Das Geschenk 1

 

Der Betrag, den mir die Kassiererin von der Kreditkarte hobelte, stand in keinem Verhältnis zu der Menge Stoff, die ich dafür erhielt. Sie war eine hübsche Wolke aus irgendeinem Duft, dessen Namen ich nicht kannte und den ich mir als Mischung aus einem Gesamtsortiment vorstellte. Unter anderen Umständen und wenn ich nicht frisch in Marie verliebt gewesen wäre, hätte ich mir von der Dame die Dessous gerne persönlich vorführen lassen. Ich floh vor ihrem Duft und stellte mir meinen Neuerwerb an Maries Körper vor. Von da an hatten die Frauen weder Gesichter noch Körper, sie waren Schatten, die den Weg freigaben.

 

Das Geschenk für Carla, Maries Tochter, war die größere Herausforderung. Was schenkte man einem Teenager, dessen Mutter man jetzt regelmäßig flachlegen wollte? Ich konnte ihr kaum Wollsocken mitbringen, wusste nicht, was für Musik sie hörte oder welche Bücher sie las. Ich kannte sie eher flüchtig, weil sie, wenig erstaunlich, besseres zu tun hatte als den neuen Stecher ihrer Mutter kennenzulernen. Die Verkäuferin, der ich mein Leid klagte sah mich an, wie man einen Mann ansieht, dem kein Geschenk für seine zukünftige Stieftochter einfiel, nämlich nicht einmal mehr mit dem Arsch bis wir dann doch in der Bücherabteilung angekommen waren.

 

„Wie alt ist sie?“

„Fünfzehn“, sagte ich schnell. Ich hatte keine Ahnung und bei den jungen Dingern erkannte ich bestenfalls, ob sie unter zwölf waren, aber ab da sahen die irgendwie bis Mitte zwanzig alle gleich aus. Man sah ja nicht so genau hin, falsche Zielgruppe.

„Hobbies?“

„Billard, Darts, was man im Pub halt so macht.“

Sie setzte ihrem Blick noch eins drauf.

„Sie! Klar! Äh, ja, also, was Teenager halt machen.“ Ich überlegte, was ich als Teenager gemacht hatte. Billard und Darts. Ich wollte hier weg.

„Das hier wird so ab zwölf oder dreizehn gelesen, nach oben eigentlich keine Grenze.“

Sie drehte sich um und machte mir klar, dass die Beratung hiermit beendet war.

Ich kannte die Autorin nicht, ich kannte den Titel nicht, es hatte viele Seiten und kostete einen Bruchteil der Dessous für Marie. Ich ließ es an der Kasse einpacken und war voller Zuversicht und bester Laune.

 

Carla begrüßte mich kurz und per Händedruck, bekam ihr Geschenk, dankte und verzog sich. Wie Marie mich begrüßt hatte, wusste ich nicht mehr, weil sie in meinen Armen hing und sich ins Schlafzimmer tragen ließ. Ich fiel über sie her, ihre und meine Kleider landeten auf dem Sessel, ein paar zumindest, die meisten daneben. Wenn wir bei ihr waren, musste ich sie die meiste Zeit küssen. Nicht nur, weil sie so gerne küsste, eher, damit Carla sie nicht hörte. Wir waren so wild, dass wir nach zehn Minuten eine erste Verschnaufpause einlegen mussten, ich musste zumindest.

„Ich hoffe, sie hat ihre Kopfhörer auf.“

„Wenn nicht, kennt sie spätestens jetzt meinen Namen.“

Sie boxte mir in die Seite. „Ich habe deinen Namen gerufen?“

„Irgendwas mit Gott war dabei, glaube ich.“

Der nächste Hieb landete in den Rippen.

„Das zahle ich dir heim.“ Ich tauchte zwischen ihren Beinen ab und ihre Hand auf ihrem Mund nützte ihr nicht das Geringste. Ein paar Mal, wenn es ihr zu intensiv wurde, versuchte sie, mich von sich zu drängen. Ohne jede Chance. Erst als sie deutlich hörbar gekommen war, entließ ich sie aus meiner Umarmung.

„Ich hoffe, ihre Kopfhörer sind schalldicht.“

Sie lachte lautlos, weil ihr Atem keinen brauchbaren Ton zusammenbrachte.

„Das könntest du bei Gelegenheit nochmal machen.“

Ich tauchte wieder ab.

„Nicht jetzt!“, sie lachte jetzt mit Stimme, setzte sich aber auf.

„Ich muss was trinken, willst du auch was?“

„Ja, dich.“

„So wie dein Gesicht glänzt, hattest du mich schon.“

„Wasser.“

Sie stand auf und ich sah ihrem nackten Hintern zu, wie er das Schlafzimmer verließ.

 

Als sie wiederkam, hatte sie eine Wasserflasche dabei und ihr Geschenk.

„Genau der richtige Zeitpunkt, es auszupacken“, fand ich.

Ich trank ein paar Schlucke und freute mich auf ihr Gesicht, wenn das Papier die edle Schachtel freigeben würde und die ihr Innenleben. Ich küsste Maries Hintern und ließ sie meine Zunge an ihrem Hintereingang abwehren.

„So kann ich es nicht öffnen, Finger weg.“

Ich legte mich auf sie und steckte ihr meinen Halbsteifen zwischen die Pobacken. Das schien ihr zu gefallen, verzögerte aber etwas das Öffnen des Geschenks. Sie seufzte noch einmal, dann hatte sie das Papier entfernt und wir blickten gemeinsam in ein hübsches Gesicht auf einem Buchcover.

„Aha“, war ihre Reaktion. Panik war meine. Ich sprang auf.

„Oh Scheiße!“, rief ich, dann rannte ich raus.

Als ich wieder zurückkam und meine Unterhose suchte, sah Marie mich verwirrt an.

„Das ist nicht für dich!“

Ich riss ihr das Buch aus der Hand und war wieder verschwunden.

 

Als ich quasi zeitgleich klopfte und Carlas Tür öffnete, stand sie vor ihrem Spiegel und betrachtete den viel zu großen BH und den halbwegs sitzenden String Tanga.

Ich stand vor einer halbnackten Teenagerin, in ihrem Zimmer, hatte eine Unterhose an und ein Buch in der Hand.

„Zieh das aus, bitte.“

Großartige Idee! Ich suchte Worte, wo nur Fettnäpfchen und Katastrophen waren.

„Ist sowieso zu groß!“, ranzte sie mich an und warf mir den BH entgegen.

Ich sah an ihr runter, eher, um ihr nicht auf die Brüste zu sehen, aber jetzt sah ich aus, als wartete ich nur darauf, dass sie weitermachte. Ein seegleicher Napf gefüllt mit Fett bildete sich und ich stand mittendrin.

Der String landete auf dem Boden vor mir und ich suchte die Verpackung, während ich bemüht war, Carla nicht anzusehen. Die Packung landete auf meiner Brust, das zerknüllte Papier flog hinterher.

„Danke. Tschuldigung!“ Ich legte das Buch auf ihr Bett und verschwand. Ich hörte, wie das Buch vor die Tür flog und versuchte den Krempel wieder in die Verpackung zu bekommen, während ich ins Schlafzimmer ging. Das musste eine von diesen Einwegverpackungen sein oder eine, die bei Männern nicht funktionierte.

 

Marie erhielt drei Geschenke. Einen perfekt sitzenden BH, einen String, in dem sie heiß aussah und eine leere Verpackung. Sie grinste.

„Ich hoffe, sie hatte das nicht schon an.“

Mein auf die Brust fallender Kopf beantwortete ihre Frage.

„Ich schätze, ich habe jetzt einen Fan nebenan.“

Sie lachte und streichelte meinen Kopf.

„Du hast hier einen.“ Sie tänzelte vor mir herum und brachte mich umgehend auf andere Gedanken, bessere.

 

Ich nahm mir vor, mich irgendwie bei Carla zu entschuldigen, hatte aber keine Ahnung, wie und vor allem, womit. Marie klärte mich auf, dass Carla zwar auch schon mal fünfzehn gewesen sei, aber vor einigen Jahren. Das half mir bei der Geschenksuche enorm. Ich wollte Marie zu einem Tipp zwingen, indem ich wieder zwischen ihre Beine abtauchte, aber nichts von dem, was sie in der kommenden Viertelstunde von sich gab taugte als jugendfreie Entschuldigung. Allerdings taugte es dazu, mich mindestens so in Fahrt zu bringen wie sie selbst und als ich sie von hinten nahm, war ich froh, dass das Bett nicht an der Wand zu Carlas Zimmer stand. Weil ich kurz davor war und glaubte, sie sei das auch, nahm ich sie so fest, dass sie sich mit den Armen am Kopfteil abstützen musste. Als sie die Kraft verließ, verlagerte ich mein Gewicht und drückte sie gefühlt mit jedem Stoß tiefer in die Matratze. Ein offenbar wesentlicher Bestandteil des Lattenrosts hatte mir nichts mehr entgegenzusetzen und wir landeten mit krachendem Soundtrack eine Bettetage tiefer.

 

Marie schrie auf, dann lachte sie, dann musste auch ich lachen.

„Du hinterlässt heute nur gute Eindrücke“, zog sie mich auf. Ich war nass geschwitzt, fix und fertig und musste der Liste heute angerichteter Katastrophen keine mehr hinzufügen. Den Weg zur Dusche wagten wir nackt. Marie stellte sich hinter mich, seifte mich ein und fing an, es mir mit der Hand zu machen.

„Das musst du nicht tun.“

„Wir werden heute zusammen auf einer Matratze schlafen und wenn ich das nicht tue, wird an Schlaf nicht zu denken sein. Purer Egoismus, also.“

Ich beklagte mich nicht, auch nicht darüber, dass ich auf die Fliesen spritzte. Marie stand nicht auf Sperma, zumindest nicht so sehr, dass es ihr was gab, wenn ich auf ihr kam. Sie fand es nicht schlimm, aber die Wand tat es eben auch. Der war es egal und mir auch.

Natürlich kam sie trotzdem nicht so bald in den Schlaf, weil ich sie solange leckte, bis sie wieder in Stimmung und mein Ständer mehr als willkommen war. Es wurde aber keine wilde Nummer mehr daraus. Wir waren etwas weniger aufgedreht und uns waren die Ersatzbetten ausgegangen.

 

Für eine Sekunde überlegte ich ernsthaft, Carla Kopfhörer zu kaufen, aber das wäre wohl eher das Gegenteil dessen, was ich ihr als Signal geben wollte. Was schenkte man einer Achtzehnjährigen? Und wieso war sie überhaupt auf die Idee gekommen, die Dessous könnten für sie sein?

„Weil es ihr gefallen hätte“, stellte Georg fest, als ich ihm beim Bier davon erzählte, „wie alt ist sie?“

„Achtzehn, bald neunzehn.“

„Na also. Was willst du als Achtzehnjährige?“

„Alter, wenn ich das wüsste, hätte ich ein Problem weniger.“

„Geliebt werden. Begehrt werden. Hormone in Dauerbewegung. Kommt dir nicht bekannt vor?“

„Ich war noch keine Achtzehnjährige.“

„Sie will einen Prinzen und für ein paar Minuten warst du einer.“

„Na, dann bin ich jetzt wohl ihr Prinz Valium.“

„Du bist ein Depp, aber es besteht noch Hoffnung. Wann hat sie Geburtstag?“

Ich musste in meinem Kalender nachsehen. „Nächste Woche, Mittwoch.“

„Kennst du ihre Klamottengrößen?“

„Woher …“

„Schon gut, finde sie raus.“

„Ich werde sie wohl kaum fragen können.“

„Darf ich davon ausgehen, dass die Dame mitunter bekleidet ist und sowas wie einen Kleiderschrank hat?“

„Schlägst du ernsthaft vor, dass ich ihr Dessous zum Geburtstag überreiche?“

„Ja, super Idee, vor allen anderen, damit sie merkt, dass man nicht im Boden versinken kann, egal wie sehr man es sich wünscht. Du Honk! Du wirst ihr zwei Geschenke machen. Ein Offizielles und eins, mit dem du die Welt wieder geraderückst.“

Ich war bedient und lud ihn zu seinem Bier ein.

 

Marie wollte bei mir schlafen, bis ihr neues Bett geliefert wurde. Also vergingen die Tage und Nächte mit einer sehr lauten Marie und einem standhaften Bettgestell, aber ohne Gelegenheit, an Carlas Größentabelle zu kommen. Marie fand Gefallen an meiner Zunge und meinen Lippen in und auf ihr. Ich ließ sie so oft auf meinem Gesicht kommen, dass sie mir irgendwann freiwillig einen runterholte, als ich über ihrem Bauch kniete. Ich stützte mich an der Wand ab und sah ihr fasziniert zu, wie sie mich dazu brachte, erst auf und dann zwischen ihren Brüsten zu kommen. Sie verrieb die Schweinerei nicht, aber als ich es machte, schien es ihr nichts auszumachen. Sie lachte eher darüber, wie sehr mir das zu gefallen schien.

„Es sind eher deine perfekten Brüste als das Sperma. Oder vielleicht die Kombination aus beidem.“

„Wenn das so ist, solltest du mich davon überzeugen, das nochmal zu machen.“

Ich überzeugte sie gleich zweimal, sparte mir die Belohnung aber für später auf. Es sollte sich ja lohnen.

 

Die morgendliche Dusche musste warten, weil Marie pinkeln musste. Sie beschwerte sich, weil ich dabei im Bad blieb und zwischen ihr und der Dusche stand.

„Dann geh wenigstens unter die Dusche, ich mag es nicht, wenn man mir dabei zusieht.“

„Wenn du die Spülung drückst, ist das kalte Wasser weg, ich kann also noch nicht unter die Dusche. Außerdem schuldest du mir noch was.“

Ich stellte mich vor sie und wippte aufmunternd mit meiner halben Erektion vor ihr rum.

„Das könnte dir so passen …“

„Gibt es eine bessere Gelegenheit als vor dem Duschen?“

Das schien sie zu überzeugen, weil sie ihr teuflisch schönes Lächeln aufsetzte. Sie sah atemberaubend süß aus, weil es ihr peinlich war, vor mir zu pinkeln und sie mir gleichzeitig ansah, wie mir ihre Hand an meinem Schwanz gefiel. Ich stellte mich direkt vor sie und legte ihr die Hände auf die Schultern, damit sie ihn zwischen ihre Lippen nehmen konnte. Ihre Zunge war vermutlich nicht sehr geübt, fühlte sich aber trotzdem phänomenal an. Es dauerte nur Minuten bis ich sie vorwarnte. Sie hielt mich direkt unter ihr Kinn und stellte so sicher, dass kein Schuss daneben ging und eine schöne Ladung an ihr heruntertropfte.

„Verreib es“, forderte sie mich auf und sah aus, als wollte sie mich gleich anfallen. Ich tat ihr und vor allem mir den Gefallen. Unter der Dusche brauchte sie einige Zeit und ihre Zunge, um mich wieder aufzurichten, dann nahm ich sie im Stehen und sah ihr dabei zu, wie sie in die Fliesen stöhnte.

Beim Frühstück klingelte ihr Handy. Das Bett wurde für heute zugesagt.

 

Carla freute sich aufrichtig nicht, mich zu sehen. Ihre Mutter jetzt auch wieder nachts bei sich zu haben und mich als Quelle für deren Geräuschpegel schien sie nicht zu überzeugen. Irgendwie verständlich. Wir weihten das neue Bett mit einer Neunundsechzig ein, an deren Ende ich vergaß, Marie zu warnen. Sie rannte ins Bad und spuckte aus, was ich in ihr hinterlassen hatte.

„Tschuldigung“, sagte sie, „ich kann das nicht.“

„Ich muss mich entschuldigen, wusste ich ja. Fühlte sich trotzdem Hammer an, so bis zum Ende in dir und deine Zunge und so …“

„Schmeckt nicht so schlimm, wie ich es in Erinnerung hatte.“

„Mehr?“

„Vergiss es.“ Sie lachte, also war alles gut.

 

Am Morgen musste Marie Carla zur Schule fahren, weil sie zu spät dran war.

Ich dankte dem Gott der Stiefväter für diese Gelegenheit und sah mich wie ein Schuljunge in ihrem Kleiderschrank um. Wenn ich ihr einen String kaufte, würde das nicht ihr erster sein. Sie hatte praktisch nur diese Dinger. Sehr sexy, aber in keinem davon steckte ein Zettel mit Größenangabe, wo auch?

Bei den BHs hatte ich mehr Glück und als ich mutiger wurde fand ich sehr weit hinten einen Slip konventionellerer Machart, der ein Schild beinhaltete. Der Aufdruck war von vermutlich tausenden von Waschgängen so verblasst, dass ich das Ding in alle Richtungen ins Licht halten musste. Wenn mich jemand dabei gesehen hätte … egal. Bei der Schuhgröße hatte ich leichtes Spiel.

Ich überlegte, was ich noch brauchte, fand mich aber bestens gerüstet für einen Einkauf.

Ihr Regal beinhaltete eine ansehnliche Zahl von Büchern, von denen ich einige kannte. Sowas wie den Duden, natürlich und Erving Goffman, „Wir alle spielen Theater“. Dass Carla Soziologie studieren wollte, hatte Marie erwähnt. Ich hatte meinen Anhaltspunkt und zog endlich los.

 

Die größte Buchhandlung der Stadt hatte mehr Bücher von Max Weber als der je geschrieben haben konnte.

„Ich nehme alle“, sagte ich und wollte a priori den Verlust meines Vermögens beklagen.

„Da sind verschiedene Ausgaben der gleichen Werke dabei. Braucht kein Mensch. Ich stelle ihnen mal was zusammen.“

Der Betrag war vierstellig. Ich bekam zwei Leibeigene, die mir beim Tragen halfen, nachdem ich eine Viertelstunde darauf gewartet hatte, dass fünf der sechs Kassen-Bediensteten die Bücher in Geschenkpapier gewickelt hatten.

Ich war der König der Geschenke und machte mich daran, der Kaiser zu werden.

In dieselbe Boutique zu gehen und etwas für eine andere Kleidergröße zu kaufen schien mir ein Garant für dumme Gesichter, also musste Georg ran. Er sah sich mit mir Dessous im Internet an und ich legte fest, dass dieser Tätigkeit künftig und für alle Zeit nicht mehr mit Freunden nachzugehen sei.

 

Georg erhielt klare Anweisungen: Ein Negligé, das ich ihr auch fast vor Zeugen hätte schenken können, weil es wirklich nett aussah und ein paar passende Hotpants, die ich schon für etwas zu gewagt, Georg aber für die neue Form der Unterhose hielt. Er erhielt Bargeld und zog ab. Beruhigende drei Biere später kam er mit einem gewohnt stilsicher verpackten Paket wieder und gab mir ein paar Münzen Wechselgeld. Ich sah ihn mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Vorwurf an.

„Teurer Laden, Prinz Valium. Die junge Dame wird sich nicht beschweren können.“

Die teuersten Geburtstagsgeschenke aller Zeiten landeten in meiner Wohnung und Marie abends in meinen Armen.

„Wo warst du heute? Was hast du gemacht?“

„Ich habe Carla was zum Geburtstag gekauft. Ist hoffentlich nicht übertrieben, aber ich schätze, ich habe was gutzumachen.“

Ich erzählte ihr von den Büchern, nicht aber von dem, was ich mit einer Erklärung überreichen würde. Als ich ihr verriet, was ich ausgegeben hatte, nannte sie mich einen Verrückten und fiel über mich her, als sei sie es, die gerade verrückt wurde. Dafür hatte sich das schon mal gelohnt.

Marie bestand auf der Wiederholung unserer Neunundsechzig. Ich schaffte es nicht, sie vor mir kommen zu lassen, dachte aber immerhin daran, sie vor meinem herannahenden Abgang zu warnen. Sie machte einfach weiter, brachte mich mit ihrer Zunge zum Abspritzen und saugte mich förmlich aus. Sie lief wieder ins Bad, ich hörte, wie sie spuckte und ausspülte.

Als sie wiederkam sagte sie nur „Hast du dir verdient.“

Ich war der Kaiser der Geschenke! Der Papst sollte sich vorsehen.

 

Carla war an ihrem Geburtstag nur mäßig aufgeregt. Es kamen nur zwei Freundinnen und wir ließen die drei mit Tee und Keksen in Carlas Zimmer verschwinden. Als die Damen weg waren, machte Marie ihr klar, dass ich auch noch ein Geschenk für sie hätte, es ihr aber nicht bringen könnte. Sie begriff es, als sie den Stapel sah, unter dem der Wohnzimmertisch zusammenzubrechen drohte.

Sie verlor die Geduld nach ein paar Büchern. Wir mussten beim Aufreißen helfen und sie war sichtlich erfreut.

„Das muss ein Vermögen gekostet haben!“

„Halb so wild“, winkte ich ab, „hab ja nicht alle Ausgaben gekauft, braucht kein Mensch.“ Ich war der coolste Geschenke-Kaiser aller Zeiten.

Ich bekam eine echte, wenn auch zurückhaltende Umarmung. Das hatte ganz gut funktioniert.

 

Mit meinem zweiten Geschenk musste ich warten, bis Marie am nächsten Tag arbeiten und Carla aus der Schule zurück war. Ich klopfte an ihre Tür, wartete diesmal auf ihr „Herein“ und war erfreut, sie angezogen und am Schreibtisch anzutreffen. Sie sah von einem der Bücher auf, die in Stapeln auf dem Boden lagen.

„Weber?“

„Wie hast du das erraten?“ Sie lächelte, nicht der schlechteste Anfang.

„Ich hab hier noch was für dich, wollte ich dir lieber persönlich geben. Quasi als Entschuldigung für den Fauxpas mit dem letzten Geschenk.“

Sie wurde rot und sah wieder auf ihr Buch.

„Das war ganz schön dämlich von mir, ich weiß.“

„Nein, es war eigentlich dämlich von mir und es ist dein gutes Recht dich über Dessous zu freuen.“

Meine Worte bewirkten das Gegenteil dessen, was ich beabsichtigte, ihr Rot schien sich zu intensivieren.

„Ich meine … ich habe … also ich hätte dir direkt welche geschenkt, wenn ich gewusst hätte, dass du damit was anfangen kannst … also nicht anfangen … ich meine … Scheiße! Ich rede mich hier um Kopf und Kragen. Was ich sagen will ist, du bist eine schöne Frau, jeder Mann sollte dir Dessous schenken und wenn du sie noch willst, dann habe ich hier was, was dir bestimmt steht, weil ich glaube, dass es zu dir passt. Such dir jemanden, dem du damit die Augen verdrehen kannst. Denn ich glaube, das wirst du. Ist nichts Ausgefallenes. Nimm einfach.“

„Danke. Auch für die schöne Frau.“

Ich trat die Flucht an.

 

„Willst du es sehen?“

„Will ich was sehen“, fragte ich, ohne von meinem Notebook aufzusehen.

„Dein Geschenk natürlich.“

Ich hob den Kopf, sah sie mit offenem Mund an und verlor auf der Stelle die Fassung.

Sie trug die höchsten High Heels, die ich je live an einer Frau gesehen hatte, Netzstrümpfe, die an Strapsen endeten, einen BH, der zwar hielt aber nichts bedeckte und weder String noch Pants noch sonst etwas.

„Und du findest, dass das zu mir passt?“

Georg war ein toter Mann und ich gleich auch.

„Ich kann das erklären.“

„Musst du nicht. Wenn ich überlege, was du meiner Mutter geschenkt hast, mache ich mir eher Sorgen, dass sie zwar laut aber nicht halb so versaut ist, wie du sie gerne hättest. Und das hier werte ich mal als den Versuch, mich zu überreden, die etwas versauteren Sachen mit dir anzustellen.“

Ich schüttelte in Zeitlupe den Kopf.

Sie kam auf mich zu und sah viel zu jung aus, um so sexy zu sein.

Ich hörte Marie vor der Tür, das war das Geräusch ihres Schlüssels. Carla konnte auf den Stelzen unmöglich schnell genug in ihr Zimmer laufen. Ich legte sie über meine Schulter, lief mit ihr in ihr Zimmer und stellte sie ab. Dass ich meine Hand noch an ihrem Hintern hatte, merkte ich erst, als ich mich umdrehte und wieder ging.

Ich begrüßte Marie und wir bereiteten das Abendessen zu. Ich war sehr erleichtert, dass Carla in geändertem Outfit dazukam.

Wir verloren kein Wort über das Geschenk aber ihre Blicke fraßen mich auf. Ich fragte mich, was ich oder eigentlich Georg angerichtet hatten.

 

© Joyce Cunnings


Das Geschenk 2