Alter Freund

Für ... den Schmerz eines Freundes




© BvS

 

Ich kenne dich nun schon mein ganzes Leben,

und zuerst war es nur so eine Art zufälliges Nebeneinanderher.

Du warst halt immer da,

aber ich wusste gar nicht so recht, was ich mit dir anfangen sollte.

Irgendwann erkannte ich,

dass deine spontane Standhaftigkeit durchaus Spaß machen konnte,

und so wurden wir Freunde - mehr als das: Wir wurden eins!

Nein, du hast meistens nicht das gemacht, was ich wollte,

und dein Geschmack … na ja, manchmal war der schon etwas schräg!

Irgendwann bemerkte ich dann, dass ich dich überlisten konnte

… und auch wie.

Trotzdem:

Deine ständige Präsenz, deine Besserwisserei –

sie ging mir zwar oft auf die Nerven,

andererseits war die Berechenbarkeit,

mit der du in gewissen Situationen Gewehr bei Fuß standest, irgendwie beruhigend.

Du, mein aufrechtes Ich!

All die Jahre, die wir zusammen verbrachten, sind wunderbar gewesen,

auch wenn wir oft nicht einer Meinung waren.

Gerade dieser, dein Eigensinn hat mir viele glückliche Momente geschenkt.

Und nun habe ich mich verloren - mit dir!

Diese hässliche, furchterregende Krankheit hat mich dein Leben gekostet.

Du bist zwar noch da - aber auch wieder nicht -

liegst im Koma … und warum lebe ich weiter?

Mein Leben hat sich mit dir erledigt,

denn ich war daran gewöhnt, mich durch dich zu definieren.

Nur gemeinsam waren wir stark,

und es bricht mir das Herz, dich so zu sehen.

Jetzt bin ich so schwach wie du.

Ich habe aufgehört zu leben, denn du bist ich.

Ohne dich bin ich nichts, und doch bin ich … übrig

- dafür hasse ich dich!

Ich hasse dich - und die gesamte Welt, denn keiner sieht meinen Schmerz.

Du hast mich verlassen – Verräter!

Ich habe nicht geglaubt, dass das überhaupt möglich sei.

Ich wollte, ich wär tot!

 

© BvS