Mittagspause

 
Es bimmelte.
Wieso bimmelte es in seinem Sprechzimmer?
Nein, das musste ein Radio sein. Es war eine Melodie – ein Rapp.
Dottore Edmondo Fiorentini sah sich um. Sein Schreibtisch war aufgeräumt und beinahe leer – wie immer. Trotzdem war da dieses Lied, das er und seine Frau gesungen hatten, damals, nachts im Auto.
"Can you meet me halfway, right at the borderline?
That's where I'm gonna wait for you"

In der Schublade lag ein Handy - nicht seins.
Als er abhob, hörte er:
"Ooh, I can't go any further than this
Ooh, I want you so badly, it's my biggest wish."

Ihm wurde heiß. Er würde jetzt Mittag machen - sofort.
Irgendwie war in seinem Kopf das Gespräch von damals aufgetaucht. Sie hatten erotische Wünsche ausgetauscht, und er hatte sich verraten. Einmal eine Fremde treffen, bei der es funkte. Seine Wünsche nach Füßen und Schuhen erleben zu können …

Aber wo … wo war die „Borderline“?
Früher hatten sie sich immer an der Fontana di Trevi getroffen.
Der Weg war nicht weit, aber mit jedem Schritt sank seine Hoffnung.
So ein Blödsinn.
Wer konnte wissen, wer das Handy vergessen hatte?
Aber in seinem Schreibtisch?
Seine Arzthelferin hatte kein „Wegwerf-Handy“.
Die hatte ein I-Phone, wie seine Frau.
Aber die würde doch nicht …
In seinem Kopf sang es: „I want you so badly, it's my biggest wish.”

Niemals! Seine Libera würde nicht … würde sie nicht? Sie war 37, bildhübsch, im Job erfolgreich und im Bett eine Granate – nur … manche Dinge machte sie nicht. Vielleicht auch deshalb, weil sie sich nicht vorstellen konnte, dass er …

Edmondo würde es abwarten. Er bestellte Espresso in der Eisdiele. Der Platz war voller Touristen. Hübsche Frauen, aber Libera war nicht dabei. Da blieb sein Blick an einer jungen Frau hängen, die sich gerade ihm gegenüber an den Rand des Brunnens setzte und ihn ansah. Groß, bildhübsch und hätte sie nicht eine lange, blonde Löwenmähne gehabt, hätte er gedacht …, aber seine Libera würde niemals so herumlaufen.

Die blonde Löwin trug ein sehr kurzes, geradegeschnittenes Sommerkleidchen, ärmellos. Es reichte bis knapp über den Po, wurde aber dann von 25 cm weißen Fransen verlängert, die sich zwischen leicht gespreizte Schenkel schlängelten. Außerdem war die Lady barfuß, also! Trotzdem kehrte sein Blick immer wieder zu ihr zurück. Sie war einfach … heiß – und sie lächelte ihn an – herausfordernd.

Als sie aufstand, folgte er ihr. Wie sexy sie sich bewegte – entlang der Via del Corso, bis sie plötzlich links abbog. Sein Herz schlug einen Trommelwirbel. Da ging es doch … LOUBOUTIN … und sie ging nicht vorbei, sie ging hinein – in seinen Laden! Eine Touristin? Würde sie …? Sie versank graziös in einem der blauen Sessel und deutete mit dem Finger. Als er das Modell sah, dass Tolomeo in Händen hatte, musste er hinein. Amazoulo Gladiators! Er musste!

Wortlos nahm Edmondo ihm die Schuhe ab und kniete vor ihr nieder. Goldene Haut, rote Lippen - und grüne Augen strahlten ihn an. Nicht Liberia! Die hatte blaue! Behutsam umfasste er ihren Knöchel und hob den zierlichen Fuß in die Sandalette. 10 cm Absätze! Ihr Knie hob sich, fiel zur Seite, und durch den Fransenvorhang sah er … Edmondo schnappte nach Luft.

Während seine Blicke ihre glattrasierte Muschi verschlagen, band er die Riemchen. Sie lächelte – und dachte nicht daran ihre Schenkel zu schließen. Dann stand sie auf, lief hin und her, wechselte ein paar Worte mit Tolomeo und verließ den Laden.
Als er hinterher wollte, hielt Tolomeo ihn auf.
„Die Lady sagte, Sie wären so gut, Dottore!“

1,102.00 Euro

Er zahlte lächelnd.
Seine Liberia konnte sich vielleicht rasieren und ihn damit völlig aus der Fassung bringen. Sie konnte Haar und Augenfarbe ändern.

Ihre Füße würde er immer und überall erkennen!

 

© Anna