Grablegung eines Schwans


Heiße Quellen

 

„Wenn ihr euch umgezogen habt, mein lieber Bruder, dann zeige ich euch ein Geheimnis unserer Gegend, das ihr bestimmt noch nicht kennt, aber vielleicht habt ihr ja von dem durstigen Hirschen gehört, der trinken wollte und unsere heiße Quelle fand? Dahin werde ich euch bringen!”

 

„Heiße Quelle? Was ist das?“, fragte er neugierig.

„So wartet einen Augenblick, ich muss Claris kurz versorgen, dann zeig ich es euch!“

Sie nahm ein Stück Brot, goss Joghurt in eine hölzerne Schale und legte fünfzehn Pflaumen dazu, dann ging sie ums Haus zu Claris.

„Liebling, ich muss dem Bruder noch unsere Quellen zeigen. Hier hast du zu essen. Wasser nimmst du dir selber, wenn du magst. Spiel einstweilen, und wenn du müde bist, dann kuschle dich in dein neues Sommerbett. Wir sind bald wieder hier.“ Sie gab der Kleinen einen Kuss und ging zurück zu Lorencz.

 

Dieser hatte sich inzwischen umgezogen und trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Welch ein Unterschied zum gesetzteren Bruder Cuno! Sie spürte, wie sie auf diesen neuen und jüngeren Priester reagierte. Wie lange war es her, dass sie Lust empfunden hatte? Es schienen Jahrzehnte zu sein – zumindest empfand sie es so. Nein, sie hatte es nicht vermisst, und jetzt, auf einmal, wusste sie nicht mehr warum nicht. Ihr alternder Körper hatte einfach abgeschaltet. Was man nicht hatte, durfte man auch nicht verlangen. Nun aber schoss die Begierde durch ihre Adern, und sie sehnte sich. Oh ja, sie freute sich auf diese Nacht mit Bruder Lorencz. Behutsam griff sie nach einem Krug mit frischem Wasser und dem Öllämpchen. Man musste im Wald vorsichtig damit umgehen.

 

„Kommt!“

 

Gemeinsam wanderten sie schon fast eine Stunde durch den Wald, als er es sah. Inzwischen war es zwar dunkel geworden, aber seine Augen hatten sich längst an die Dunkelheit gewöhnt. Das kleine Lichtlein der Öllampe war eher ein romantisches Glühwürmchen, als eine wirkliche Hilfe. Vor ihnen lag ein weitverzweigter Teich, aus dem dichte, weiße Dampfschwaden quollen. Lorencz blieb stehen. Der geheimnisvolle Wald, der glänzende See, die hell schimmernden Wolken und nicht zuletzt die schöne Frau an seiner Seite verunsicherten ihn.

„Was … was ist das?“, fragte er leise. „Es sieht aus … wie der Eingang zur Hölle!“

„Aber nein, mein lieber Bruder, es ist eine Gabe unseres Herrn und Gottes. Ich habe sogar sagen hören, dass unser allergnädigster Herr Kaiser und König Anspruch darauf erhebt! Man sagt, dass Wasser habe heilende Kräfte! Kommt, lasst uns noch ein Stück weitergehen. Hier, direkt an der Quelle, ist das Wasser zu heiß. Weiter vorne ist es angenehm, Ihr werdet sehen. “

 

Kurz darauf blieb sie stehen, legte das Fell von ihren Schultern ins Moos und begann, sich auszuziehen.

Dem Bruder stand der Mund offen. Hatte er doch schon ein, zwei anderen Frauen beigelegen, so hatte er doch noch keine vollkommen nackend gesehen. Verdammt, warum war es hier so finster?

Sie lächelte ihn an: „Wollt ihr nicht ablegen? Man kann nicht in vollem Ornat ins Wasser tauchen.“

Lorencz setzte sich hinunter. „Ich muss … brauche eine Pause vom Weg, und außerdem, seid Ihr sicher, dass man gefahrlos eintauchen kann? Was ist, wenn es einem die … Manneskraft raubt?“

 

Engelins Rock fiel und er sah ihre schlanken, bloßen Beine, und direkt auf Augenhöhe ein wundervoll schwarzgelocktes Wäldchen. Oh, er spürte diese Energie sehr deutlich. Kein Wasser, und sei es noch so heiß, würde ihm seine Männlichkeit nehmen können, da war er auf einmal sehr sicher. Und dann knotete sie ihr Oberteil auf!

 

Lorencz sprang auf und entledigte sich seines Skapuliers und des Habits. Wie alle Priester, trug auch er nichts darunter, und so konnte die junge Frau sehr deutlich sehen, wie sehr sie ihm gefiel. Lorencz wurde rot und ließ sich auf die Knie nieder, um seine Bundschuhe zu öffnen. So konnte er sich wenigstens vorübergehend ihren Blicken entziehen. Er aber sah ihre nackten Füße, schlanke Fesseln und wohlgeformte Waden.

 

Flink drehte sie sich um und stieg vorsichtig ins Wasser. Sie atmete hörbar ein. „Hu! Ist das heiß!“ Noch ein Schritt. „Jetzt … geht … es … besser!“ Langsam schritt sie tiefer.

 

Seine Blicke hingen an ihrem prall geformten Hinterteil, verfolgten, wie die hellschimmernde Wasseroberfläche scheinbar höher stieg, ihre Beine verschlang und ihre Backen umschmeichelte. Wie sich das wohl anfühlte, das heiße Wasser an ihrer Fotze?

Er stand auf und folgte ihr zögernd. Als seine Zehen eintauchten, schnappte er nach Luft, aber Engelin stand schon bis zum Bauch im Wasser. Es konnte also nicht so unangenehm sein. Behutsam stieg er hinein, blieb stehen um sich an die Hitze zu gewöhnen und tat dann einen weiteren Schritt.

 

Als sie sich umdrehte, blieb ihm förmlich die Luft weg.

Wie schön sie ihm erschien. Ihr schwarzes Haar fiel nun offen weit über ihre festen Brüste, teilte sich hier verlockend und gab dunkel schimmernde Spitzen frei. Ihre Taille war im Vergleich dazu fast kindlich schmal. Sie stand in der Finsternis, und doch sah er ihre Augen im winzigen Licht des Öllämpchens glänzen.

„Seid ihr …?“

Gerade in dem Augenblick, in dem er sich gefragt hatte, ob sie ein Engel sei, kam der volle Mond zwischen den Bäumen hervor und tauchte sie in ein unwirkliches Licht. Die heißen Quellen umgaben sie mit Nebelschwanden, entzogen sie zeitweilig seinen Blicken.

Vielleicht war er aber auch dabei, einem Dämon zu verfallen? Solche Schönheit konnte einfach nicht von dieser Welt sein.

Allerdings war Lorencz schon immer ein irdischer Mann gewesen, und während seines Studiums hatte er sich oft gefragt, inwieweit die Geschichten vom Höllenfeuer der Wahrheit entsprachen. Gar manches Mal sah er in den Augen seiner älteren und mächtigeren Mitbrüder eine spezielle Art Genugtuung, wenn sie hohe weltliche Herren mit Geschichten um ewige Verdammnis und Fegefeuer zur Räson brachten. Der Gedanke an diese Macht gefiel ihm, setzte aber wohl voraus, dass er sich nicht selbst im Netz von Schuld und Sühne verfing, wie so mancher kleiner Pater. Aber ihm würde das nicht passieren, denn er war zu Größerem geboren, da war er sicher.

Seine Blicke glitten über die nassglänzenden Brüste von Engelin. Er tauchte ins dampfende Wasser, ließ sich auf einem Polster nieder, das wohl mal ein Rasenhügel gewesen war. Langsam gewöhnte er sich an die Hitze. Eigentlich tat es ihm gut, hier in der Wärme zu sitzen und die schöne, nackte Frau zu betrachten. Engelin hob die Arme in die Luft und reckte sich hoch. Wunderschön!

 

„Heiß!“, seufzte sie genießerisch. „Ich liebe diese Bäder, aber wie geht es euch, mein lieber Freund?“

Er lächelte. „Es geht mir gut, meine Kleine. Es ist zwar eine ganz und gar neue Erfahrung für mich, aber sie gefällt mir sehr, und ich danke euch dafür!“

„Ihr solltet nicht allzulange da sitzenblieben, mein Pater, vorallem nicht bis zum Hals! Ihr sei das nicht gewöhnt. Wenn ihr mögt könnte ihr euch an den Rand setzen und einen Schluck frischen Quellwassers nehmen!“

 

Pater Lorencz stand auf. Der sanfte Wind kühlte seine Brust. Wunderbar! Langsam watete er zum Ufer und griff nach dem Krug. Das Wasser tat ihm gut. Er setzte sich an den Rand des Weihers und ließ seine Beine hineinbaumeln, dann legte er sich zurück und sah hinauf. Über ihm stießen die Baumwipfel zusammen und dazwischen sah er den Himmel. Er sah die Sterne, mehr als er je gesehen hatte. Wie entspannend es war hier einfach zu liegen, den kühlenden Lufthauch auf der Haut zu spüren und eine wundervolle Frau an seiner Seite zu haben. Er hörte es knacken und senkte den Blick. Sie kam auf ihn zu, trat neben ihn, ein Bein rechts, das andere links von seinen Knien – und sie lächelte verlockend.

 

Lorencz war völlig entspannt. Einen kurzen Moment fürchtete er um seine Potenz, aber da hatte sich ihr nackter Körper schon über seine Schenkel geschoben. Die Hitze ihrer Haut war ein reizvoller Gegensatz zu seiner Kühle – und dann spürte er ihren glühenden Schoß auf seiner Manneskraft und stöhnte laut. Das hatte er noch nie erlebt! Hatte er das nicht schon mal gedacht - letzthin? Diese Frau war ein Wunder. Sein persönliches Wunder – und er würde es einfach geschehen lassen!

 

Ihre Hände streichelten seinen Bauch, hinauf über die Brust, und dann stützte sie sich neben ihm ab. Ihr nasses Haar fiel über ihn, schuf so eine Verbindung zwischen ihren Gesichtern, die sie aneinander fesselte, und er versank in ihren Augen. Ihr Becken kreiste, ließ ihn ihre nassen Lippen spüren, die seinen Pfahl umkosten und zu völliger Stärke wachsen ließen. Seine Hände umfassten ihre Hüften und führten so zu einer noch tieferen Verbindung, aber immer, wenn er glaubte den Eingang gefunden zu haben, entwischte sie ihm. Wie unglaublich wollüstig sich das anfühlte. Er lachte, selig vor Glück und griff höher, massierte zwei wunderbare Brüste, zog sie näher und leckte, saugte eine der Spitzen in seinen Mund, doch genau da richtete sie sich auf, entzog ihm die Wonnekugeln. Er knurrte unwillig, doch dann spürte er, dass auch sein Schwanz sich zwischen ihren Schenkeln aufrichtete.

 

„Oh ja!“, stöhnte er, als er fühlte, wie sie ihn in ihren heißen Leib hineinschob. Lorencz ließ sie machen, hielt nur dagegen, fühlte ihr Rollen aus der Hüfte, genoss die sanften Bewegungen, die ihre heiße Scheide über ihn reiben ließ, seine Härte aufnahm und gleich wieder freigab. Er ergriff ihren Kopf, packte ihr Haar und zog sie herab. Ihre Lippen fanden und öffneten sich. Sie verschlang ihn - sie verschlangen sich gegenseitig. So hatte er noch niemals geküsst. Diese Frau war Wollust - Geilheit - Urgewalt, wie er es niemals erlebt hatte.

 

Er war sich durchaus im Klaren, dass er in diesem Spiel nicht der „Herr und Meister“ war, wie er es als Mann hätte sein sollen, aber es war ihm egal. Es war besser mit ihr, als es jemals vorher mit einer anderen gewesen war. Er musste nur genießen, und das tat er.

Lorencz betrachtet ihren schönen, nackten Leib, sah wie ihre Hand hinunterwanderte zu ihrer Verbindung und sich dort vergnügte. Und Engelin wurde schneller.

„Oh ja!“, stöhnte er und hielt mit.

 

Es war einfach wunderbar zu sehen, wie erregt sie war. Ihr Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei, stattdessen keuchte sie ihm abgehackt ihre Lust entgegen. Doch dann wurde ihr Stöhnen lauter. Auch er konnte nicht mehr ruhig sein. Er seufzte, ächzte, stöhnte, und brüllte ebenfalls seine Begierde heraus. Die Lust schüttelte ihn, und als er fühlte, wie sie sich um seine Männlichkeit zusammenzog, war es auch um ihn geschehen. Sie presste ihn aus, und er gab bereitwillig alles, was er hatte. War das gut! Er fühlte sich wie im Himmel. Nein, das war kein Werk des Teufels, es war Gottesgeschenk. Sie war ein Gottesgeschenk!

 

Engelin sank auf ihn. Doch, sie hatte ihn zufriedengestellt, da war sie sicher, aber auch sie fühlte sich satt, wunschlos und glücklich. Lorencz war der richtige, nicht nur, weil er ihr behilflich sein konnte, nein, er passte in jeder Beziehung. Sie küsste ihn zärtlich, und genoss seine Finger auf ihrer Haut.

„Lass uns hierbleiben, heut Nacht!“, flüsterte sie, und er nickte.

Momentan fühlte er sich nicht in der Lage, den weiten Weg zurückzugehen, aber dann hörte er ein furchterregend nahes Heulen und schreckte hoch.

 

„Keine Sorge, das ist Loona, eine schwarze Wölfin! Sie war schon meiner Muhme treu ergeben. Yrmell hat die kleine Welpe gefunden, als der Herr Großjägermeister ihre Mutter getötet hatte. Sie weiß, wem sie ihr Überleben verdankt.“ Engelin stand auf, griff nach ihrem Rock und holte ein Stück trockenen Fleisches hervor. Da war der Wolf auch schon da.

Lorencz versuchte sich hochzurappeln, aber Engelin hielt ihn fest. „Bleib!“, bat sie, und er ließ sich zurücksinken. Er sah wie sich die schöne, nackte Frau erhob und vor die Wölfin kniete. Hinter den beiden stieg der weiße Dampf empor. Was für ein Bild! Kurz schoss ihm wieder der Gehörnte ins Hirn, doch was er sah, wirkte nicht bedrohlich. Die Wölfin leckte liebevoll Engelins Hände und nahm vorsichtig das Fleisch aus ihren Fingern.

„Pass heut Nacht auf uns auf!“, flüsterte Engelin, und dann schmiegte sie sich zurück an Lorencz’ Seite und schloss die Augen.

 

Er würde über diese sonderliche Frau an seiner Seite nachdenken müssen, aber gewiss nicht mehr heute Nacht. Er fühlte es: Sein Herz hatte längst die Führung übernommen, und so zog er sie fester an sich: „Schlaf, mein Lieb!“, flüsterte er und war im selben Moment auch schon eingeschlafen.