Waldschrat

für Georg


Ihr Kollege war alles andere, als ein schöner Mensch. Deshalb nannten ihn die Schüler auch „den Waldschrat“. Sogar manche Kollegen nannten ihn so - allerdings hinter vorgehaltener Hand. Bernhard Gaardener war der Schulpsychologe, und er war sehr beliebt. Die Schüler mochten ihn, auch dann, wenn sie nicht viel mit ihm zu tun hatten. Er war einfach ein netter Mann! Höflich, zuvorkommend und fast immer gutgelaunt. Hübsch war er nicht! Er war ziemlich klein und von gedrungener Statur. Seine langen Haare waren nicht in der Lage, die Glatze, die sein Haupt zierte, zu verdecken - auch wenn sie sich redlich Mühe gaben. Er war zwar noch nicht fünfzig, sah aber wesentlich älter aus, und seine Garderobe war eigentlich nur als Altkleidersammlung zu betrachten. Er schlappte durch die Gegend - wie ein Waldschrat eben.

 

Melanie Heiler dagegen war eine junge Englischlehrerin, und sie sah sehr gut aus. „Süß!“, sagten die Kollegen. Sie war groß, blond, schlank und rank, und ihr Pferdeschwanz wippte lustig vor sich hin. Sie kam gerade erst frisch von der Uni und hatte ihre allererste Klasse zu unterrichten. Sie fand schnell Freunde im Kollegium - nur Herr Gaardener war immer sehr zurückhaltend. Melanie fand das ganz gut so, denn er war ihr zu alt.

 

Eines Tages hatte sie ein Problem. Ihr Auto versagte ihr den Dienst. Es sprang einfach nicht an. Jetzt hatte sie den Salat. Hier auf dem Land, in Bernburg, würde ihr kein Mensch am Samstagnachmittag um vier Uhr helfen können - und sie hatte ihrer Mutter versprochen heimzukommen - übers Wochenende. Sie irrte durch das verlassene Schulhaus, und als sie einer Schülerin begegnete, war sie direkt froh. Kati war ein nettes Mädchen.

 

„Wo kommst du denn her - um diese Zeit?“, fragte sie, und Kati erklärte ihr, dass sie beim Psycho-Gaardener gewesen sei. Melanie beschwerte sich im Gegenzug über ihre alte Rostlaube. „Jetzt weiß ich nicht, wie ich nach Kiel kommen soll!“, schimpfte sie.

Aber, wer hätte das gedacht, Kati hatte die rettende Idee. „Der Psycho-Gaardener fährt doch jeden Abend nach Hause - nach Kiel!“ verkündete sie. „Fragen Sie ihn doch, ob er sie mitnimmt!“

 

Melanie musste sich wirklich dazu zwingen. Sie schämte sich jetzt, seine Dienste in Anspruch zu nehmen, obwohl sie sonst ganz froh war, wenn sie nicht so viel Kontakt zu ihm hatte, aber sie hatte keine andere Möglichkeit heim zu kommen! Also rief sie ihn an und fragte vorsichtig an.

„Ich fahre in zwei Stunden am Parkplatz ab! Wenn Sie da sind - pünktlich! - nehme ich Sie mit!“ polterte er durch’s Telefon.

Mein Gott! Was war denn das gewesen? So unfreundlich, wie er war, bekam sie direkt Angst. Hatte sie ihn gestört? Hatte sie etwas Falsches gesagt? Oder hatte er … ihr Unbehagen durchschaut?

 

Egal! Es blieb ihr keine Wahl. Pünktlich auf die Minute stand sie an seinem Auto, und als er kam, wagte sie nicht einmal „Guten Abend“ zu sagen, so grimmig sah er drein. Er stieg ein, und ihr blieb nichts anderes übrig, als ebenfalls einzusteigen. Wortlos fuhr er los und legte ein Tempo vor, dass ihr ganz flau wurde.

„Ich danke Ihnen, dass Sie mich mitnehmen!“, brachte sie schüchtern hervor.

„Ist schon gut!“ brummte der Waldschrat - und das war die gesamte Konversation.

Melanie wurde immer kleiner in dem großen Mercedes. Dieser grantige Mann bretterte über die Autobahn, dass ihr Himmelangst wurde, aber sie wagte nicht, Einspruch zu erheben. Vielleicht hätte er sie gebissen! Still und blass drückte sie sich in die Polster und versuchte, sich so unsichtbar wie möglich zu machen.

 

Als Kiel näher kam, atmete sie auf. Bald hätte sie es geschafft. Er fuhr von der Autobahn herunter, und als er durch die ersten Straßen der Stadt kam, blieb er plötzlich unvermittelt stehen.

„Ich habe Hunger!“, erklärte er und stieg aus. Nein, er fragte nicht! Er setzte voraus, dass sie mitkam.

Melanie wagte nicht zu widersprechen. Schließlich hatte er sie mitgenommen. Schnurstracks steuerte er auf einen “Wienerwald“ zu, und sie trabte brav hinterher. Sie würde zu spät nach Hause kommen, aber immerhin! Sie würde nach Hause kommen!

 

Er setzte sich in eine der Bänke und wartete, dass sie sich zu ihm setzte. So ein ungehobelter Klotz! Langsam wurde es ihr zuviel. Sie hatte schon alle möglichen unhöflichen Menschen kennengelernt - aber er setzte allem die Krone auf. Dabei hatte man ihr immer gesagt, wie nett und höflich er doch sei. So konnte man sich irren! Er bestellte ein Brathähnchen. Sie beschränkte sich auf einen Salat. Melanie kam vom Regen in die Traufe. Als sie ihn essen sah, verging ihr der Appetit. Er hatte zwar Messer und Gabel in Händen, aber sie hatte Angst, dass er sich damit verletzen würde. Wo hatte dieser Mensch essen gelernt? Hatte er es überhaupt gelernt? Sie hatte da so ihre Zweifel.

 

Doch plötzlich geschah ein Wunder. Als habe man einen Schalter umgelegt, veränderte dieser Mann sein Wesen. Offensichtlich war er hungrig gewesen, und jetzt, nachdem er gesättigt war, konnte er sein ungehobeltes Wesen besser kontrollieren. Er wurde gesprächig - nett - sogar charmant. Melanie konnte sich nur wundern. Bernhard Gaardener hatte wirklich zwei Gesichter - und dieses neue gefiel ihr sehr viel besser. Er erzählte ihr von seinen Erlebnissen in der Schule - wirklich amüsant! Es war einfach unglaublich. Er lächelte, sprühte vor Charme, und er unterhielt sie wirklich ausgezeichnet. Er erklärte ihr psychologische Tricks, Möglichkeiten herauszufinden, was die Patienten im Inneren dachten und fühlten.

 

„Schauen Sie mal, Sie zum Beispiel! Was tun Sie da?“ Melanie stutzte.

„Was tue ich denn?“ fragte sie.

Er deutete auch ihre Finger, die den Takt klopften zu der Hintergrundmusik. „Was will Ihnen diese Bewegung sagen? - Denken Sie nach!“ –

Melanie lachte. „Da brauche ich nicht nachzudenken! Sie sagt mir, dass ich gerne tanzen würde. Ich tanze nämlich sehr gern und die Musik gefällt mir!“ –

„Gehen Sie mit mir zum Tanzen!“

Es war eigentlich keine Frage. Er setzte ihr Einverständnis voraus! Und komischerweise wollte sie mit ihm zum Tanzen gehen. Sie verstand sich selbst nicht mehr, umso weniger, als er zu allem Überfluss auch noch gestand: „Ich kann nur leider überhaupt nicht tanzen!“

 

Sie musste verrückt sein! Er war unmöglich und doch wollte sie mit ihm zusammen sein. Bernhard sah sie an, blickte ihr direkt ins Gesicht - und plötzlich fiel ihr auf, was für wundervolle Augen er hatte! Groß und dunkelbraun mit einem weichen, zärtlichen Blick. Sie würde versinken in diesen Augen, sie würde hineinspringen! Jetzt gleich - sofort! Ihre Lippen öffneten sich leise. Sein Mund kam näher - langsam. Diese Zauberaugen hielten ihren Blick fest. Warum klopfte ihr Herz nur so laut?

 

Ungeheuer behutsam legte er seine Lippen auf ihre. Weich - sanft - verführerisch - liebevoll! Melanie schloss die Augen und drängte sich an ihn. Seine Arme umschlangen sie, zogen sie an seine Brust - mitten hinein in die Geborgenheit. Sternschnuppen blitzten auf, hinter ihren geschlossenen Lidern und der Himmel senkte sich auf die Erde. Niemals in ihrem ganzen Leben hatte sie sich so beschützt gefühlt, so wunderbar geborgen. Dieser Mann, dieser hässliche, grimmige Waldschrat, hatte sie verzaubert mit einem „Augenblick“, mit der Süße eines Kusses, mit der Wärme, die sie in seinen Armen fand. Sie wollte sich nicht mehr lösen aus dieser Umarmung! Sie wollte verschmelzen - mit ihm!

 

Stöhnend schmiegte sie sich an ihn, streichelte seine Wange. Sie war rau - unrasiert - männlich. Hatte sie ihn hässlich gefunden? - Er hatte die schönsten Augen der Welt! Seine Züge waren sehr männlich, seine Hände waren zärtlich, schöngeformt mit langen, schlanken Fingern. Wieso war es ihr nicht früher aufgefallen? Er war durchaus nicht hässlich.

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„Komm! Lass uns gehen!“ Er zog sie hoch, hielt sie dicht an sich gedrückt. Auch er wollte den Kontakt nicht abreißen lassen, den Zauber nicht zerstören, denn es war ein Zauber, der sie beide verband! Auch er hatte diese Reaktion nicht erwartet - diesen Knalleffekt. Eine chemische Reaktion, die sie beide auflodern ließ wie Wunderkerzen. Sie war seine Wunderkerze! Um ihr Gesicht sah er Sternchen glitzern. Hatte er jemals eine zauberhaftere junge Frau gesehen? Sie war so schön, so liebreizend! Und sie reagierte nicht wie andere Frauen auf ihn! Ihre blauen Augen leuchteten - sie strahlten ihn an, als sei er George Clooney.

 

Bernhard konnte einfach nicht anders: Er musste sie küssen! Ganz eng hielt er sie an sich gepresst. Er spürte ihre Hingabe. Sie kuschelte sich an ihn, hob ihm ihre Lippen entgegen, bot ihm den Mund zum Kuss(Komma)und als er sie berührte, stöhnte er auf in seligem Genuss. Was waren das für Hochgefühle? Wie lange hatte er solch sanfte Lust vermisst?! Sie bereitete ihm den Himmel - hier in dieser Dämmerstunde, in einem Händelbrater in Kiel. Schweigend gingen sie hinaus zu seinem Wagen. Er ließ ihre Hand nicht los und öffnete die Türe, um sie einsteigen zu lassen. Als er ihre Türe schloss, fühlte er sich plötzlich verlassen. Es tat so weh, dass er beinahe glaubte, einen Herzinfarkt zu erleiden. Er rannte um sein Auto herum und ließ sich auf den Sitz fallen. Sprachlos starrte er sie an.

 

Was war das? Er fand keine Erklärung. Sie war ihm doch nur lästig gewesen! Er war so missgestimmt. Alles war an diesem Tag schiefgegangen und dann kam auch noch so eine dumme Gans, die einen Chauffeur brauchte. Bernhard hatte sich nicht im Griff gehabt. Er hasste sich dafür, wenn er so war! Aber er war so gewesen: Unbeherrscht, unhöflich, grantig! Kurz: Unmöglich! Er hatte gespürt, wie sie sich immer tiefer in ihr Innerstes verkroch. Sie versteckte sich - vor ihm! Er war zum Fürchten - manchmal! Und nun schmiegte sie sich an ihn, lieferte sich aus, ließ sich beschützen - von ihm! Von Bernhard Gaardener! Sein Herz quoll über - vor Zärtlichkeit für sie.

 

Er fuhr zu einem kleinen Tanzlokal - er wusste nicht einmal mehr, woher er es kannte. Die Einrichtung erinnerte an einen Luxuszug um die Jahrhundertwende und sie fanden ein kleines, verschwiegenes Coupé. Dort versteckten sie sich. Bernhard öffnete seine Arme und sie kuschelte sich hinein, als wäre sie dort zu Hause - und damit gab sie ihm genau dieses Gefühl: Heimat!

„Weißt du, wie lange ich nicht so glücklich war?“, fragte er leise.

Sie küsste ihn, seine Lippen, die Mundwinkel, über seine unrasierten Wangen, sein Ohrläppchen - biss zärtlich hinein. „Wie lange?“, murmelte sie.

„Seit ... seit dem Tod meiner Frau - vor sechs Jahren. - Nein, lange vorher!“

Melanie sah ihn an - tiefes Mitgefühl lag in ihrem Blick. Sie hatte nicht gewusst, dass er seine Frau verloren hatte. Zärtlich streichelte sie seine Hände. Sie tanzten keinen einzigen Tanz! Als sie gingen, sahen die Menschen ihnen nach. Ein ungleicheres Paar war kaum vorstellbar - und trotzdem. Melanie war verliebt, wie nie vorher!

 

Bernhard brachte sie bis vor ihre Haustüre. „Wann soll ich dich abholen?“ Natürlich! Daran hatte sie ja gar nicht gedacht. Sie musste ja auch wieder zurück - und ihr Auto stand defekt vor der Schule in Bernburg.

„Morgen!“, lächelte sie. „Morgen, um fünf Uhr!“ Doch plötzlich fiel ihr ein, er brauchte ja morgen gar nicht fahren - er wohnte in Kiel, aber dann sah sie sein Lächeln.

„Ich hole dich um fünf - und dann - machen wir, was immer du möchtest!“

Melanie nickte und dann lächelte sie ebenfalls. Sie wusste genau, was sie wollte! Ganz genau! Zum Abschied küsste er sie sehnsüchtig, und wenn er sie nicht losgelassen hätte, wäre sie in dieser Verzauberung verharrt - bis zum Ende der Welt.

„Gute Nacht, meine Liebste!“, flüsterte er, und als sein Wagen verschwand, fühlte sie sich so einsam, dass es schmerzte. Sie flüchtete zu ihrer Mutter und verbrachte ein schönes Wochenende, aber in ihrem Herzen zählte sie die Minuten, bis er wieder bei ihr war, bis seine Arme sie wieder in den Himmel emportrugen.

 

Bernhard hatte extra etwas getan, das ihm normalerweise nicht wichtig war - für sie war es ihm wichtig. Er hatte gebadet und sorgfältig die besten Kleidungsstücke ausgewählt, die er besaß. Er hatte sogar darauf geachtet, dass alles zusammenpasste. Sonst zog er das erste Stück an, das ihm in die Finger kam. Die Farbe war ihm egal. Jetzt wollte er ihr gefallen - seinem blonden Zaubermädel, seinem Engelchen! Was fand sie nur an ihm? Er war ein eigenwilliger, verschrobener Einzelgänger. Er war völlig unscheinbar, wenn nicht hässlich - er wusste es. Und doch! Sie schien das nicht zu stören! Was hatte sie gesagt?

„Du hast die schönsten Augen der Welt!“ Kein Mensch hatte jemals so etwas zu ihm gesagt. Mein Gott! Er hatte sich verliebt - bis über beide Ohren!

 

Auch Melanie schwebte über den Wolken. Sie sah nur noch diese sanften, braunen Augen, die sie liebevoll anschauten - die bis zum Grunde ihrer Seele blickten. Er war nicht hässlich, und es war gar kein Wunder, dass er etwas seltsam war. Er hatte seine Frau verloren. Sie war ihm unter den Händen weggestorben und er konnte nichts tun, konnte ihr nicht helfen - nur hilflos zusehen wie der Krebs sie umbrachte. Erst verlor sie ihren Verstand und er beinahe mit - und dann verlor sie ihr Leben. Bernhard war zum Trinker geworden. Nur sein Beruf hatte ihm Halt gegeben, und jetzt hatte er es endlich geschafft, aus dem tiefen Loch wieder herauszukommen.

Am Morgen rief sie ihn an: „Hallo du!“ flüsterte sie ins Telefon.

„Engelchen!“, war alles, was er ihr sagen konnte.

 

Die Sehnsucht nach ihr stieg ins Unermessliche. Er musste zu ihr, sie sehen, in seine Arme nehmen, an sich ziehen und festhalten. Als er am Spätnachmittag vor ihrer Haustüre eintraf, stand sie schon da. Sein Herz hüpfte vor Glück. Er fühlte sich wie mit siebzehn! Trotzdem wollte er sie jetzt nicht bloßstellen. Nein! Er würde sie nicht in seine Arme reißen und ihre Lippen wundküssen. Er wusste nicht, was sie ihrer Familie erzählt hatte, aber es fiel ihm so schwer, sie nicht berühren zu können, dass er mit den Zähnen knirschte, als sie zu ihm ins Auto stieg. „Engelchen!“ murmelte er immer wieder. „Engelchen! - Mein Engelchen!“ Und dann fuhr er ab.

 

Was sollte er jetzt bloß tun? Er konnte sie doch nicht mit zu sich nach Hause nehmen? Also fuhr er nach Bernburg. Seine Hand griff nach ihrer, hielt sie fest. Ihre weichen Finger schmiegten sich in seine. Seine Liebe zu ihr schien den ganzen Wagen auszufüllen.

„Komm mit zu mir!“, bat sie. „Ich koche für uns!“

Seine Augen leuchteten. „Ich habe nicht gewagt, es dir anzubieten“, gestand er. Als er ihr Lächeln sah, atmete er auf. „Es ist kein Traum gewesen!“ –

„Hattest du das vermutet?“

Bernhard nickte. Er war nicht sicher gewesen. Er war es immer noch nicht. Wie konnte diese zauberhafte junge Frau, die er auch noch so angebrummt hatte, etwas an ihm finden? –

„Was ist es?“, fragte er.

Melanie überlegte. „Deine Augen!“ sagte sie. „Es waren deine Augen. Ich habe mich noch niemals so angezogen gefühlt - von einem Blick, und als du mich geküsst hast - ja! Da hat es einfach gefunkt!“ - Sie verstand es selber nicht so ganz. „Ich hatte das Gefühl ... wir sind verschmolzen - bei diesem Kuss!“ Melanie versuchte, es sich selber zu erklären. Sie wusste nur, sie wollte mit ihm zusammen sein. Den ganzen Tag über hatte sie sich nach ihm gesehnt - und jetzt wollte sie bei ihm sein. „Fahr zu mir!“ bestimmte sie.

 

Als er ihre Wohnung betrat, glaubte er es immer noch nicht, und als sie hinter ihm die Türe schloss und in seine Arme kam, stiegen Tränen in seine Augen. Er war bisher nicht vom Glück verwöhnt worden. Seine Frau war an einem Hirntumor gestorben, nach einer langen, langen Zeit des Leidens. Für sie - aber auch für ihn!

„Ich möchte jetzt nicht kochen!“, murmelte Melanie an seinem Hals. „Oder hast du großen Hunger?“

Bernhard musste fast lachen. Hunger war das Letzte, was er jetzt hatte! Er küsste sie zärtlich aufs Ohr und flüsterte. „Ja, schon! Ich habe sehr großen Hunger - aber nur nach dir!“

Sie lachte glücklich und zog ihn ins Wohnzimmer. Sie hatte nur eine kleine Wohnung, und im Wohnzimmer stand ein großes Polsterbett, das auch als Couch zu verwenden war. Melanie fing an, sein Hemd aufzuknöpfen und Bernhard bekam fast keine Luft mehr.

„Lass uns ein bisschen miteinander spielen!“. schnaufte er, aber dann löste er sich aus ihren Armen und schloss die Vorhänge.

Melanie sah ihm ratlos zu. „Willst du mich nicht sehen?“ fragte sie leise.

Vehement schüttelte er den Kopf.  Natürlich wollte er sie sehen. Nichts lieber als das! Aber er wollte sie auch nicht verschrecken. „Ich bin kein besonders schöner Anblick!“ gestand er schüchtern.

 

Darüber zerbrach sie sich nicht den Kopf. Was sollte es schon sein, das ihn selber so belastete? Sie kannte ihn doch - er war von ganz normaler Statur. Doch dann trat er wieder zu ihr und sie vergaß ihre Überlegungen. Sie streifte sein Hemd von den Schultern und schmiegte sich an seinen warmen Bauch, kuschelte ihr Gesicht an seine Brust. Warm und weich und haarig - genauso wie sie es mochte. Ihre Hände streichelten darüberhin, glitten zu seinen Schulter und dann umschlang sie seinen ganzen Körper - küsste ihn leidenschaftlich.

 

Wieso reagierte er nicht auf sie? Er stand wie versteinert. Da war etwas, das ihr entging, aber was? Erst langsam, ganz langsam, schob sich die Erkenntnis in ihr Hirn, was ihn so verlegen machte. Ihre Hände trafen auf seinem Rücken nicht auf nackte Haut. Auch hier war er bedeckt mit feinem Haar. Sie streichelte nun bewusst weiter. Wohin sie auch fasste, spürte sie zartes Fell. Es fühlte sich an, wie bei ihrem Kater - angenehm seidig. Das war es, wofür er sich schämte! Melanie öffnete seine Hose, schob sie langsam über behaarte Oberschenkel, ließ sie fallen.

 

Jetzt wollte sie dieses Phänomen genauer sehen. Sie griff nach der Lampe auf ihren Nachttisch und machte sie an - drehte sich um. Bernhard stand mitten im Raum - nackt - und auch wieder nicht! Es war ein ungewohnter Anblick, aber sie störte es nicht. Er war über und über bedeckt mit weichem, dunklem Haar. - Bis auf …! Melanie schnappte nach Luft. - Sie fand es überaus erregend.

„Mein Bär!“ murmelte sie und ließ sich auf ihr Bett sinken. „Komm zu mir!“

Mit einem Schritt war er bei ihr. Sie liebte ihn! Es gab keine andere Möglichkeit! Nur so ließ er sich ertragen. Davon war er fest überzeugt.

 

Aber jetzt, nachdem dieses Hindernis genommen war, konnte er sich endlich dem widmen, wonach er sich sehnte. Ihr! Oh jaa! Er wollte sie sehen! Jetzt - wollte er sie sehen. Seine Finger zitterten, als er ihren Rock höher schob. Seine Hand glitt unter den weichen Stoff - auf noch weicherer Haut entlang - zu samt-weichen Hügeln. Und auch hier war es haarig! Seine Finger berührten sie, spielten, zupften an den süßen Löckchen, die aus ihren Höschen hervorlugten. Bernhard zog ihr den Rock aus und das Höschen gleich mit. Nachdem sie ihm so anmutig ihre Hüften entgegenhob, musste er es einfach tun. Und dann sah er noch einmal ganz genau hin: Goldenes, zartes Kringelhaar - zwischen braunen, schlanken Schenkeln! Er stöhnte vor Verlangen. Seine Hände streichelten diese betörenden Beine! - Langsam - die Außenseite entlang - hinauf und hinab. Dann ließ er sie an die Innenseite wandern. Hinauf - höher - noch höher.

 

Melanie spreizte ihre Schenkel. Sie wollte ihn, und sie wollte es ihm zeigen! Seine Hand streichelte ihr Bein - gleich neben …

Sie griff danach und legte sie auf ihren Venushügel.

Bernhard hielt den Atem an. Er spürte sie - so direkt, so intim! Wann hatte er zuletzt diese Art von Lust empfunden? Hatte er überhaupt jemals solche Gier empfunden - nach einer Frau? Massierend zogen sich seine Finger zusammen, gruben sich ein - tiefer in diese feuchte, heiße, weiche Grotte, zwischen betörende Schamlippen. Er spürte, wie sie ihm entgegenkam, sich gegen seine Hände drückte. Er hörte sie stöhnen.

Ihre Hand suchte ihn, berührte sein weiches Fell, kraulte, streichelte zärtlich und dann war sie angekommen. Sein Blick hing wie hypnotisiert an ihrer Hand, die sich öffnete. Sie spreizte ihre Finger weit.

 

Er sah die roten Fingernägel, und dann schlossen sich ihre Finger um seine Härte, griffen zu, hielten ihn, drückten, rieben und brachten ihn an den Rand seiner Beherrschung. Als sie sich aufrichtete, geriet er ins Abseits.

Sie drückte ihn auf ihr Bett und kniete sich daneben.

Bernhard bekam keine Luft mehr. Die Erwartung füllte ihn aus bis zum Rand. Ihre Blicke, die über seinen Körper tasteten, machten ihn verrückt - einerseits. Andererseits waren sie ihm peinlich. Er wusste, wie Frauen „darauf“ reagierten!

Melanie war anders. Sie streichelte seine festen Oberschenkel, sah sehr genau hin. „Weißt du, wie das aussieht?“ fragte sie verhalten.

Er nickte. „Ja, ziemlich genau!“

Aber das war es nicht, was sie meinte. „Du hast keine Ahnung!“ flüsterte sie atemlos. „Du weißt nicht, wie das aussieht! - Du hast ein Fell, mein Bär - weich und wie geschaffen zum Streicheln! Und dann hast du etwas ohne - Fell, etwas, das ist nackt! Weißt du, wie … heiß“ - sie stockte, holte tief Luft. „Weißt du, wie geil das aussieht? - Wie erregend? - Wie geil mich das macht?“ Sie stöhnte verlangend.

 

Bernhard hatte sie bisher nicht so gesehen. Sie war ein junges Mädchen - in seinen Augen. Er war älter als sie - wesentlich älter. Jetzt erkannte er etwas anderes! Sie war eine erwachsene Frau. Mehr noch! Sie war ein Vollblutweib! Sie war, wovon er immer geträumt hatte. Und sie wollte ihn - in all seiner Unzulänglichkeit. Für sie war diese Unzulänglichkeit nicht negativ! Im Gegenteil! Es machte sie an! -  Und sie machte ihn einfach verrückt. „Schlaf mit mir!“ keuchte er. Als sie ihr langes, schlankes Bein über seinen gierigen Unterkörper schwang, wäre er beinahe ausgeflippt. Jetzt kniete sie über ihm, und sein Schwanz berührte ihre glühendheiße Scham. Er zuckte, bäumte sich auf.

 

Melanie lachte. Sie war glücklich. Sie hatte ihn so überlegen empfunden - jetzt nicht mehr. Sie kannte seine Schwäche, sie liebte ihn - für diese Schwäche - und für seine Größe, sie ihr zu offenbaren. Langsam knöpfte sie ihre Bluse auf.

 

Bernhard sah sie an - mit hungrigen Augen, Augen die immer größer wurden. „Mein Gott, Melanie! Du machst mich vollkommen wahnsinnig.“ Seine Hände griffen nach ihr, umfassten ihre Brüste. Die Fingerspitzen trafen nackte Haut, die süße Wölbung ihres Busens. Vorsichtig schob er seine Finger in die Körbchen ihres Büstenhalters.

 

Melanie fasste hinter sich, öffnete den Verschluss.

Das Spitzenetwas fiel ihm ins Gesicht und er massierte nackte Brüste, sah, wie die dunklen Knospen immer härter wurden. Er zog sie zu sich hinab – steife Nippel an seinen Lippen. „Jaahh!“, stöhnte er. „Oh jaaahhh!“, leckte darüberhin, und dann saugte er sie in seinen Mund.

 

Seine Zunge streichelte ihre harten Brustwarzen, während seine Hände ihre Brüste massierten, sie immer mehr gegen sein Gesicht drückten.

Melanie hatte sehr empfindsame Brüste - er reizte sie ausdauernd. Sie warf den Kopf zurück und stöhnte, presste sich noch dichter an ihn. Ihr Becken schwang über ihm, berührte seinen Penis. Die Spitze zuckte an ihren prallen Schamlippen - sie konnte es fühlen. Jetzt spürte sie nur noch brennende Sehnsucht. Sie wollte ihn eintauchen lassen - tief in ihre hungrige Möse. „Ich will dich!“ Er knurrte fast.

 

Und Melanie ließ zu, dass er ihre Hüften umfasste und sie tiefer auf sich zog. Seine Eichel drückte sich hinein, drängte ihr weiches Fleisch auseinander, schob sich tiefer. Sie bewegte sanft ihr Becken.

Sein Schwanz rutschte entlang, traf ihren Kitzler.

„Oh jaah!“ Sie zuckte, rieb sich an ihm, seine Spitze massierte ihre Lustperle.

Bernhard reagierte sofort. Sein Daumen berührte sie, kreiste zunächst zärtlich, doch zunehmend fester. Stöhnend wand sie sich auf ihm. „Jetzt!“ keuchte sie. „Oh jaah - jetzt!“

 

Damit hob sie sich auf die Knie. Sein Glied richtete sich auf zwischen ihren Schenkeln und dann drückte sie ihre heiße, glatte Scheide über ihn.

Bernhard fühlte wie er eintauchte. Seine Spitze brannte. Nass und heiß! Lava - glühend und verrücktmachend. Er drückte sich tiefer hinein - in diese enge, sehnsüchtige, lockende Muschi, zog sich zurück und dann stieß er zu.

Melanie schrie auf in seliger Lust, wippte ihm entgegen. „Ja! - Oh jaah! - Tu’ es! - Stoß zu!“ röchelte sie.

 

Bernhard war an dem Punkt angekommen, der ihm keine andere Möglichkeit mehr ließ. Er war geil und er würde sie jetzt vögeln. Er stieß zu - mit aller Kraft, und ihr Stöhnen wurde zu einem wilden Knurren der Lust, dass ihn völlig fertig machte. Er stieß und stieß - wie von Sinnen. Als sie ihre Nägel in seine Haut schlug, zuckend und stöhnend, sich auf ihn presste - schrie er auf und explodierte in dieser Sekunde. Er spürte, wie sie sich um ihn verkrampfte, zuckend seinen Schwanz massierte, ihn auspresste.

Zuckend rutschte sie auf ihn. Sie schenkte ihm Gefühle, die er niemals vorher empfunden hatte. Er hatte geglaubt Sex sei Sex. Das hier war anders! Ihre Liebe war anders - heißer, gieriger, wilder und auch liebevoller, zärtlicher, hingebungsvoller: Besser als alles, das er in seinem Leben gefunden hatte.

„Liebes! - Engelchen! - Mein Engelchen!“, flüsterte er und zog sie an sich. „Weißt du, dass du dich so gut anfühlst?“ murmelte er in ihren Armen. Beglückt fühlte Bernhard, wie Melanie sich an ihn schmiegte. Ihr Po drückte sich an seinen Bauch, ihr Kopf lag in seinem Arm und seine Hand hielt ihre Brust umfasst. Sie passten perfekt zusammen. Wie zwei Stücke eines Puzzles. Er spürte, wie ihr Atem regelmäßig wurde, flacher und dann war sie eingeschlafen.

 

Bernhard kuschelte sein Gesicht in ihr weiches Haar und dachte nach - über das Wunder, das ihm begegnet war. Er war glücklich - überglücklich! Er hatte eine Frau gefunden, die ihn liebte und die ihm vertraute. Es war wirklich ein Wunder! Sie war sein Wunder! Und mit diesem beglückenden Gedanken, schlief er ein - an ihrer Seite. An der Seite der Frau, die er liebte!

 

© Beatrice von Stein