Der Penner


Die Sonne schien und der Winter war immer noch weit – dabei war schon November. Normalerweise wehte schon dieses laue Lüftchen Frohsinn in mein Herz. Heute nicht. Die Weihnachtsgala der Kanzlei stand bevor, und Mutter hatte mich freundlicherweise wissen lassen, dass ich heute Abend enterbt werden würde. Ich war zwar die erfolgreichste Juristin der Firma, aber eben „nur“ eine Frau und unverheiratet. Noch nicht mal einen Freund hatte ich. „Völlig sinn- und wertfreies Genmaterial“ hatte er gesagt!
Mein Vater!
Was für eine Familie!

„Du darfst das nicht so an dich heranlassen!“, hatte meine Kollegin gesagt, die das Mutter-Tochter-Gespräch mitbekommen hatte, aber sie konnte gut reden. Ihre Familie liebte sie bedingungslos.
Davon war die meine meilenweit entfernt - und so herabgewürdigt zu werden …

Ich saß, wie immer während der Mittagspause, auf einer versteckten Parkbank und aß mein Müsli. Das heißt, heute aß ich es nicht. Es schmeckte wie getrockneter Sand.

„Daddy!“ Irgendwann einmal hatte er mich geliebt. Tränen stiegen mir in die Augen, und ich versuchte das Schluchzen zu unterdrücken. Es misslang.

„Geht es Ihnen nicht gut?“
Was für eine wundervoll sonore Stimme.
„Geht schon!“, schniefte ich.
„Sieht aber nicht so aus!“
Als ich aufsah, blickte ich in zwei unglaublich blaue Augen, aber der Rest gehörte zu einem alten Stadtstreicher, sauber zwar, aber abgerissen, mit Vollbart und langen Zöpfen. Auch das noch! So einer musste mir begegnen! Er sollte verschwinden. Mit einem Penner wollte ich nicht gesehen werden, aber er setzte sich neben mich.

Eine überraschend gepflegte Hand legte sich auf meine. „Erzählen Sie!“
Himmel, diese Stimme!
Und dann brach es aus mir heraus. Die ganze missliche Geschichte um meine dämliche Familie, in der zuerst das Geschlecht zählte – selbstverständlich das männliche - und dann die Leistung.
Bei meinem Bruder hatte es lange Zeit so ausgesehen, als würde er die Leistung nie erbringen. Er war nur Sohn und Playboy gewesen, jettete durch die Welt, während ich mir den Arsch aufriss, Vaters Erwartungen zu erfüllen.

Hatte funktioniert, bis mein lieber Bruder im Lotto gewonnen hatte. Dieser unerwartete Geldsegen hatte bei ihm ungeahnte börsenspekulatorische Fähigkeiten geweckt. Sein Vermögen ging inzwischen längst in die Millionen.
Und nun, wenn ich nicht schnell einen Mann auftrieb, der mein „wertloses Genmaterial“ in den gewünschten Stammhalter verwandelte, würde ich enterbt werden und die Firma verlassen. Zumindest das war ich mir schuldig.

Der Penner schüttelte den Kopf. „Die Menschen sind so dumm! Sie wissen nicht, was im Leben wirklich zählt!“
„Und Sie wissen es?“, fragte ich sarkastisch. Was konnte der schon wissen?
Seine Hand verschwand. „Ja, heute weiß ich es!“, sagte er ruhig. „Aber ich habe es verloren!“
Ich reichte ihm mein Müsli – zu Versöhnung. Woher nahm ich das Recht, ihn anzugehen? Er war der einzige, der mir in meiner Not zuhörte. „Wollen Sie?“
Er lächelte. „Gerne!“ Langsam begann er zu essen.

Wenn man sich Bart und Zöpfe wegdachte, sah er gut aus.
„Wie wäre es, wenn Sie …“
Blödsinn! Was für einen Idee! Ich konnte doch nicht mit - ihm - bei unserer Firmengala … Aber die Idee war da, und dieses Glitzern in seinen Augen.
„Sie wollen sie also verarschen, die Bande?“
Ich nickte. „So würde ich es zwar nicht ausdrücken, aber … ja!“
„Okay!“

Vielleicht hatte ich wirklich einen Knall, aber ich nahm ihn mit nach Hause.

Als er in meinem Schlafzimmer stand, wurde ich unsicher. Was, wenn …?
Aber er lachte so überzeugend. „Ich bin Robert!“, und begann sich auszuziehen. „Wo ist dein Bad?“
Meine Augen wurden immer größer. Nackt sah er sogar noch besser aus. Ich zeigte Robert das Bad und rief meinen Lieblings-Friseur Slim an. Er war ein Schatz und kam sofort. Ich war mir sicher, er würde ein Wunder vollbringen.
Wie gut, dass ich die Klamotten meines Ex noch nicht entsorgt hatte. Sie würden vermutlich passen, und ein Smoking wäre ganz sicher auch dabei. Nur die Schuhe würden ein Problem sein.

„Wollt ihr einen Espresso?“, fragte ich durch die Badezimmertür und reichte zwei Tassen, nebst Unterwäsche, hinein.

Nach einer Stunde, in der ich meinen Teppich durchgelaufen und mich nur mühsam davon abgehalten hatte, alle meine Fingernägel abzukauen, kam Slim grinsend aus dem Bad und ging noch breiter grinsend an mir vorbei. „Cooler Typ, dein Neuer!“

Als Robert herauskam, blieb mir die Luft weg. Zöpfe und Vollbart waren verschwunden. Er trug einen schicken Drei-Tage-Bart und einen modischen Haarschnitt mit langem Deckhaar, von dem ein paar Strähnen lässig in die Stirn fielen.
Ansonsten trug er nur schwarze Retropants, und … er war keineswegs alt.

„Und nun?“
Ja, das hätte ich auch gern gewusst. Was jetzt? Normalerweise tat ich sowas nicht: Ich knöpfte mein Businesskostüm auf, und er lächelte.
„Gleiches Recht für alle!“
Als ich nur noch in Unterwäsche vor ihm stand, kam er zu mir. Seine Küsse überzeugten mich in Windeseile, dass heute doch ein guter Tag war.

Viel Zeit hatten wir nicht, aber schließlich mussten wir uns kennenlernen.

Robert nahm mein Gesicht in die Hände, und seine blauen Augen verzauberten mich. Langsam streichelten seine Finger über meine Wangen, den Hals, die Schultern und glitten dann tiefer über meine Arme. Er fasste meine Hände und zog sie an seine Lippen. Zärtlich küsste er meine Fingerspitzen.
„Wie schön du bist!“, murmelte er und barg mich in der Sicherheit seiner Umarmung. Geborgenheit! Wie lange hatte ich das Gefühl vermisst! Ich drückte meine Nase in seine Halsbeuge, schnupperte. Dieser Mann roch einfach wunderbar!

Meine Finger fuhren zärtlich über seine Haut, tiefer hinab, umfassten seine Pobacken und zogen ihn näher. Ich konnte den Schauer spüren, der seinen Körper überzog – und mehr! Er wollte mich genauso sehr wie ich ihn!

„Liebes!“, stöhnte er verlangend. „Ich hatte schon so lange keine solchen Gefühle mehr, keine … Frau mehr. Ich war … tot.“ Er küsste mich gierig, und ich befreite ihn endlich aus dieser störenden Hose.

Diese Hände hatten nicht zum ersten Mal eine Frau entblättert! Waren sie mir nicht vorhin schon aufgefallen, im Park? Gepflegte, schlanke Hände. Die eines Pianisten vielleicht. Aber als er damit meine Brüste umfasste, war der Gedanke an seinen Beruf aus meinem Kopf verschwunden. Und wenn er ein Penner war, war er auf jeden Fall ein feinfühliger Penner!

Ich stöhnte. Seine Finger glitten über meinen Bauch, schoben mein Höschen hinunter und kehrten zurück. Es war wie ein inneres Zittern, nein, eher ein Erdbeben der Sehnsucht.
„So mach doch!“ Ich konnte es kaum erwarten, spreizte meine Beine für ihn, bettelte. „Bitte, Robert, bitte!“
Warum gingen wir nicht ins Bett? Egal! Er war da.

Wie ein Störfeuer blitzten Gedanken in meine anschwellende Lust. Ich, die immer so vernünftig war, nahm einen Penner mit nach Hause! Aber verdammt, ich wollte ihn so sehr, ging vor ihm auf die Knie und betrachtete sinnend das Objekt meiner Begierde. Meine Blicke pendelten von diesem, überaus anregenden, Schwanz hinauf zu den Augen – und damit war alles klar.

Robert gehörte zu mir!

Ich leckte rund um seine Eichel und ließ mir seine frisch rasierten Eier in die Hand fallen. War das Slims Handschrift? Es würde ihm gefallen haben! Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit lachte ich herzlich, und dann konzentrierte ich mich wieder auf mein Werk. Die Größenverhältnisse stimmten. Robert passte zu mir, er schmeckte gut – und er stöhnte so verlangend.

„Wenn du so weitermachst …“ Er stieß. „Vergiss nicht, ich bin ausgehungert!“

Das war die Entscheidung. Ich saugte mich fest, wollte es für ihn, nur für ihn allein! Diese wunderschöne Eichel wurde zu meinem Dessert. Ich leckte, saugte und lutschte wie an einer Eiskugel, und Robert knurrte tief in der Kehle und stieß.
Zu spüren, wie er noch härter und größer wurde war erregend und faszinierend zugleich. Eine Hand hatte ich frei! Sie verschwand zwischen meinen Schenkeln und vergnügte sich in der heißen Nässe meines Schoßes.

Als Robert das sah, stieß er einen unwilligen Schrei aus und riss sich los. Er packte mich und warf mich aufs Bett.
„Zusammen!“, keuchte er, spreizte meine Beine und drang in mich ein. Seine sensiblen Finger suchten und fanden meine Perle.
„Jaaah!“, wimmerte ich. „Wundervoll!“
Und dann schlugen die Wellen der Lust über uns zusammen, begruben uns in Seligkeit. Schwer atmend klammerten wir uns aneinander fest, küssten und leckten uns das Salz von den Körpern.
Robert rollte sich von mir, lag nackt und wunderschön neben mir – eine einzige Aufforderung.

„Wir haben keine Zeit mehr!“, flüsterte ich bedauernd und stand auf. „Dort hängt der Smoking, zieh ihn an. Ich glaube er passt. Ich mache mich fertig.“ Dann verschwand ich im Bad. Ich hatte noch nie lange gebraucht, um mich hübsch zu machen, und so sprang ich schnell unter die Dusche, schminkte mich und kam nach einer halben Stunde in BH und Höschen zurück, das schwarze Paillettenkleid in der Hand.

Vor mir stand ein Traum von Mann! Am liebsten hätte ich ihm den Smoking wieder ausgezogen, aber das konnten wir später immer noch tun. Ich trat an meinen Schrank und griff zu einem anderen Abendkleid: Feuerrot, schulterfrei und sexy.
Robert lächelte zustimmend.

„Auf ins Abenteuer!“, lachte er. „Ich brauche noch Schuhe, oder soll ich barfuß?“
Ich trat zu ihm und küsste ihn. Gab es das? Liebe auf den ersten Blick. Gut, auf den zweiten! „Wo bist du nur die ganze Zeit gewesen?“
Er schüttelte den Kopf. „Frag nicht!“

Der Firmenchauffeur sagte nichts zu dem Mann in Socken an meiner Seite, aber er hielt ungefragt vor einem exquisiten Schuhgeschäft.

Mein Vater stand mit der obligatorischen ‚Cohiba‘ aus Havanna am großen Fenster und rauchte, als wir den Saal betraten. Doch, wir waren ein schönes Paar, die Blicke der Anwesenden zeigten es deutlich. „Daddy“ fielen die Augen aus dem Kopf und die Asche seiner teuren Zigarre auf den noch teureren Fußboden, als sich mein Penner vorstellte:
„Dr. Robert Wegener. Sehr erfreut!“

„Sind Sie nicht …“ Er stockte, runzelte die Stirn. „… der verschwundene Schönheitschirurg, der seine Familie verloren hat?“
Himmel, da war doch was – vor … fünf Jahren? Die Zeitungen waren voll davon gewesen.
Robert nickte. „Ich brauchte eine Auszeit, aber jetzt habe ich ja …“
„Lilli!“

„Eben!“

 

© Anna