Probezeit

Neunzehn war sie gewesen, als sie ihn kennengelernt hatte.
Eleni dachte zurück. Es hätte so viel schief gehen können, und wenn sie die Beziehungen und Ehen in ihrem Umfeld ansah, ging es auch schief. Sie hatten einen Schutzengel gehabt – oder mehrere.


Eigentlich hatte Eleni nicht vorgehabt auszugehen. Sie war viel zu platt. Sie hatte es gerade noch fertig gebracht, ihre langen Haare zu waschen, aber zum Föhnen war sie schon zu müde.
„Nur ein kleines bisschen ausruhen!", hatte sie gedacht und sich aufs Bett gelegt.
Als ihre Mutter das Zimmer betrat, war sie längst eingeschlafen.
„Sag mal, Eleni, schläfst du?"
Was für eine Frage! Bei dieser Lautstärke schlief sie natürlich nicht mehr, und das war auch die Absicht gewesen.
„Jetzt nicht mehr!", knurrte Eleni.
„Ach komm! Sei kein Frosch! Mir fällt gerade die Decke auf den Kopf. Geh mit mir in das neue Bistro an der Ecke. Bloß auf einen Schoppen!"
Grummelnd stand sie auf. Lust hatte sie keine, aber trotzdem: Wenn Muttern sich was in den Kopf gesetzt hatte …

Wenn sie jetzt aber schon ausgehen musste, dann würde sie sich aber aufbrezeln: Einen weißen, weiten Sommerrock und weiße Bluse mit Veilchensträußchen drauf. Sie liebte diese Bluse! Und dazu behängte sie sich mit allem an Gold, das sie finden konnte. Sie liebte auch Gold! Und dann ging es los – zu Fuß, denn es war nicht weit.

Früher war das Lokal ein Schuppen gewesen, dunkel und hässlich. Jetzt waren sie überrascht. Hell, freundlich, mit U-förmigem Tresen und kleiner Tanzfläche. Wenn sie das gewusst hätte, dann hätte sie Jürgen mitgenommen – ihren Tanzpartner. Sie setzte sich mit ihrer Mutter in eine der diskret abgeteilten Nischen und bestellte Frankenwein.
Mist! Eleni ärgerte sich. Hier hätten sie trainieren können!
„Warte mal kurz, Mum! Ich geh mal schnell telefonieren!“

Wenn sie überlegte: Heute wäre das kein Problem mehr, aber damals – ohne Handy!


Eleni ging zum Tresen und bat telefonieren zu dürfen. Sie durfte! Also stand sie da und hörte es biepen. Jürgen war nicht zuhause. Jedenfalls noch nicht.
Gegenüber dem Telefon saß ein einzelner Mann. Er lächelte. Sie drehte sich um. Okay, sie war solo, aber sie verdaute noch ihren Ex, den Katastrophen-Jochen, und daran hatte sie wahrlich zu tun. Also keine neuen Probleme, bitte!
Sie ging zurück zum Mütterchen und widmete sich ihrem Schoppen.

„Du, der nette, junge Herr da drüben, schaut die ganze Zeit her!“

Der „nette, junge Herr“ konnte sie mal. Sie wollte Jürgen erreichen und mit ihm trainieren. Nach einer Weile ging sie wieder zum Tresen – zum Telefon. Neuer Versuch! Biep – biep – biep!
Der „nette, junge Herr“ lächelte. Sie nicht!
Zurück zu ihrem Tisch.

„Du, der kann dich bald malen!“

Und so ging das weiter. Dreimal versuchte sie noch ihren Tanzpartner zu erreichen – und dreimal misslang es.
Beim dritten Versuch lächelte sie zurück.

Eleni lächelte noch heute bei dem Gedanken. Was wäre wohl passiert, wenn ihr Tanzpartner aufgetaucht wäre? Ihr Leben wäre anders verlaufen – definitiv!

„Wollen wir noch einen Schoppen trinken? Also ich schon!“
Ihr Mütterlein wollte noch nicht nach Hause. Sie eigentlich schon. Da kam später noch ein Western, den sie eigentlich gerne gesehen hätte, aber sie ließ sich breitschlagen.

„Jetzt kommt er und holt dich zum Tanzen!“

Eigentlich sah er ja ganz gut aus. Er würde schon in ihr Beuteschema passen, aber … Ganz nonchalant ging er – an ihrem Tisch vorbei!
Eleni kicherte. Sie fand es witzig – einerseits. Andererseits: Was fiel dem ein? Erst dauernd lächeln und dann?

„Ganz klar! Er holt mich zum Tanzen! Vermutlich kann er eh nicht tanzen oder er ist ein arroganter Arsch!“

Aber da kam er auch schon zurück, blieb stehen und verbeugte sich formvollendet.
„Würden Sie mit mir tanzen?“

Eleni nickte lächelnd, stand auf und schritt zur Tanzfläche. Oh, sie war sich seiner Blicke sehr bewusst. Der nächste Tanz begann. Foxtrott! Sie glitt in seine Arme und … siehe da, es klappte. Nein, ein zweiter Jürgen war er nicht, aber die Grundschritte und ein, zwei Variationen konnte er wohl – und sie harmonierten gut. Die Musik war angenehm leise, und so konnten sie sich nebenbei unterhalten.

Michael hatte nicht ausgehen wollen – genau wie sie. Er hatte aber etwas im Geschäft vergessen, und so musste er nochmal zurück in die Stadt. Und nachdem er gerade aus dem Urlaub gekommen war, fühlte er sich zuhause plötzlich einsam. Keine Menschen um ihn mit denen man Spaß haben konnte, wie in den zwei Wochen vorher. Also hatte er beschlossen, noch auf ein Bier zu gehen.

„Was für ein Glück! Sonst hätte ich Sie ja gar nicht kennengelernt.“

Eleni lächelte. Die ersten Tanzrunden waren verflogen, und irgendwann fiel ihr ein, dass ja da noch ihre Mutter saß – ganz allein am Tisch! Aber Michael machte keine Anstalten sie zurückzubringen oder sich selber hinsetzen zu wollen, und es war wirklich so angenehm mit ihm zu reden, zu tanzen – und zu flirten.

Ja, sie war auch gerade im Urlaub gewesen – ihre erste Reise allein. Ein Geschenk zum Abitur. Sie war in den USA gewesen. Und ja, sie hatte sich etwas mitgebracht, und nein, sie würde ihm nicht erzählen was!

Sie hatte vermutet, dass er draufgekommen war, was es war, obwohl das wohl Wunschdenken war. Wie sollte er denn? Okay, ein paar Andeutungen hatten sie gemacht, aber wie sollte er ihre schwarze Unterwäsche erraten?

Irgendwann war es ganz plötzlich und unerwartet Mitternacht. Mutter wollte nachhause.

„Darf ich Sie wiedersehen?“

Eleni lächelte erfreut. Durfte er! So leicht wie Jochen würde sie es aber keinem Mann mehr machen. Er sollte sich anstrengen.

„Natürlich! Rufen Sie mich doch einfach an: 0-X-X-X-7-7-7-3-0-9!“

Und schon waren die Frauen verschwunden.

Zuhause fragte Mama sie aus, und natürlich kam die Frage: „Siehst du ihn wieder?“

„Ich hab ihm meine Nummer gegeben!“

„Hab ich gar nicht gesehen?!“ Mütterchen staunte. Wo sie doch so genau geschaut hatte.

„Ich habe sie ihm gesagt.“

„Du bist wohl verrückt geworden? Und wenn er sie sich nicht gemerkt hat?“

„Jaaa, dann … ist er wohl der Falsche gewesen!“

„Du spinnst!“

Und damit war Mutter beleidigt, als hätte sie ihr persönlich ein Rendezvous verdorben, und Eleni ging schmunzelnd ins Bett!

Doch, er hatte ihr schon gefallen. Größer als sie – was wichtig war, denn Mama hatte ihr prophezeit, dass sie nie einen Mann kriegen würde, wenn sie mit einer Größe von 1.72 auch noch High Heels trug – schlank und maskulin. Er hatte einen Bart – und sie stand auf Bart! Alles in allem, ja, er war einen zweiten Blick wert, aber … war sie ihm einen zweiten Blick wert? Man würde sehen!

Das war der Freitagabend gewesen – und am Samstag geschah gar nichts.
Oh nein, Mütterchen hatte es nicht vergessen.

„Du bist eben ein Dussel, und mit der Methode wirst du nie einen Mann kriegen! Hättest du ihm die Nummer doch aufgeschrieben! Also wirklich! Wie soll er sich denn so eine lange Nummer merken können? Noch dazu, wenn du sie ihm nur einmal gesagt hast! Und außerdem lief da noch Musik. Vermutlich hat er es nicht mal richtig verstanden!“

„Mensch Mama, hör auf! Wenn er nicht anruft, dann ruft er nicht an. Wenn es ihm wichtig war, hätte er sie ja aufschreiben können!“

Dieses Gespräch führten sie gefühlt mindestens 20 Mal an diesem Samstag. Sie erinnerte sich. Zuerst war es noch witzig gewesen, aber dann war es immer mehr abgeglitten hin zu: „Du kriegst nie einen Mann!“ Das hatte sie einerseits genervt und andererseits verunsichert.

An diesem Abend ging sie bald zu Bett. Es hatte ihr gereicht, sich rechtfertigen zu müssen, warum sie nicht dieses und jenes …
Und der Sonntag begann, wie der Samstag geendet hatte. Musste sie wirklich so dringend an den Mann gebracht werden, zum Donnerwetter? Der eigentlich wunderschöne Abend wurde ihr immer mehr vergällt, aber dann …

Um 11 Uhr 27 läutete das Telefon – und siehe da, „der arme Mann, der sich diese Telefonnummer sicher nicht hatte merken können“, war am Apparat.

Pfffff! Gott sei Dank!
Sie hätte vermutlich die nächsten zwei Jahre hören müssen, wie leichtfertig sie mit ihren Chancen bei Männern umging. Aber nein, nun hatte sie eine Verabredung!

„Holt er dich ab?“

„Ja!“

Wann kommt er?“

„Heute Abend!“

„Wohin geht ihr?“

„Keine Ahnung, Mama!“

„Was ziehst du an?“

„Ja, ähhh …“

Sie war in ihr Zimmer gegangen und hatte überlegt. Es würde ihr Lieblingskleid werden. Schwarz mit weißen Punkten, mit einem ausgestellten Rock bis zur Wade - vorne durchgeknöpft.

Mama kam herein. Natürlich ohne zu klopfen!
Eleni knöpfte ihr Kleid zu.

Mutter schnappte nach Luft.
„Du willst doch nicht etwas das alte Ding anziehen – heute Abend! Das geht ja gar nicht!“

Okay, es war nicht ihr neuestes Kleid, aber es war ihr liebstes, und sie wollte sich wohlfühlen. In diesem Kleid fühlte sie sich wohl. Sie würde sich nicht mehr von ihrer Mutter in irgendeine Beziehung hineinreden lassen – wie bei Jochen. Der Herr Ingenieur, der hatte es sein müssen. Der Ingenieur war ihr sowas von schnuppe gewesen! Diesmal nicht nach Mutters Werteskala!
Aber bis Michael an der Türe klingelte, musste sie die Tiraden ertragen.

Und da stand er dann – mit einer Rose in der Hand.
Aber hallo!

Cremefarbene Hose, farblich passendes Hemd und dazu ein braunes, rohseidenes Sakko. Keine Krawatte, aber ein Tuch um den Hals. Ihr gefiel das Outfit, ihr gefielen die Farben, ihr gefiel der Mann – und plötzlich wurde sie nervös. Er war deutlich älter als sie. Das bedeutete, er hatte deutlich mehr Erfahrung als sie.

Sie erinnerte sich, dass sie gedacht hatte „Bloß weg hier!“, denn ihre Mutter stand im Hintergrund und lauerte auf jeden Fehler, den sie bestimmt machen würde. Wenn sie heute darüber nachdachte, hatte Michael viele Probleme ausbaden müssen, die ihr die Eltern eingebrockt hatten, und wenn er nicht gar so hartnäckig gewesen wäre …

Sie waren in einen hübschen Biergarten gegangen, romantisch weinlaubumrankt und von großen, alten Bäumen beschirmt – und aus irgendwelchen Gründen war sie unsicher wie nie. Das lockere Gespräch am Freitag beim Tanz … hier funktionierte es nicht. Dort war er ihr noch egal gewesen. Heute gefiel er ihr, und Mutter …

Sie brachte kaum ein Wort heraus, und wenn … Himmel! Stotterte sie etwa?

Aber im Laufe des Abends wurde sie lockerer. Michael war süß! Und als er sie heimbrachte … war da eine rote Ampel auf dem Weg. Michael hatte sie geküsst – und eine Million Ameisen waren über sie hergefallen. Himmel! Er konnte wirklich küssen, aber die Ampel sprang auf grün. Als er sie weiterküsste, vergaß sie die Ampel und die Straße und das Auto und Mutter und alles andere. In diesem Moment hatte sie sich verliebt!

Vor ihrer Haustüre standen sie stundenlang – zumindest kam es ihr so vor – und küssten sich und küssten und küssten.

„Sehe ich dich wieder?“

Sie nickte und stieg aus. Mutter konnte sie mal! Sie konnte fragen, was sie wollte. Eleni schwieg und ging zu Bett. Sie träumte wunderbar in dieser Nacht!

Die nächsten beiden Wochen sahen sie sich oft – fast täglich. Ihre Schmetterlinge flatterten. Und immer, wenn er sie heimbrachte, fand er irgendwelche verschwiegenen Parkplätze, und da knutschten sie dann, was das Zeug hielt.

„Kommst du mit zu mir?“

Er hatte eine Wohnung, natürlich. Die würde er ihr gerne zeigen.
Eleni hätte sie gerne gesehen, aber …
„Wenn ein Mädchen mit einem Mann in seine Wohnung geht, dann heißt das, sie wird mit ihm schlafen!“ Mutters Weisheit.
Wollte sie das? Mit ihm schlafen? Jetzt schon?
Sie schüttelte den Kopf.

Und am nächsten Tag dann, geschah es!
Mutter kam nach Hause, und Mutter schäumte.

Sie hatte eine Freundin getroffen und der natürlich brühwarm erzählt, dass ihre Tochter nun auch, endlich, einen abbekommen hatte. Einen Herrn Doktor sogar! Sie platzte vor Stolz.
Und die Freundin kannte ihn sogar. „Ja, ein toller Mann. Sieht gut aus! Verdient gut!“ Sie hatte maliziös gelächelt. „Ist aber leider schon verheiratet!“
Mutters ganzer schöner Triumph war für den Arsch!
Was Eleni dabei fühlte …

„Ich hab es doch gleich gewusst. Du kriegst keinen ab! Zumindest keinen Ledigen!“

Bis zum Abend hatte sie gedanklich alle Horrorszenarien durch und zitterte am ganzen Leib. Trotzdem ging sie mit ihm zum Essen. Schlimmer konnte es nicht mehr werden. Zwischen zwei Bissen sagte sie so nonchalant es ihr möglich war: „Ach übrigens! Ich habe gehört, dass du verheiratet bist!“

Michael lächelte sie an.
„Naja, damit geht man ja nicht gleich hausieren!“

Eleni verschluckte sich und unterdrückte mit aller Gewalt ihre Tränen.
„Männer sind Schweine! Alle!“ Mutters Weisheit seit ihrer Scheidung!

Und das Schwein lächelte noch immer und fuhr ganz unbefangen fort:
Weißt du, ich kannte dich ja noch nicht, und man sagt ja nicht am ersten Abend: Ach du, übrigens, ich bin geschieden! Ich dachte, vielleicht wärst du katholisch, und für dich käme kein geschiedener Mann in Frage.“

„Du bist – geschieden?“ Eleni schluckte. Sie konnte es kaum fassen.

„Übermorgen wird es ein Jahr! Sag, stört es dich sehr?“

Sie stürzte ihr Glas Wein hinunter und schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht katholisch, und meine Eltern sind auch geschieden!“ Es fiel ihr ein Stein von der Seele. Was heißt hier Stein: Ein Felsblock! Dass er geschieden war, das war ihr völlig egal. Im Gegenteil! Sie wusste inzwischen, dass er 30 war. Ein Mann ohne feste Beziehung bis dahin, wäre ihr viel eher suspekt gewesen.

ABER OH MUTTER!

Auch heute erzählte sie nichts. Mutter sollte ruhig weitertoben! Sie hatte ihr den Schrecken ihres Lebens bereitet, nun sollte sie sehen, wie sie mit der Tatsache fertig wurde, dass ihre Tochter offenbar eine Schlampe war, der es gar nichts ausmachte, eine Ehe zu zerstören!

Bei ihrem nächsten Treffen fragte sie ihn dann nach seiner Ex.
„Weißt du“, sagte er, „ich habe sie nicht geheiratet. Ich bin geheiratet worden!“
Eleni stutze. Das würde ihr nicht passieren! NIEMALS! Kein Mann würde je von ihr sagen, er habe nicht sie geheiratet, sondern sie ihn!

Oh Michael hatte nicht gewusst, was er mit diesem Satz anrichtete! Eleni lächelte in Gedanken daran. Aber wenn er nicht so ausgesprochen beharrlich gewesen wäre, und wenn er sie nicht wirklich sehr geliebt hätte, er hätte aufgegeben. Sie hätten keine Bilderbuchfamilie bekommen, und Mutter hätte es nicht fast zerrissen, ob der Tatsache, dass ihre Tochter es besser machte als sie!

Aber nach sechs Wochen, als Michael schon gar nicht mehr fragte, hatte sie ihn nach dem Essen gefragt, ob er den Wein noch hätte, den er für sie gekauft hatte.
„Ja, klar, aber – halt bei mir zuhause!“

„Okay!“

„Was, okay?“

„Gehen wir Weintrinken! Aber wir gehen NUR Weintrinken!“

Er sah sie an und sagte feierlich: „Okay!“

Himmel war sie nervös! Aber sie sah seine Wohnung. Wirklich hübsch! Und sie tranken seinen Wein! Wirklich sehr gut! Und er rührte sie nicht an! Er machte nicht einmal den Versuch!

Ein Mann, dem man vertrauen konnte! Er hielt was er versprach! Oh ja, sie liebte ihn, und sie wollte auch …

In der nächsten Woche gingen sie wieder zu ihm nach Hause. Es war einfach viel gemütlicher als im Auto, und diesmal sagte sie nichts von wegen „nur Wein trinken!“ Konnte man ja schließlich mal vergessen.
Und als er sie rückwärts in die Couch drückte, um sie zu küssen, war sie einverstanden, und sie lachte, als er sagte: „Diesmal hast du nichts gefordert und ich nichts versprochen!“
Trotzdem war sie nervös. Sie war 19 und ihre sexuellen Erfahrungen waren erstens beschränkt und zweitens negativ! Aber Michael war zärtlich und geduldig, und als sie den ersten Orgasmus ihres Lebens hatte, war sie einfach nur glücklich!

Sie erzählte ihm von dem ersten Mann in ihrem Leben, und dass er ihr klargemacht hatte, dass sie einfach unfähig sei.

„Er war ein Depp!“, erklärte Michael, und sie glaubte ihm vorbehaltlos.

Am nächsten Tag bekam sie die Schlüssel für seine Wohnung – und Mutter platzte!
Dass sie zu ihm zog geschah schleichend. Zuerst war sie nur in der Nacht von Samstag auf Sonntag bei ihm, dann von Freitag bis Sonntag und dann noch einmal unter der Woche, weil irgendetwas war. Irgendwann waren sie zusammen, und dann trafen sie auf dem Weg nach Hause - die Ex.

„Darf ich dir meine Exfrau vorstellen?“, hatte er gesagt, als da plötzlich eine Blondine in ihrem Weg stand, und ihr fiel das Lächeln aus dem Gesicht. Als sie aber bemerkte, dass die Ex noch viel blöder schaute, grinste sie. Sie hatte ja schließlich von der geschiedenen Exfrau gewusst. Die aber nicht von ihr. Entsprechend sauer reagierte jene dann auch.

„Sie ist gegangen mit den Worten: ’Du wirst nie mehr eine Frau finden!’“, erzählte er ihr später.

Oh ja, mit solchen Aussagen sollte man vorsichtig sein!

Aber dieses Treffen sagte ihr noch etwas: Er war über die Ex hinweg – und er liebte sie, Eleni! Er bewies es anschließend in ihrer Wohnung, gleich hinter der Türe auf dem Boden!
Der Sex war umwerfend zwischen ihnen, obwohl sie manchmal …

Irgendwann, sie waren da schon ein, zwei Monate sehr vertraut miteinander, kaufte sie sich eine schwarze Korsage. Dann aber verließ sie der Mut. Die Erinnerung an Jochen und all die schlimmen Dinge, die er ihr gesagt hat – über Unfähigkeit und Verklemmtheit und Frigidität …

Aber sie wollte es doch! Sie wollte es für ihn und für sich. Was aber, wenn er genauso reagieren würde? Was, wenn er sie so sähe – und in Gelächter ausbräche?

Sie würde nie wieder …

Aber vielleicht würde er lachen, weil er selber nicht wusste, wie er reagieren sollte? Aus Unsicherheit?

Sie dachte darüber nach – wochenlang!
Dann beschloss sie, es zu riskieren.

Wenn sie heute daran dachte, musste sie selber lachen. Wie schwer machten sich die Menschen ihre Liebe und ihre Lust! Aber sie nicht! Nein, nie mehr!

Als Michael nach Hause kam, hatte sie ihr Abendessen schon vorbereitet: Frisches Weißbrot, Lachs, Sahnemeerrettich und eine gut gekühlte Flasche Frankensekt! Gemeinsam saßen sie bei Kerzenschein im Wohnzimmer und schlemmten. Und dann nahm sie noch einen großen Schluck Sekt und verschwand im Schlafzimmer:

„Ich komme gleich wieder!“

Als sie zurückkam, trug sie die schwarze Spitzenkorsage mit Strümpfen und ziemlich hohen Pumps. Sie zitterte vor Nervosität, aber das sah Michael nicht.
Mit offenem Mund starrte er sie an wie eine Erscheinung.

„Mein Gott, bist du schön!“

Eleni atmete auf. Noch ein Felsblock von der Seele!
Mit wiegenden Hüften kam sie näher, trat über seine Beine und setzte sich auf seinen Schoß. Seine Hände berührten sie. Die Finger strichen fast schüchtern über ihre Brüste oberhalb der Spitze.
„Davon habe ich geträumt!“, flüsterte er. „Davon habe ich immer schon geträumt!“

Jetzt stutzte sie. „Und mit deiner Frau? Habt ihr nie – sowas?“

Er schüttelte den Kopf. „Nie!“

Dann zog er sie an sich und küsste sie auf diese hinreißende Art, die sie immer schwach werden ließ. Ihr wurde heiß! Sie küsste zurück, nass und tief, und dann spürte sie ihn.
Sie begann sein Hemd aufzuknöpfen, und seine Hand wanderte hinab, zwischen ihre Schenkel. Als seine Finger die Stelle fanden, stöhnte sie auf, fasste das Hemd und riss es mit einem Ruck entzwei. Knöpfe flogen in alle Richtungen und Michael fielen fast die Augen aus dem Kopf. Eleni griff nach seinem Kopf und drückte ihn zwischen ihre Brüste.

„Oh jaaah!“

Michael umfasste sie, knetete sanft und hob sie behutsam aus den Körbchen, leckte über die Spitzen, biss sanft.
Eine Gänsehaut überzog ihren ganzen Körper. Sie bog sich ihm entgegen.
„Ich liebe dich!“
Er biss fester.
„Liebling! Ich …“ Eleni riss sich los, stand auf und zog ihn hoch. „Zieh dich aus!“
Folgsam öffnete er seine Hose und ließ sie fallen, stieg heraus und entledigte sich seiner Unterhose. Sein Schwanz zeigte ihr genau, wie die Korsage auf ihn wirkte, und Eleni lächelte.
„Setz dich!“
Michael ließ sich in die Couch sinken. Er sah sie mit großen Augen an.
„Was hast du vor?“

Eleni kniete vor ihm nieder, legte ihre Hände auf seine Knie und drückte sie langsam auseinander.

„Nein! Sag mir jetzt nicht, dass du … Oh, ja! Bitte!“ Er stammelte, heiser vor Erregung.
„Das, oh Gott, jaah! Davon habe ich geträumt. Schon immer!“
Konnte es denn sein, dass er das nicht kannte? Okay, sie war jung, 20 inzwischen, und er war ihr zweiter Mann, aber er, er war doch verheiratet gewesen.
Aber das hieß ja …
Er war nicht besser, weiter, nicht erfahrener in diesem Spiel als sie. Sie würde sich nicht grenzenlos blamieren, sie würde jetzt einfach ihrem Gefühl folgen, und das führte sie direkt zu diesem sensationellen Schwanz, der ihr schon so viel Lust bereitet hatte!
Behutsam ließ sie ihre Zungenspitze über seine Eichel flattern, spürte beglückt sein Zittern, und legte ihre Lippen auf ihn. Es schmeckte eigen – nach ihm und auch scharf und süß.

Michaels Kopf sank zurück, und er stöhnte hingerissen.

Sie vergaß, ob sie etwas falschmachen könnte, sie würde es für ihn tun!
Sie saugte behutsam, leckte und schob ihn tiefer. Was für ein umwerfendes Gefühl! Er wurde noch härter, und sie saugte fester. Langsam bewegte sie ihren Kopf, kreiste um seine Kuppe.

Seine Hände griffen nach ihr, streichelten ihre Arme, glitten zu ihren Brüsten.
„Ich will dich auch berühren!“, bettelte er.

„Später!“, stöhnte sie mir vollem Mund, dann ließ sie ihn los, sah ihn lächelnd an – und umfasste seine Hoden! Sanft spielte sie, knuddelte und beobachtete seine Reaktionen.

Michael lag halb zurückgelehnt auf der Couch. Seinen Unterleib hatte er vorgeschoben, sodass sie all die Stellen erreichen konnte, die er ersehnte. Und sie würde!

„Mach mal die Beine breit!“, flüsterte sie, und er gehorchte.
Tastend erkundete sie das Gelände. Ihre Finger glitten tiefer, drückten behutsam seine Kugeln und wanderten weiter.

Michael stöhnte verlangend.
„Das ist ja so – unglaublich! So geil!“, keuchte er, und sein Becken begann sich zu bewegen. Er stieß ihr entgegen.

Wie geil es war, ihn zu erregen!
Eleni umfasste seinen Schwanz und ließ ihn durch ihre Hand gleiten.
„Wie groß er ist!“, flüsterte sie. „Es ist ein Wunder, dass er überhaupt in meine Muschi passt! Aber jetzt …“, sie kicherte, „…erst mal nicht!“
Wieder kam ihr Mund näher. Zärtlich pustete sie, leckte die Eichel und erkundete sie mit der Zungenspitze.

„Oh Himmel!, stöhnte Michael. „Bitte! So mach doch!“

Aber im Gegenteil, sie hörte ganz auf.
Michael stieß einen Laut aus, als müsse er sterben. Doch dann bekam er große Augen.
Eleni stand auf, spreizte ihre unendlich langen Beine und griff zu. Von unten sah er, wie die Finger ihre Scham berührten. Sie öffnete ihre Lippen und glitt tiefer.
„Schau doch bloß mal“, flüsterte sie, „wie geil ich bin.“

Sie tat es vor seinen Augen! Oh mein Gott! Wie oft hatte er sich genau das gewünscht!

„Was möchtest du, Liebling? Sag es mir, und ich werde es tun!“
Sie tat es nicht nur für ihn, oh nein! Es machte sie unglaublich geil, zu sehen, wie er auf sie reagierte.

„Lass mich … oh bitte, lass mich … nochmal in deinen Mund!“

Eleni lächelte. Sie kam sich so verrucht vor – und genau das machte sie an. Ganz langsam kniete sie nieder, fasste nach seinem Schwanz und kam näher.
„Willst du mir in den Mund spritzen?“, fragte sie aufreizend.

Michael röchelte Unverständliches, und dann verschlang sie ihn.

„Himmel, du fickst mich! Du fickst mich mit den Lippen!“ Fassungslos sah er zu, wie ihre roten Lippen an seinem Stamm auf- und abfuhren, wie ihre Hand ihn wichste und ihre Augen blitzten.
Er durfte das genießen, denn sie genoss es auch!
Jetzt gab es kein Zurück mehr. Michael stieß ihr entgegen, immer tiefer hinein in diese wunderbar aufregende Höhle. Er stöhnte, keuchte und wimmerte.

Eleni fühlte ihn nochmal zwischen ihren Lippen wachsen, und sie ahnte es, bevor er spritzte.
Plötzlich spürte sie sein Zucken, und dann war der Geschmack wieder da. Scharf, süß, würzig – Michael! Sie kostete seinen Samen auf ihrer Zunge. Sollte sie das jetzt schlucken? Nein, oder? Wie würde es für ihn sein, wenn sie es ausspuckte? Er würde es verstehen. Sicher! Aber …
„Schluck’s runter!“, befahl sie sich – und schluckte.
Dann ließ sie ihre Zunge um sein Glied gleiten und leckte ihn sauber, freute sich, dass er noch immer zuckte. Als sie ihn aus ihrem Mund entließ, war sie glücklich. Sie hatte ihm etwas Außergewöhnliches geschenkt – und er wusste es zu schätzen.

Michael lag mit geschlossenen Augen da und atmete schwer. Sie kuschelte sich an ihn. Was für ein schöner Abend!
„Hast du …, hast du das jetzt runtergeschluckt?“, fragte er.
„Hmmm!“
„Wie, ich meine, du musst das nicht. Wie, wie schmeckt das?“
Sie lächelte. „Naja, meine Lieblingsspeise wird es vermutlich nicht werden.“

„Liebling …“
„Hmmm!“
„Willst du mich heiraten?“
Sie setze sich auf. „Deswegen?“ Sie machte eine allumfassende Bewegung.
„Nein! Ja! Nein! Weil ich dich liebe und du … ich habe schon länger drüber nachgedacht.“

Er liebte sie! Sie liebte ihn! Sie passten wunderbar zusammen, auch wenn sie sich oft stritten, aber sie wollte eigentlich nicht heiraten. Niemals! Das hatte sie sich bei der Scheidung ihrer Eltern geschworen! Und er hatte gesagt … „Sie hat mich geheiratet, nicht ich sie!“

„Ich liebe dich, Michael, aber du weißt doch, was ich von der Ehe halte. Das hat mit dir nichts zu tun, aber … und weißt du, ich hatte eine Freundin, eine mütterliche Freundin, sie war mir mehr Mutter, als meine; sie war Lehrerin und sie hat mir viel beigebracht. Sie sagte immer: „Eine Ehe ist ein Brückenbau. Ihr steht auf verschieden Seiten eines Flusses und fangt an aufeinander zuzubauen. Wenn ihr Glück habt, trefft ihr euch in der Mitte. Wenn nicht …!“ Also bitte, lass uns erst mal abwarten, ob wir die Mitte finden und uns treffen!“

Michael lächelte und zog sie zurück in seine Arme. „Ich werde dich schon treffen! Keine Bange! Ich treffe dich – wo auch immer!“ Davon war er fest überzeugt. Wenn nicht jetzt, dann irgendwann. Er hatte sie ja, mehr als er jede andere gehabt hatte. Er würde ihr Zeit geben. Er küsste sie. „Ich werde dich schon noch überzeugen, dass ich der Richtige bin, keine Bange. Ich werde deine „Probezeit“ schon bestehen! Und dann ließ er sich von der Couch gleiten und drückte ihre Schenkel auseinander. Seine Zunge glitt durch Feuchtgebiete, und er lächelte. Sie war die Frau seines Lebens, davon war er überzeugt – und er würde es ihr beweisen!

Eleni war glücklich! Michael hatte alle ihre Zweifel beseitigt, und auch wenn sie die ersten Jahre gestritten hatten wie die Teufel … das hatte sich gelegt im Laufe der Zeit.
Geheiratet hatte sie mit 25!
Und heute hatten sie Silberne Hochzeit, und dafür war sie wahrhaft dankbar!

 

© Anna