Gespräche beim Zahnarzt

 

Er ist süß. Ich freue mich darauf ihn wiederzusehen. Wirklich, er ist süß! So hübsche, grüne Augen! Und er flirtet hemmungslos mit mir - und ich flirte zurück. Es ist ja ganz und gar ungefährlich. Er ist mindestens 10 Jahre jünger als ich, wenn nicht 15.

Und nun habe ich mir ein Stück Zahn abgebrochen. Ich kann es zwar nicht sehen, aber ich kann es spüren. Ekelhaft. Also rufe ich an und habe einen eingeschobenen Termin - sofort! Nochmal Zähneputzen und neuen Lippenstift - und los!

Ich packe noch einen Wein ein - nicht für den schnellen Termin, denn der ist Dienst am Kunden - sondern wegen einer wirklich besonderen Hilfeleistung für mein Kind - vor längerer Zeit.

„Vielen Dank“, grinst er, „aber das habe ich wirklich gerne gemacht, und er hat es ja auch gebraucht!“

„Weiß ich doch, aber ein anderer hätte ihn zum Notdienst geschickt.“

Er nimmt die Flasche in die Hand, schaut sie an, lächelt dann mich an und fragt: „Wo gehen wir jetzt hin?“

Einfach süß! Ich sag’s ja.

„Mein Mann ist nicht zuhause. Zu mir!“ Ich grinse über das ganze Gesicht. „Das wollte ich schon immer sagen: Zu mir oder zu dir?“

Der Schalk springt ihm aus den Augen. „Zu dir! Bei mir ist bloß wieder der Vater!“

Habe ich erwähnt … die Sprechstundenhilfe ist ebenfalls anwesend bei diesem Gespräch.

„Also … was ist los?“

Ich gleite mit der Zungenspitze über die fragwürdige Stelle. „Ich glaube, ich habe mir da was abgebrochen, und das ist jetzt scharf!“

„Ach! Und es stört Sie, dass Sie scharf sind?“

Ich kichere. „Nein, das bin ich gewöhnt, aber ich fummle die ganze Zeit mit der Zunge dran herum!“

Er platzt gleich! „Aha! Sie fummelt die ganze Zeit mit der Zunge … Mund auf!“

Ich mache den Mund auf - gluckse aber immer noch.

Er kratzt mit dem Metalldings. „Ja, da muss ich wohl ein bisschen … drin rumbohren!“

Das eindeutig zahnärztliche Gespräche so zweideutig sein können!

Ich liege da, den Mund offen, und er bohrt, spritzt Kühlwasser. Sie saugt es weg, aber nicht schnell genug.

Ich schlucke.

„Offen lassen!“, kommandiert er. „Noch nicht schlucken! Ich bin noch nicht fertig!“

Mein ganzer Körper zittert vor unterdrückter Heiterkeit. Man kann verdammt schlecht kichern mit offenem Mund und einem Bohrer drin. Geht aber nicht anders.

Seine grünen Augen blitzen. „Moment! Ich muss erst noch polieren!“

Könnte ich reden, würde ich sagen, dass ich das jetzt wohl meinem Mann beichten muss, diese … sexuelle Belästigung! Kann ich aber nicht.

Er ist fertig. „So, jetzt schlucken und spülen!“

Ich verschlucke mich und spüle, spüre mit der Zunge die Stelle.

„Danke! Jetzt bin ich nicht mehr scharf!“

Seine Blicke streicheln mich. „Doch, sind Sie!“

Ich sag es doch: Einfach süß! Komisch! Ich mag Zahnarztbesuche nicht. Normalerweise!

 

© Anna