Black House

Lady H. war fix und fertig. Diese Wortgefechte erschöpften sie mehr und mehr. Ihr Gegner war ein Prolet, ein Neureicher schlimmster Sorte. In ihren Kreisen hatte man nur Verachtung für ihn übrig. Dennoch war er so weit gekommen, dass er ihr nun wirklich gefährlich werden konnte. Dieser unsägliche Mensch, für den Frauen nur schmückendes Beiwerk waren, das man nach Lust und Laune benützen konnte! Sie hatte sein „Statement“ gehört. Wie dämlich konnte man eigentlich sein, sich bei solchen Sprüchen erwischen zu lassen? Na gut, „lassen“ war vielleicht übertrieben, denn das war ja eher ungewollt geschehen.

Irgendwie verstand sie ihn. Niemand konnte immer auf der Hut sein. Manchmal wollte man nur Privatperson sein! Nur erwischen lassen durfte man sich nicht. Er genausowenig wie sie, aber heute Nacht musste sie es einfach tun. Sie platzte vor Nervosität. Sie brauchte es jetzt!

Jeder in Washington wusste vom „Black House“. Jeder kannte und nützte es. Dort war man sicher. Man war privat – und konnte verbotene Wünsche ausleben. Tat man es woanders, dann hatte man ein Amtsenthebungsverfahren am Hals! Hätte ihr Mann sich nur daran gehalten! Dass ihr idiotischer Gegner sich nicht immer daran hielt, das konnte ihr nur recht sein. Sie war vorsichtig, aber heute musste sie trotzdem … Die Unsicherheit war unerträglich, also klickte sie auf die "schwarzen Seiten".

Ob heute etwas im Angebot war? Etwas das ihr taugte? Jemand, der ihren speziellen Bedürfnissen Rechnung trug, die, von denen keiner jemals erfahren durfte?

Und dann stand da: „Mein geheimer Zwilling hat zum letzten Mal Ausgang! Sie will sich fallenlassen, genommen werden und benutzt? Nur heute Nacht…“ und ehe sie nachgedacht hatte, hatte sie zugesagt. Auch „Diane“ würde heute Nacht Ausgang haben – ihr „geheimer Zwilling.“

Sie teilte dem Personal mit, dass sie nicht gestört werden wollte und begab sich ins 3. Untergeschoss.

Eigentlich war sie zu alt für das dünne, weiße Kleidchen, auch um völlig nackt darunter zu sein – doch das gab ihr den Kick - und die Maske die Sicherheit, die sie brauchte! Sie bestieg die führerlose U-Bahn, die nur ein Ziel hatte: Das „Black House“. Wie weitverzweigt dieses U-Bahnnetz war, wusste niemand. Es gab zwei Wagons – immer! Einen sehr luxuriösen, und einen, der eigentlich nur ein paar seltsam verkrümmte, hölzerne Sitzgelegenheiten enthielt – für Männer und Frauen. Sie nutzte letzteren! Das Gerüttel der schnellen Fahrt brachte sie in Stimmung. Als sie ankam, lief die Gier ihre Beine hinab.

Wie sie es machten, sie hatte keine Ahnung. Niemals hatte sie jemanden anderen in diesem Etablissement gesehen, als den gewählten Partner, und das war ihr sehr recht. Der Raum, dem sie zugestimmt hatte, glich einem Klassenzimmer der 50ger Jahre, und noch war sie allein. Sie setzte sich züchtig in die erste Reihe, aber bevor sie zum Denken kam, öffnete sich die Tür.

Der Mann, der eintrat, kam ihr seltsam bekannt vor. Groß, bullig, maskiert und in schwarzen Gummi gehüllt. Seine blonde Mähne irritierte sie, aber er hatte sie schon erreicht, hochgezogen und eine Hand zwischen ihren Schenkeln versenkt. Das tat er gewiss nicht zum ersten Mal – und sie stöhnte laut vor Wollust. Er drehte sie um und drückte sie bäuchlings auf das Pult.

„Du weißt doch, wie ich es mag!“, schnarrte er und griff sich ihre schwingende Brust, während seine Finger sie fickten. Dieser Tonfall! Plötzlich wusste sie, wer der Mann war, der soeben seinen Schwanz in sie bohrte, und sie heulte auf in wilder Geilheit!

Morgen würde sie triumphieren! Sie würde siegen, aber heute …

Es war jedes Mal anstrengend gegen ihn anzutreten. Heute würde es befriedigend sein, denn er war genau ihr Fall, und so stöhnte sie lüstern kichernd:

„Fick mich, mein degoutanter Donny!“

 

© Anna