Quarantäne

 

„Also weißt du“, sagt Robert und setzt sich aufs Bett, „ich werde ab jetzt nicht mehr so rumgammeln. Auch wenn wir in Quarantäne sind, werde ich morgens aufstehen. Natürlich nicht um 6 Uhr, aber um 8 Uhr schon!“
Er stellt schon den Wecker. Mir ist das egal, denn ich bin um die Zeit sowieso wach.
„Gute Nacht, Liebling!“


Zehn vor Acht wache ich auf. Es ist so wunderbar in meinem Bett, so schön warm und kuschlig, im Gegensatz zu dem kalten Schlafzimmer. Wir schlafen bei offenem Fenster. Ich genieße gerade die wohlige Wärme, als sein „Hahn“ kräht. Wäre ich nicht schon wach, würde mich dieses blöde, elektronische Vieh ärgern, so aber ist es okay.

Robert stellt den Wecker ab, aber auch er springt nicht aus dem Bett.
Ich drehe mich zu ihm um. „Darf ich noch ein bisschen mit dir kuscheln?“

„Du darfst IMMER mit mir kuscheln!“
Ich lächele. Unser Ritual!

Er hebt seine Decke hoch, und ich rücke hinüber. Löffelchen! Mein Kopf auf seinem Arm, mein Rücken an seinem Bauch! Der zweite Arm umschlingt mich. Es ist immer noch faszinierend. Wir beide passen zusammen wie ein Puzzle. Da gibt es nichts, was drückt oder zwickt. Alles komfortabel, gemütlich und warm. Wundervoll.

Ich schließe die Augen und schwelge. Seine Hand folgt meinen Formen – zärtlich und langsam auf und ab.
„Du fühlst dich so gut an!“, flüstert er mir ins Ohr.
„Hmmmm!“
Eigentlich bin ich noch müde und könnte gleich wieder einschlafen.
Aber Streicheln ist schön. Auf und ab.
Und dann hat er den Rand meines Nachthemdes erreicht. Nackte Haut.
„Hmmmm!“ Diesmal schnurrt er. Seine Finger gleiten wieder aufwärts, unter dem Hemd diesmal.
Hüfte, Taille, Busen.
Meine Knospen reagieren.
Komisch! Ich bin plötzlich gar nicht mehr müde.
Die Sehnsucht erwacht.
Und zurück. Busen, Taille, Hüfte, Po.
Ich ziehe das obere Bein an und drehe mich etwas vorwärts.
Seine Finger folgen der Spur.
Ich atme tief und regelmäßig. Meine Gedanken sind bei seinen Fingern, meine Sehnsucht ist darunter. Wie gut er mich kennt. Er folgt meiner Sehnsucht bevor ich weiß, wohin sie ihn führen wird. Und sie wächst, schwillt an, verbindet mich mit ihm.
Seine Finger an meinem Po, dazwischen. Auf und ab.
Ich gebe ihm Raum, will ihn tiefer.
Als wäre ich es, die seine Hand lenkt, erfüllt er mein Begehren, steigert es.
Ist es noch Sehnsucht – oder schon Verlangen?
Ich fühle meine Feuchtigkeit unter seinen Fingern, spüre sie gleiten – dahin, wo ich sie haben will.
„Dreh dich!“, flüstert er, und ich gehorche willig.
Aber dann ist er fort, lässt mich allein, zerstört die Einheit, die Wärme.
Robert zieht mir die Decke weg, und die kühle Luft auf meiner Haut elektrisiert mich.
Er setzt sich auf und dreht sich, sitzt zu meinen Füßen, mir gegenüber - lächelnd.
Jetzt weiß ich, was er will, und ich lächle ebenfalls. Robert schiebt sich unter mich, ich hebe mein Bein und lasse ihn ein, meine Schenkel schmiegen sich weit gespreizt über seine. Meine Scham offen vor seinen Augen, seinen Blicken preisgegeben, seinen Händen.
„Genieße!“
Keinem anderen würde ich mich so schenken, so hilflos und nackt, so wehrlos! Aber er ist mein Mann, mein Herz. Ich schließe die Augen. Oh ja, ich werde es genießen!

Seine Fingerspitzen sind fast nicht zu spüren, fast! Aber er kennt mich so gut. Über die Zeit, da er geglaubt hat, man müsse da so richtig hinlangen, sind wir längst hinaus. Seine Beinahe-Berührungen sind so erregend, so leicht, so zärtlich und doch auch so unglaublich geil.
„Mehr!“
Oh nein, mein Robert weiß, dass er noch nicht mehr geben darf. Ich brauche Zeit zu genießen, ich brauche seine Geduld, seine - Standhaftigkeit. Jetzt keine Abkürzungen, nicht fester, oh nein! Es würde mir die Sehnsucht nehmen, die süße Qual mehr zu verlangen, denn was ich verlange ist ja nicht äußerlich. Nicht er muss seine Bemühungen steigern. Ich möchte, ersehne mehr … Lust, Begehren in mir!
Und Robert weiß, wie es geht, oh ja!
Eine Fingerspitze flattert über meine Perle, während die anderen Finger die Blüte spreizen. Ich spüre seinen kühlen Atem, spüre leichte Berührungen tiefer. Er streift behutsam an den Lippen entlang, hinunter – einen sanften Kreis, da wo es hineingeht, tiefer hinein, dahin wo ich ihn spüren will, spüren muss.
„Bitte!“
Eine Fingerspitze dringt ein. Nicht tief genug, nur das erste Fingerglied.
Die Hitze in mir steigt.
„Du bist gut, so guuut!“ Ich stöhne ihm meine Lust entgegen und hoffe, dass er mir nicht nachgibt. Noch nicht!
Und schon ist der Kontakt unterbrochen – und dann tiefer wieder … oh jaa!

Robert dringt ein. Tief. Und kreist und streicht und bläst und spreizt und drückt – und ich werde verrückt, kann nicht mehr stillhalten. Jetzt will ich ihn animieren, verführen. Wenn ich Glück habe, gelingt es nicht. Mein Becken beginnt sich zu bewegen. Es schwingt auf und ab, drängt sich ihm entgegen. „So komm doch, fick mich!“, soll das heißen! „So tu es schon – endlich!“
Aber nein, er gibt sich nicht nach. Er gibt mir nicht nach.
Die Fingerspitze gleitet tiefer hinab, berührt den Damm, flirrt weiter, findet die andere Möglichkeit, kitzelt und drückt – und ist verschwunden.
Und dann ist er wieder angekommen.
Ich kann mich jetzt nicht mehr beherrschen, nicht mehr still sein.
Ich stöhne, wimmere, bettle.
Meine Hände krallen sich ins Laken, mein Anker. Mein Körper fließt!
Mein Atem geht schwer, stockt.
„Ja, ja, oh ja!“
Ich will, will, will …
Oh ja, jetzt!

Der Anker reißt, ich fliege und bin doch so völlig sicher.
Diese besonderen Gefühle, dieses Schweben, das Fallen, das Zittern, das Überfließen, all das lässt mich die Welt vergessen. Sie bleibt weit unter mir zurück – auch er.
Und trotzdem sind wir eins! Robert weiß vermutlich gar nicht, was er mir schenkt, denn es ist weit mehr als Lust. Er gibt mir die Einheit. Körper, Geist und Seele, die Verbindung zu mir und zu allem was ist. Ich bin vollständig – und ich verdanke es ihm, meinem Liebsten!
Nur langsam kehre ich ins Hier und Jetzt zurück.
Schwer atmend liege ich da, sehe sein lächelndes Gesicht und weiß, auch Robert hat es gespürt. Harmonie. Unendlichkeit!
„Ich liebe dich!“

Nun ist es an mir.
„Leg dich zurück!“
Sein Lächeln wird breiter.

Ich rapple mich auf. Es wird mir ein Vergnügen sein!
Auf allen Vieren krieche ich über ihn.
Ich schmunzle, denn ich kann sehen, wie sehr er sich auf mich freut.
Meine Zunge huscht über seine Kuppe, und ich höre ihn stöhnen – lustvoll!
Ich umfasse seine Hüften, ziehe mich noch dichter an ihn. Himmel, er riecht so gut. Meine Lippen gleiten um seine Eichel, liebkosen sein Fleisch.
Lange kann ich das nicht, das weiß ich – und Robert vermutlich auch nicht.
Ich knie mich über ihn, spüre seine Erektion genau da, wo sie hingehört. Wieso bin ich bloß schon wieder so geil?
Meine glatten Lippen spielen mit ihm, drücken und necken, aber nicht nur ihn – auch mich selber. Wie unglaublich aufregend sich das anfühlt – seine Härte an meiner Möse.
„Bitte!“
Aber gerne doch.
Ich greife zu, richte seinen Schwanz auf und drücke dagegen, lasse ihn in mich ein, tiefer und tiefer.
Mein Mann liegt steif wie ein Brett unter mir, will jeden Millimeter genießen, den ich ihm zugestehe, hält ganz still. Solange er es vermag, darf ich es tun.
Ich beuge mich über ihn, fühle seine Hände an meinen Brüsten. Elektrisierend. Mein Becken schwingt auf und ab, hin und her. Glühende Hitze kreist und reibt um und an seinem Stamm. Seine Hingebung, die Wollust, die er mir geschenkt hat, ich gebe sie ihm zurück. Gleich ist es soweit, ich fühle es mit jeder Faser meines Seins.
Meine Zunge streicht an seinem Ohr entlang.
„ …!“
„Ich liebe dich, und jetzt - ficke ich dich um den Verstand!“ Ich seufze es in sein Ohr, denn ich weiß, die Zeit ist um.
Robert bockt, stöhnt, schreit, ringt keuchend um Luft und spritzt all seine Liebe in mich hinein, mitten hinein in meine Ekstase. Gemeinsam lodern wir auf zu einer Stichflamme der Lust, umklammern uns und sinken in uns zusammen – schwer atmend und glücklich.



Erst unendlich lange später bin ich wieder in der Lage mich zu bewegen. Ich rücke ein Stückchen ab, gebe ihm die Freiheit wieder, die Luft zum Atmen.
Er streckt mir seine Hand entgegen, und drehe mich um, ich angle nach der Rolle, die immer zu diesem Zweck an meinem Bett steht. Ich ziehe an und wickle ein großes Stück ab und reiche es ihm. Sperma im Bett ist eher nicht unser Ding.
Und plötzlich sitze ich senkrecht im Bett. Ich muss lachen.
„Ich hab es begriffen!“, kichere ich.
Robert schaut mich mit großen Augen ab.
„Was?“
„Jetzt weiß ich endlich, wozu die Leute das ganze Klopapier brauchen!“
Er starrt mich an, als käme ich vom Mond, dann fällt der Groschen.
Es ist einfach wunderbar mit ihm zu lachen.
Mindestens genauso schön, wie mit ihm zu vögeln!

© Anna