Der Cognac-Mann


„Idiot! Verfluchter Idiot!“

„Bitte?“

Der Herr vom Nachbartisch sah sie irritiert an. Hatte sie das gerade laut gesagt? Sofia schüttelte den Kopf. „Entschuldigen Sie bitte! Sie waren nicht gemeint!“

„Danke! Das tröstet mich, denn manchmal glaube ich doch …“

Jetzt musste sie lächeln. Diese sonore Stimme schmeichelte sich ins Ohr, und Humor hatte er auch.

„Wer ist er denn nun, dieser Idiot?“, fragte er und schob gleich hinterher: „Nein! Verzeihen Sie, das geht mich nichts an!“

„Mein soeben Ex gewordener Mann! Frau sollte nicht unangemeldet zu früh nach Hause kommen!“

„Oh!“ Mehr sagte er dankenswerterweise nicht. „Darf ich Ihnen einen Cognac anbieten - zum Trost gewissermaßen?“

Erst jetzt sah sie, dass er einen Cognacschwenker in der Hand hielt.

„Ich denke, ein Kaffee ist in diesem Fall … ungenügend!“

Er hatte recht, und bevor sie genickt hatte, hatte er dem Kellner schon ein diskretes Zeichen gegeben.

Was hatte er vor? Wollte er sie umgarnen? Wie er aussah, würde das nicht funktionieren. - So ein Quatsch! War sie jetzt irre geworden? Sie hatte ihn beschimpft, d.h. nicht ihn, aber er hatte, sensibel wie er war, die Wahrheit erkannt und versuchte nun, sie zu trösten. Nett! Es gab noch nette Männer!

Der Kellner brachte den Cognac, sie stürzte ihn hinunter, sprang auf und lief davon.

Unmöglich! Sie war einfach unmöglich!

 

 

                                                         ***

 


Diese große, schwarzhaarige, schlanke Frau gefiel ihm. Schon rein optisch war sie sein Fall, erst recht ihr Temperament. Natürlich war sie ganz offensichtlich tief gekränkt. Ihr Mann war wirklich ein Idiot! Wie konnte er diese Frau betrügen? Eric konnte sich nicht vorstellen, dass ihr eine andere Frau das Wasser reichen könnte, nicht einmal eine seiner Kolleginnen, die er reichlich auf dem Ärzte-Kongress kennengelernt hatte. Seine erste Reaktion war, ihr nachzulaufen. Er ließ es, aber er drehte sich um, sah sie an der Rezeption stehen und einen Zimmerschlüssel in Empfang nehmen.

Später! Später ist immer noch Zeit.


Nach einer halben Stunde trat er zum Portier.

„Die Lady, die gerade bei Ihnen eingecheckt hat … wir hatten gemeinsam einen Cognac - da drüben!“ Er zeigte zu den Sitzgruppen am großen Kamin. „Sie hat ihren Schlüsselbund liegenlassen. Ich würde ihn ihr gerne zurückgeben.“

Er schüttelte seinen Hausschlüssel. Etwas Besseres fiel ihm gerade nicht ein, aber es wirkte. Der junge Mann lächelte hilfsbereit.

„Frau Bernard hat Zimmer 353!“

„Danke!“ Eric ging zum Lift. Sie hatte ein Zimmer in seinem Stockwerk.

Nein, er würde noch nicht zu ihr gehen. Nicht heute! Sie würde auch morgen noch da sein. Er wusste, wie er sich gefühlt hatte - damals. Dabei war er nicht mal verheiratet gewesen. Morgen! Morgen würde er sie anrufen! Auch er würde morgen noch hier sein. Das hatte er soeben beschlossen.

 

 

                                                         ***

 


Sofia schlief schlecht in dieser Nacht. Immer wieder erwachte sie aus bösen Alpträumen. Ihr Mann spielte die Hauptrolle darin, er und seine kleine Schlampe. Vor ihrem geistigen Auge sah sie ihn als Hengst, sah, wie er seine blondgefärbte Tippse aufspießte - auf einem riesigen Horn! Steven, das Einhorn! Sie schüttelte sich. Bloß nicht mehr einschlafen.

So ein Idiot! Was musste er dieses Flittchen in ihr Haus mitnehmen? Konnte er nicht wie jeder andere fremdgehende, verdammte Kerl in ein Hotel gehen? Sogar dazu war er zu knauserig. Musste er sie in ihrem Ehebett bumsen?

Sofia wurde schlecht. Sie brauchte einen Schnaps und zwar schnell. Der Cognac-Mann fiel ihr ein. Er hatte gut reagiert. Nicht gefragt, sondern gehandelt - und das auch noch richtig. Aber dieses schüttere Haupthaar und der Bauch! Nein, sie brauchte keinen Mann, nicht, solange es eine Minibar gab. Und dieses Hotel verfügte über eine erstklassig sortierte Minibar! Fünf Stunden, zwei Horrorfilme, eine Schachtel Schlaftabletten und den Inhalt der Bar später schlief sie endlich, wenn das auch kein erholsamer Schlaf war. Er glich eher einer Narkose - irgendwie chemisch.

Gegen zehn Uhr erwachte sie. Sie fühlte sich wie gerädert, und sie hatte Durst.

Duschen, frühstücken und einkaufen!

Sofia war einfach geflohen - ohne nachzudenken. Kein Koffer, kein Nachthemd, kein Kleid, keine Schuhe, nicht mal Make-up hatte sie bei sich. Ihre Handtasche und den Wagenschlüssel, das war alles.

Aber was machte das? Seine Kreditkarte würde genügen!


Sie grinste böse bei diesem Gedanken. Oh ja, nun würde das Frauchen teuer werden. Mindestens genauso teuer wie sein Flietscherl. Sie ging duschen. Wenigstens gab es hier genügend exklusive Duschutensilien und sogar getönte Tagescreme, die allerdings ihre Augenringe nicht verdecken konnte. Sofia zog ihr gestriges Outfit wieder an.
Keine frische Unterwäsche! Igitt! Das würde er ihr büßen. Das auch!

Sie hatte solchen Durst! Kein Wunder! Die Minibar war leer. - Frühstück!

Büffet! Auch das noch! Normalerweise liebte sie Büffet. Heute nicht. Sie bestellte einen doppelten Espresso und ein großes Glas Wasser.

„Bitte sehr!“

Als sie aufsah, stellte ihr der Cognac-Mann ein Glas Kirschsaft vor die Nase.

„Trinken Sie das! Es wird Ihnen gut tun!“

Sie hatte Durst. Sie trank. Sie mochte es. Aber Kirschsaft war das nicht, obwohl es ähnlich schmeckte.

„Noch eines!“

Er drehte sich um und brachte ihr noch ein Glas.

Sie trank es in einem Zug aus. „Gut! Was ist das?“

„Karkadeh! So eine Art Tee-Sirup aus Ägypten - aus Hibiskus! Darf ich mich setzen?“

„Nein!“ Sie stand auf, holte sich eine Schüssel Joghurt, ein Croissant und noch ein Glas von dem roten Hibiskuszeug. Er stand immer noch da wie bestellt und nicht abgeholt, aber heute war ihr nicht nach Höflich. Sie ließ ihn stehen und begann zu essen. Sie würde zu Josephine gehen - in die Boutique. Ihre beste Freundin war Geschäftsführerin in einer der teuersten Luxusboutiquen an der Binnenalster. Das war nicht weit. Damit schlug sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie brauchte jetzt ihre Freundin - und sie brauchte etwas zum Anziehen.

 

 

                                                         ***

 


Als Sofia am Spätnachmittag in ihr Zimmer zurückkehrte, war ihr längst klargeworden, dass nur der gute Geschmack und ihr Stolz verletzt worden waren. Josephine hatte ihr zu dieser Erkenntnis und nebenbei zu einer wunderbaren, neuen Garderobe verholfen - auf Stevens Kosten.

Immerhin hatte er ihr nicht mehr das Herz brechen können, das hatten sie schon lange hinter sich. Trotzdem war sie immer noch verärgert. Die Gedanken ließen sie nicht los; sie rotierten in ihrem Kopf. Ein Karussell, aus dem sie nicht aussteigen konnte. Ihr Haus und ihr Ehebett! Er hatte es beschmutzt. Er hatte es ihr unmöglich gemacht, ihr Heim weiterhin zu lieben. Ihn liebte sie schon lange nicht mehr. Es war ja nicht das erste Mal, dass Steven sie betrogen hatte, aber das erste Mal, dass sie ihn in ihrem eigenen Bett erwischt hatte. Wie tief konnte man sinken?

Und jetzt diese zweckgebundene Bettelei. Ihr Handy war voll davon.
6:05 „Verzeih mir!
6:07 Ich liebe nur dich!
6:10 Es war doch nur ein Ausrutscher!
7:23 Nie wieder!
7:36 Ich tue alles für dich!
8:56 Verlass mich nicht!
10:17 Ich liebe dich doch so!“
Und dann wieder von vorne. Er nervte sie ohne Ende, und sie kannte ihn mittlerweile zu gut. Wenn er eine solche Gelegenheit bekam, dann nutzte er sie gnadenlos, und Gelegenheiten gab es viele. Aber auch sie hatte schon solch erotische Möglichkeiten gehabt - und noch nie genutzt. Sie hatte ihn geliebt, aber das war nun vorbei.

„Verdammt, hör auf damit!“, schalt sie sich. „Mach dich schick und geh hinunter essen!“ Aber ihr war nicht danach. Sie hatte keinen Appetit. Dann fiel ihr die Minibar ein. So eine Überraschung! Das reizende Zimmermädchen hatte wohl erkannt, dass sie derzeit nicht nur mit Minifläschchen zurechtkam. In der Bar lag eine gut gekühlte Flasche Champagner. Sofia nahm sich vor, ein gutes Trinkgeld zu geben und öffnete die Flasche. Schlechtes Gewissen hatte sie keines, schließlich war es schon lange nach fünf Uhr.

Sie hatte gerade die zweite Flasche bestellt, als das Telefon läutete - nicht ihr Handy. Es wusste doch niemand, wo sie war?

 

 

                                                         ***

 


„Hallo-oh?“

„Ich habe mir Sorgen gemacht?“

Hoppla! Diese sonore Stimme kannte sie doch!

„Wieso das denn?“, fragte sie.

„Ich habe Sie den ganzen Tag nicht mehr gesehen, nicht mal auf einen Cognac an der Bar! Und bei dieser Vorgeschichte …“

„Abgehakt!“, schnappte sie und hörte ihn lachen.

„Bestimmt nicht! Wenn ich diesen Tonfall richtig einschätze, würden Sie ihm am liebsten dem Hals umdrehen, was er bestimmt verdient hätte. Er ist ein Idiot!“

„Einen Moment!“ Sofia öffnete die neue Flasche, goss nach und trank das Glas auf einen Zug aus. „Woher wollen Sie das wissen?“

„Er hat Sie betrogen! Er MUSS ein Idiot sein! Eine Frau wie Sie!“

„Hmmm!“ Sie dachte nach. Wer war dieser Cognac-Mann? Eine sehr hohe Stirn und ein kleiner Bauchansatz fielen ihr ein. Kein Adonis, aber er war nett gewesen, hilfsbereit, und die Stimme und seine Augen … hatten ihr gefallen.

„Wissen Sie, was Sie tun sollten?“, fragte er.

„Was sollte ich tun?“

„Sie sollten sich revanchieren!“

„Mit Ihnen?“, schoss sie zurück.

So hatte er das nicht gemeint, aber nun … „Ja, ähhh nun … warum nicht?“

Sofia lachte trocken. „Und Sie betrügen Ihre Frau! Feine Revanche!“

„Ich bin nicht verheiratet!“

„Aha!“ Mehr brachte sie nicht raus. Meinte er, was er da sagte? Frechheit!

Sie drückte auf den roten Knopf.

Tut - tut - tut!

„Also wirklich! Männer!“

Wo war der Champagner? Als sie aufstand, schwankte sie. Sie hatte nichts gegessen. Wo waren … die Nüsse? Nein, die würden nicht genügen. Sie bestellte sich ein Sandwich - und aß derweil Nüsse.

Eigentlich hatte er recht, der Cognac-Mann. Sie sollte es ihm heimzahlen, diesem Mistkerl von Ehemann, mit gleicher Münze. Und der Telefonflirt war nett. Diese Stimme ging ihr wirklich unter die Haut.

„Blödsinn!“

Sie kannte ihn gar nicht. Was wusste sie von ihm? Dass er fremden Frauen Cognac servierte. Dass er eine Halbglatze hatte und eine unglaublich sexy Stimme. … und dass er sich um sie sorgte!

Als es läutete, nahm sie doch wieder ab.

„Verzeihen Sie! Ich wollte Sie nicht kränken.“ Er klang geknickt.

„Sie haben mich nicht gekränkt. Sie haben … vielleicht recht!“

Jetzt hatte sie ihm die Sprache verschlagen.

„Das heißt … Sie wollen mit mir …?“ Seine Stimme klang noch eine Nuance dunkler.

„Vielleicht!“

Es klopfte.

„Herein! Aber zuerst muss ich was essen. Bis dann!“

Sie legte auf und wandte sich ihrem Sandwich zu.

 

 

                                                         ***

 


Eric legte nicht auf. Völlig konsterniert starrte er sein Telefon an. Er hatte sie doch nur trösten wollen. Dieses Gespräch war sowas von schief gelaufen … oder vielleicht doch nicht? Stand er jetzt wirklich kurz davor, Telefonsex zu haben? Mit einer eigentlich fremden Schönheit? Und nun? Jetzt wollte sie essen? Wirklich? Er würde keinen Bissen hinunter bringen. Aber, aber, aber … er war jetzt schon so verdammt geil!

Würde sie wirklich …? Und wie lange musste er warten bis sie … gegessen hatte? Wann konnte er wieder anrufen? Was sollte er so lange tun? Sollte er duschen - vorher?

Unfug! Er brauchte nicht duschen. Es war „nur“ Telefonsex! Würde es Telefonsex werden und „nur“? Hallo? In seinem Kopf drehte sich alles. Was sollte er sagen? Er hatte noch nie … Wieso war ihm nur so mulmig? Ging es ihr ähnlich?

Sie war so eine umwerfende Frau! Und die wollte …

Verdammt! Er konnte nicht länger warten.

 

 

                                                         ***

 


„Hallo?“

„Ja, ähhh … ich bin’s, Eric!“ Er hörte sie lachen.

„Ach ja?“

„Spotten Sie nicht! Ich tue sowas zum ersten Mal!“

„Nein, ich spotte nicht. Ich freue mich, dass ich einen Freund an meiner Seite habe!“

Sie hatte ihn als „Freund“ bezeichnet! Eric fühlte sich … ausgezeichnet.

„Du bist so eine umwerfende Frau!“ Er hatte es gesagt, bevor er nachgedacht hatte, aber sie widersprach nicht. „Darf ich … darf ich „du“ sagen?“ Wieso war er nur gar so unsicher? Er, der Herr Chefarzt, stellte sich an wie ein pubertierender Teenie.

„Natürlich darfst du! Du darfst doch offensichtlich noch sehr viel mehr, oder?“

„Wie heißt du eigentlich?“ Das durfte alles gar nicht wahr sein. Er schickte sich an, mit ihr Telefonsex zu haben und wusste nicht mal ihren Namen. Trotzdem! Es fühlte sich richtig gut an. Geil! In seinem Bauch schwärmten Schmetterlinge. Hoffentlich hieß sie nicht Gertrud!

„Sofia!“

Er seufzte vor Begeisterung. „Wundervoll!“ Aber dann kam der Hammer.

„Bist du … nackt?“

Donnerwetter! Die Lady ging aber zur Sache. Er sah an sich hinunter. Das Hemd stand offen, ebenso wie seine Hose. Seine nackten Füße lagen auf dem Sessel gegenüber.

„Ja! Ich habe mich gerade … weißt du, als ich wartete!“

„Hattest es wohl eilig?“

„Hmm! Und du? Bist du schon … ausgezogen?“

Sofia lachte. „Noch nicht! Warte mal schnell!“ Sie legte das Telefon neben sich und stand auf. Ups! Beinahe wäre sie hingefallen. Mist! Sie hatte wirklich viel zuviel getrunken. Sie schnaufte laut. Sollte er denken, sie zöge sich aus. Wo war der Schal, der so schön knisterte? Ach da! Sofia hielt ihn ans Telefon und raschelte, dann ließ sie sich zurück aufs Bett fallen. „Hier bin ich wieder: Fast ganz nackt! Da ist nur ein Schal - zwischen meinen Beinen. Was nun?“

Eric zuckte mit den Schultern. Er hatte keine Ahnung. „Ich weiß es nicht!“, flüsterte er.

Sofia lächelte. Er war nett, einfach nur nett. „Kannst du … dich beschreiben?“, fragte sie ebenso leise. „Weißt du, ich kenne dich ja gar nicht. Wie siehst du aus?“

„Das weißt du doch!“, begehrte er auf. „ICH weiß genau wie du aussiehst! Du bist eine Schönheit!“

Sofia schnappte nach Luft. Das klang wirklich ehrlich.

„Du bist groß und schlank, elegant. Eine Lady! Dein Haar ist schwarz und glänzt wie eine tiefe Sternennacht. Du hast ein schmales Gesicht, die Augen sind dunkel und traurig, die Wangenknochen sind hoch und dein Mund …“ Er stöhnte. „Er ist weich und rot und groß - verlockend!“

„Du hast aber wirklich sehr genau hingesehen, und ich, ich weiß gar nichts von dir. Tut mir leid! Nur an den Cognac erinnere ich mich.“

„Das macht gar nichts. Ich bin nicht sehenswert!“

Meinte er, was er da sagte? „Lass das bitte mich beurteilen! Beschreib dich! Und bitte … nicht nur äußerlich!“

„Okay! Ich bin … schüchtern!“

Sofia lachte. „Na ja, wir haben unser erstes Date - und wir sind beide nackt!“

„Ich meine … normalerweise.“ Gut, weiter! „Ich bin leidlich intelligent, gebildet, wirtschaftlich erfolgreich, persönlich eher nicht. Ich bin allein. Groß, nicht allzu schwer, meine Haare sind dunkelblond, das heißt sie waren es, und meine Augen sind grau. Ich bin nicht George Clooney!“

Er war wirklich schüchtern. „Nein, du bist Eric, mein Cognac-Mann! Mein Freund. Einer der an meiner Seite ist, wenn ich ihn brauche. Wer will schon George Clooney?“

Sein Lachen tat ihr gut. Er tat ihr gut. Sie wollte ihm plötzlich helfen.

„Es gibt da schon noch ein paar Sachen an mir, von denen du nicht weißt, wie sie aussehen.“ Sie legte eine Pause ein und lauschte seinem Atem. War er schwerer geworden? „Meine Beine …“

„… sind sensationell!“, fiel er ihr ins Wort. „Ich habe sie gesehen!“

„Ja, aber meine Schenkel … sind lang und schlank und fest. Leicht gebräunt sind sie und … ich habe da ein Tattoo!“

„Echt jetzt? Wahnsinn!“, stöhnte er. „Wo?“

„Auf meinem rechten Oberschenkel. Ziemlich weit oben, vorne und … innen!“

„Was ist es?“

„Ein kleiner, kunterbunter Kolibri!“

Sofia hörte ihn Atem holen. „Ich kann mir vorstellen, wo er seinen Nektar findet! Da möchte ich auch … suchen und finden.“

„Dann fang an!“

„Wenn ich nur wüsste … gut! Ich sehe dich vor mir, meine Schönheit! Ich schaue dir in die Augen, erbitte deine Zustimmung. Meine Hände, meine Finger sehnen sich nach dir. Sie wollen dich berühren, aber ohne deine Zustimmung geht das nicht. Sag mir, dass ich sie berühren darf … deine wundervollen Beine! Sag ja!“

„Ja!“ Sofia war beinahe wie in Trance. War das nun der Champagner oder diese erotische Stimme?

„Ich streichle deine Knöchel. Sie sind so schmal, die Haut so weich. Deine Füße, ich mag Füße. Sind deine Zehennägel lackiert? Bestimmt sind sie das. Welche Farbe?“

Sofia hob ihr Bein, betrachtete ihren Fuß. Sie musste mal wieder zur Fußpflege! „Sie sind blau, dunkelblau!“ Das hatte sie schon immer ausprobieren wollen, es aber nie getan.

„Natürlich! Blau! Wie denn auch sonst? Metallic Blau, wie das kleine Vögelchen! - Meine Hand gleitet höher hinauf über deine Wade. Was für eine perfekte Rundung! Wie sinnlich sie sich in meine Handfläche schmiegt!“

Es war ihr, als könne sie Erics Finger spüren. Die Vorstellung, dass er sie lieben könnte, erregte sie, und sie schob den hochgerutschten Rock noch höher, legte ihre Hand auf den Kolibri, stellte sich vor, es sei seine Hand.

„Was tust du?“, fragte er.

„Ich spreize meine Schenkel - für dich!“, flüsterte sie und … tat es.

„Berühre dich, Sofia, bitte! Berühre dich … und stell dir vor, es sei meine Hand!“ Wie aufregend das war. Eric hatte nicht gewusst, dass ihn nur ein paar Worte so erregen könnten. Obwohl … es waren natürlich nicht nur Worte. Seine Hand war längst in seine Hose geschlüpft und hatte seinen Phallus umfasst. Er war geradezu unverschämt hart und genoss das sanfte Auf und Ab. Sollte er weitermachen? Mit ihr? Ganz sicher! Aber sollte er …? Einen Moment fasste er fester zu, rieb … zielgerichteter. Aber dann hörte er ihr Stöhnen. „Meine Fingerspitze ist angekommen. Wie hübsch bunt das Vögelchen ist. Ich streichle sein Gefieder. Es schaut mir geradewegs in die Augen, zwitschert, zeigt mir den Weg.“

Sofias Finger folgten dem Schnabel des Tierchens, berührten weiche Schamlippen glitten auf und ab.

Ich habe einen Schwips. Sonst würde ich sowas nicht tun!

Egal! Es fühlte sich so gut an. Ihre Fingerspitzen fühlten die warme Nässe, drückten fester, tauchten ein und drangen tiefer vor.

„Ich bin feucht, Eric! Du machst mich ganz nass!“ Sie hörte sein zufriedenes Lachen.

„Das ist der Nektar. Kleine Vögel brauchen diese Köstlichkeit und … ich brauche sie auch. Ich rücke näher, komme zwischen deine Schenkel, schmiege mein Gesicht dazwischen und atme tief … den unglaublichen Duft deiner Lust.“

„Ja …“, seufzte sie. „Ich kann deinen Atem spüren. Bitte, puste mal!“

Eric blies hörbar, und Sofia stöhnte.

„Das ist … geil! Diese Kühle auf meiner Feuchtigkeit! Nochmal!“ Sie stöhnte. „Lass mich … jetzt …! Leck mich! Lass mich deine Zunge spüren!“ Verflixt, hätte sie sich doch ausgezogen. Ihr Höschen war einfach zu eng um die Schenkel zu spreizen und dann noch ihre Finger drunter zu schieben. Schwer atmend zerrte sie an dem unerwünschten Stoff, riss ihn sich über die Beine hinab, um sich dann aufatmend zurücksinken zu lassen. „Schieb mir deine Zunge hinein!“ Ihre Finger arbeiteten synchron.

„Bist du nackt?“, fragte er. „Ich meine … bist du rasiert, da unten? Kann ich deine süße, glatte Muschi küssen, lecken, schmecken … hmmm, du schmeckst … köstlich! Atemberaubend!“

Von So-tun-als-Ob, war keine Rede mehr. Sie keuchten beide um die Wette. Längst hatten sie die Scham hinter sich gelassen, wollten - beide - nur noch Wollust, Geilheit und den goldenen Moment erreichen - schenken.

„Komm, Eric! Bitte!“, flehte Sofia. „Komm jetzt auf mich! Richtig! Gib mir deinen Schwanz! Schieb, schieb ihn hinein! Lass mich spüren, wie heiß du bist, wie geil ich dich mache!“

„Ja, Liebes, ja! Ich will ja! Ich will dich jetzt aufspießen, lieben, ficken! Spürst du mich - ihn? Jetzt, Sofia, jetzt! Jetzt … spritze … ich… in … dich. Jaaahhh!“

Er hörte sie stöhnen, wimmern, seufzen - und hoffte inständig, dass auch sie … glücklich war. Fragen würde er nicht!

 

 

                                                         ***

 


Eine lange Weile lagen sie schweigend beieinander, verbunden durch das Telefon, lauschten dem Atem des anderen.

„Liebes?“

„Hmmm!“

„Darf ich dich etwas fragen?“

Sofia öffnete die Augen. Bitte jetzt nicht diese unglaublich blöde, männliche Frage!

„Gehst du morgen mit mir zum Essen?“

„Gerne!“, seufzte sie erleichtert. „Morgen Abend um acht! Vorher bin ich nicht frei. Ich muss da noch … Verschiedenes erledigen, weißt du?“

„Natürlich, Liebling! Ich wünsche dir eine gute Nacht, und … könntest du mir einen Gefallen tun?“

„Jeden!“

„Leg du auf! Ich kann es nicht!“ Eric hörte ihr glückliches Lachen. Halb angezogen und mit dem Telefonhörer in der Hand schlief er ein. Diesmal hatte er das große Los gezogen!

 

 

                                                         ***

 


Als Sofia erwachte, war sie glücklich. Außerdem hatte sie Kopfschmerzen! Ging denn sowas? Beides gemeinsam? Normalerweise schloss das eine das andere aus. Dann fiel ihr Eric ein und sie lächelte. Vielleicht hatte ihr untreuer Mann ihr ja einen Dienst erwiesen.

Sie stand auf, schluckte ein paar Aspirin und ging duschen. Noch immer nackt griff sie zum Telefonhörer und traf ein paar Verabredungen, dann zog sie sich an.

Zuerst würde sie frühstücken, dann … der Termin beim Anwalt! Die kleine, blonde Tippse in ihrem Bett war der Tropfen, der ihr Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Sie würde sich scheiden lassen. Innerlich waren sie schon lange getrennt. Sofia würde die innere und die äußere Realität in Übereinstimmung bringen. Sie sehnte sich nach Zukunft.

Um halb elf Uhr hatte sie ein Date im hoteleigenen Schönheitssalon - und sie freute sich darauf. Wie lange hatte sie schon nichts mehr nur für sich selber getan? Heute war es soweit, und sie hatte vor Eric, all die Ansichten zu bieten, die sie ihm so delikat geschildert hatte.

Ihre persönliche Lustbarkeit begann mit einer Ganzkörpermassage. „Leider“ konnte man ihr nur einen Masseur bieten, denn man bedauerte, ihr sagen zu müssen, dass die Masseurin krank war. Sofia lächelte und akzeptierte. Die kräftigen Männerhände auf ihrem Körper taten ihr gut. Sie träumte vor sich hin und ließ ihn die Arbeit tun. Wunderbar erfrischt begab sie sich zum Brazilian Waxing.

Himmel, tat das weh! Sie fluchte in allen Tonarten und heulte und schrie dabei, brach es aber nicht ab. Ihre Freundinnen machten das regelmäßig, aber sie - war ein Neuling! Das Ergebnis war allerdings sehenswert. Sofia hätte nie gedacht, dass ihre Haut so weich sein könnte. Hoffentlich war die Rötung bis zum Abend wieder verschwunden!

Danach gönnte sie sich ein Glas Champagner und einen Imbiss. Es folgte der nächste Punkt auf ihrer persönlichen Tagesordnung: Maniküre und Pediküre. Auch das waren Genüsse, die sie sich normalerweise nicht gönnte. In diesem Fall aber … Sie musste sogar eine Hotelangestellte in die hauseigene Parfümerie schicken, um den passenden Blauton herbeizuzaubern.

Inzwischen war es Nachmittag geworden und Sofia begab sich zum Coiffeur! Spitzenschneiden, Pflege und Föhnen. Dazu einen Cappuccino und unkeusche Träume von einem ziemlich Fremden! Sie freute sich auf den Abend mit ihm. Trotzdem! Immer wieder fragte sie diese innere Stimme, ob sie das denn wirklich tun sollte, und immer wieder brachte sie diese dämliche Stimme energisch zum Schweigen. Der Cognac-Mann hatte sie getröstet und ihr Selbstbewusstsein aufpoliert - gerade in dem Moment, in dem sie es nötig gehabt hatte. Nein, sie würde das nicht aufgeben! Nicht jetzt!

Das Prickeln in ihrem ganzen Körper, die Vorfreude, all das waren Gefühle, die sie schon so lange entbehrt hatte. Sie würde diese Lust genießen, die diesmal nicht bloßer Sex war, weil man eben Sex hatte. Diesmal würde es mehr sein. Das Vergnügen, den Partner zu entzücken, den Willen, Glückseligkeit zu schenken - ja vielleicht sogar Liebe! Allein der Gedanke an diese Möglichkeit ließ sie erschauern. Sie betrachtete sich im Spiegel, sah sich durch seine Augen und fühlte sich schön! All das gab ihr das Gefühl, ein anderer Mensch zu sein, eine neue Frau. Das weit schwingende, blaue Sommerkleid aus Josephines Boutique tat ein Übriges.

 

 

                                                         ***

 


Als sie ihm abends vor dem Restaurant gegenüberstand, traute sie ihren Augen kaum. Eric im dunklen Anzug! Er war um einiges attraktiver, als sie geglaubt hatte. Der Bauch, den sie in Erinnerung hatte, war wohl einer ungünstigen Haltung in den tiefen Sesseln geschuldet und die hohe Stirn, nebst Silberschläfen gefielen ihr sehr. Er reichte ihr schweigend eine rote Rose, und sie küsste ihm die Wange. Ein angenehm herber Duft umschmeichelte ihre Nase. Die Chemie zwischen ihnen stimmte.

Eric hatte einen Tisch am Fenster reserviert.

„Was möchtest du essen?“ Er schlug die Karte auf. „Milchlamm? Angus-Rind oder lieber Fisch?“

Sofia lächelte. „Vielleicht lieber etwas, das mich nicht mit großen Augen anschauen könnte!“

Eric bestellte Gemüselasagne! Ihr Ex wäre niemals auch nur auf die Idee gekommen. Eric wollte ihr gefallen und das entzückte sie. Sie plauderten den ganzen Abend lang fast wie alte Freunde, nur ab und zu entstand eine kleine Pause, in der beiden bewusst wurde, dass da noch mehr sein könnte.

„Möchtest du … nachher noch einen Cognac?“ Eric sah angelegentlich auf die Speisekarte. Sofia wusste, was er eigentlich wissen wollte.

Sie lächelte. „Wirklich nur Cognac?“, fragte sie mit kokettem Augenaufschlag.

„Alles, was du willst! Alles, was du mir … schenkst!“

„Was?“, fragte sie. „Was genau hättest du gerne?“

Eric wurde rot. „Verzeih mir, aber ich bin ein Klops und ziemlich … ungeübt! Ich bin es nicht gewöhnt, darüber zu reden. Sex mit meiner Ex war still und finster, aber ich bin lernfähig!“

„Gut! Denn du hast wohl einiges verpasst!“

„Ich würde gerne …“ Er amtete tief. „… dein Vögelchen … sehen!“

Sofia schmunzelte. „Was wolltest du eigentlich sagen?“

Eric wurde noch röter.

„Was?“

„Ich würde gerne dein Vögelchen … vögeln!“

„Du bist süß“, flüsterte sie, „… und mein Vögelchen … steht dir zur Verfügung!“

„Brauchen wir einen Nachtisch!“ Er war wirklich lernfähig.

Sofia schüttelte den Kopf und stand auf. „Komm, mein Cognac-Mann!“

 

 

                                                         ***

 

 

Eric folgte ihr schweigend durch das Hotel, und als er sie in ihrem Zimmer zum ersten Mal in seine Arme nahm, wurde ihr die Luft knapp. Ganz langsam zog er sie an sich, ließ ihr Zeit zu einer Reaktion. Aber Sofia ließ zu, dass er sie hielt, ihr mit einer Hand das Haar aus dem Gesicht streichelte und langsam näher kam. Als sie seine Lippen zum ersten Mal spürte, war ihr, als träfe sie ein Blitz. Ihr ganzer Körper erschauerte, und sie schmiegte sich an ihn. Eine lange Weile standen sie eng umschlugen, knutschten wie Teenager.

 

Wie wunderschön das war. Die Sehnsucht stieg und stieg, und als die Flut ihren Höhepunkt erreicht hatte, zog Sofia ihm das Sakko aus, drehte sich um, öffnete ihr Kleid und ließ es fallen.

 

„Schööön!“

 

Sofia in dunkelblauem BH und Höschen. Aufregend sexy. Eric stieg aus seiner Hose. Als sie ihren Fuß auf das Bett stellte, sah er es: Das Vögelchen. Er sank auf die Knie, streichelte ihren Schenkel und betrachte das Kunstwerk. „Aufregend“, hauchte er und drückte seine Lippen in ihr Fleisch.

 

Sofia ließ sich aufs Bett sinken und hob ihr Becken, sodass er ihr Höschen ausziehen konnte. Seine fassungslosen Blicke auf ihre bloße Scham ließen sie den Schmerz der Prozedur vergessen. Sie war glücklich.

 

„Weißt du, ich glaube, mein Mann hat mir zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wirklich einen großen Gefallen getan!“ 

 

© Anna