Vielseitig




 
Als Andreas klingelte, machte ihm eine entzückende, leicht echauffierte Rothaarige auf, und Karsten, der 13-jährige Sohn seiner Gastgeber, zog sie am Shirt.
 
„Kommst du, Lorchen? Die Suppe ist doch schon fertig!“
 
Sie zuckte entschuldigend die Schultern und verschwand in der Küche. Irgendwie kam sie ihm bekannt vor, aber bevor er drauf kam woher, stand Peter vor ihm, sein Arbeitgeber, Freund und Gastgeber. Peter war Anwalt wie er, und er wollte ihm heute Abend die Partnerschaft antragen. Es gab da allerdings einen Haken: Ein Partner der Kanzlei hatte verheiratet zu sein.
 
„Ah, du hast Lore, unser Kindermädchen, schon kennengelernt. Ich weiß nicht, was wir ohne sie täten – außerdem steht sie kurz vor dem Examen. Sie und die Kinder sorgen übrigens heute Abend für das Menü. Stell dir nur vor, sie bringt unseren Söhnen das Kochen bei! – Komm doch rein!“
 
Andreas war beeindruckt. Eine schöne Frau, Juristin, die kochen konnte und mit Kindern umgehen! Das wäre doch eine passende Ehefrau gewesen, wenn da nicht seine spezielle Neigung gewesen wäre.
 
Als sie sich zu Tisch setzen, fluchte er lautlos vor sich hin. Warum musste Peter ihn erinnern? Oder war es wegen der Rothaarigen …? Er beobachtete wie sie geschickt die Suppe servierte, und ihm fiel der gestrige Abend ein.
 
Andreas war bei Lady Loretta gewesen, und als sie ihm die Türe geöffnet hatte, trug sie kein weißes T-Shirt und Jeans wie Lorchen. Sie hatte eine umwerfend enge, schwarze Lederhose und eine Korsage an, die ihre Brüste präsentierte. Ihr schwarzes Haar war zu einem seitlichen Zopf geflochten, und die Maske brachte ihre grünen Augen zur Geltung. Die Stiefel mit den High Heels waren geradezu atemberaubend.
 
„Und? War mein Andreas diese Woche auch folgsam?“, fragte sie mit soviel Autorität in der Stimme, dass er eine Gänsehaut bekam. Er schüttelte den Kopf und wusste in diesem Moment wirklich nicht, ob er vor Angst oder Gier zitterte.
 
„Zieh dich aus!“, hatte sie befohlen, und er hatte gehorcht.
 
Die Leberknödelsuppe schmeckte ausgezeichnet. Was die Kinder hier lernten, war geradezu genial. Er wollte, seine Mutter hätte ihm Kochen beigebracht, aber wie sollte sie? Sie konnte es selber nicht! Andreas lobte die Brüder, die mit „Lorchen“ den Schweinebraten auftrugen.
 
Als sie seinen Rücken streifte, fiel ihm Lorettas Lederpeitsche ein. Sie hatte seinen nackten Leib gestreichelt, und dann hatte die Domina seine Hände in weitem Abstand an einer Stange fixiert.
 
„Dein Saveword ist Karman Ghia!“ Als er nickte, zog sie die Vorrichtung hoch, befestigte die Fußgelenkmanschetten und spreizte seine Beine.
 
Die Knödel waren ebenso köstlich wie der Braten. Andreas stieß mit Peter an.
 
„Auf unsere Zusammenarbeit! Du kriegst das hin!“, erklärte sein Freund augenzwinkernd, aber er selber war da nicht so sicher. Nicht mal hier, angesichts Peters Ehefrau, der Kinder und des Kindermädchens, hatte er sich im Griff.
 
„Was hast du getan?“ Ihre sinnlich-strenge Stimme drang unter seine Haut.
 
„Ich habe … masturbiert!“
 
„Bitte? Du hast was, du Ferkel?“
 
„Ich habe … gewichst!“
 
Der erste Schlag über seine nackten Hintern war wie Weihnachten! Schon immer waren in seiner Empfindung Schmerz und Lust zusammengefallen.
 
Nachdem Lore die Bayrische Creme serviert hatte, setzte sie sich Andreas gegenüber. Wirklich eine Schönheit! Der sinnliche Mund, die grünen Augen, umrahmt von dem roten Haar… und wie sie lächelte!
 
Loretta lächelte nie. Sie strafte!
 
Peter holte seinen besten Cognac und grinste. „Weißt du, Lore kann dich später heimfahren. Sie wohnt in deiner Gegend!“
 
Andreas lächelte. Ob „Lorchen“ wusste, dass sie verkuppelt werden sollte?
 
„Aber natürlich!“
 
Vielleicht wusste sie es.
 
„Ich habe einen Karman Ghia!“
 
Andreas wurde heiß. Dass er den Cognac auf der Hose hatte, bemerkte er erst, als „Lorchen“ seinen Ständer rieb.
 
 
 
 
 
An Andreas’ Hochzeitstag verlor Peter ein erstklassiges Kindermädchen.

 

© Anna