönste, ich danke dir!" Sie kuschelte sich an ihn. "Du weißt es? Nicht wahr?", fragte sie leise. Tibor nickte. "Ich denke schon! - Dein Mann war nicht sehr - rücksichtsvoll?" Carlotta schüttelte den Kopf. "Es war noch nie so wie mit dir!"

 

Sie war so erstaunt, dass sie es kaum fassen konnte. So konnte Sex auch sein! Nein, jetzt verstand sie den Unterschied: So war Liebe! Und sie hatte die Gnade erlebt, die Liebe kennenzulernen. Das musste sie unbedingt ihrer Freundin Maria erzählen. Sie würde sich für sie freuen und nicht verkünden, sie sei zu alt. Ihre Söhne würden es nicht erfahren - das wusste sie sicher! Aber sie konnte ihnen sagen, dass das Seniorenheim doch nicht so schlecht war! 

 

 

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Carlotta 2