Schuld

Verdammt, wer knurrte denn hier so?

 

Hatten sie neuerdings einen Hund? Und seit wann klangen diese Viecher wie rollige Kater? Irgendwie klang das nach … Paarung. Aber ein Hund, der in seinem Luxushaus eine Nummer schob? Niemals! Seine Chantal würde das nicht zulassen. Sie würde kein wie auch immer geartetes Tier in ihrem Heim dulden, und trotzdem: Es knurrte schon wieder - kam von oben. Also zog Benno sein Sakko aus und stieg die Marmortreppe hinauf. Der Blick von der Galerie über sein Wohnzimmer und die offene Küche war wundervoll. Er liebte dieses Haus, hatte es mit seiner Frau gemeinsam geplant und gebaut, und immer wenn er hier stand, zog ein Lächeln durch seine Seele: Sein Zuhause!

 

Wie glücklich konnte er sich schätzen. Eine wundervolle, exotische Frau, ein aufregender Job, ein tolles Haus und Geld im Überfluss. Vielleicht sollten sie sich ja doch noch die Kinder zulegen, die Chantal sich wünschte. Er hatte sich zwar bisher standhaft geweigert, aber seit seinem … Fauxpas … war er geneigt, Zugeständnisse zu machen. Gut, Chantal wusste zwar nichts von Luise, aber er wusste es, und wüsste er es nicht besser, würde er sagen, er schämte sich. Aber wofür denn bloß? Es war doch nur Sex gewesen, nichts weiter. Liebe … war es nur bei Chantal.

 

Und es knurrte schon wieder. Nein, nun ging es über in ein klanggezogenes Jaulen. Seltsam! Ein Hund in seinem Schlafzimmer? Benno schüttelte den Kopf. Als er die Türe öffnete, fiel ihn die Kinnlade herunter! Sein konsternierter Blick fiel auf den nackten, massiven Rücken eines Mannes, der in seinem Bett saß. Auf dem Schoß hielt er den zierlichen Leib von Chantal, und sie sah ihrem Mann geradewegs ins Gesicht! Ihre Züge waren in Ekstase verzerrt, und sie hüpfte auf und ab auf diesem fremden Schwanz wie ein Jojo! Aber nicht, dass sie sich hätte stören lassen. Im Gegenteil! Sie lächelte ihn abwesend an und feuerte den Mann unter sich auch noch an: „Gib’s mir, mein geiler Bock! Komm, spritz hinein in deine süße, französische Nutte!“ Und Benno sah zu, wie dieser Hund seine Frau fickte, sich noch mal hoch aufrichtete und knurrend und keuchend … abspritzte!

 

Er war nicht fähig zu reagieren. Da stand er, Bankdirektor, Vorgesetzter von 53 Mitarbeitern, Herr dieses Hauses, und bis vor fünf Minuten hätte er auch noch gesagt, glücklich verheirateter Ehemann einer französischen Lady und sah zu, wie sie sein Leben vernichtete. Benno öffnete den Mund, wollte schreien, toben, den Kerl packen und aus seinem Bett zerren, weg von seiner über alles geliebten Frau. Er wollte ihn über seine Marmortreppe stoßen, oder gleich über die Galerie hinunter, sehen, wie sein nackter Körper am Boden aufschlug und dieser Dreckskerl dort unten mit gebrochenen Gliedern seinen letzten Atemzug verströmte – aber nichts davon geschah. Er holte nur rasselnd Luft und griff sich an die Brust, und Chantal … stieg ab von diesem Hengst, und trat – nackt wie sie war – auf ihn zu und küsste ihn, als sei nicht soeben seine Welt in einer Explosion untergegangen.

 

„Hallo, Chéri!“

Sie drehte sich um und streifte ihren seidenen Morgenmantel über.

 

Benno verstand die Welt nicht mehr. War er im falschen Film?

Aber der Nackte war noch immer da. Er schwang die Beine aus dem Bett, wischte sich mit Bennos Kopfkissen die Spermaspuren vom erschlafften Schwanz und lächelte: „Hallo, Benno!“

 

Benno stöhnte verzweifelt, als Chantal fortfuhr:

„Du kennst doch Luise, Schatz? Das ist ihr Mann! Aber keine Bange: Es war nur Sex! Das macht dir doch nichts? Liebe war es …“ Sie lächelte sardonisch, „… nur bei dir!“

 

Und dann schlug sie ihn mit der flachen Hand mitten ins Gesicht!

 

© Anna