Diät

Jetzt bin ich schon drei Wochen allein und es werden wohl noch drei weitere! Erik ist zu einer Fortbildung in China und benützt diese Reise gleichzeitig, um seine Eltern zu besuchen, die seit Jahren in Taiwan leben. Doch, ich verstehe das, aber gleichzeitig komme ich um vor Sehnsucht!

Aber wenn mein Schatz nun schon mal sechs Wochen lang weg ist, kann ich die Gelegenheit nutzen und endlich die zehn Pfund abnehmen, die mir schon so lange auf den Hüften lasten. Also verschenke ich alles Verderbliche an meine Nachbarn und begnüge mich mit Saft!

Früh, mittags und abends ein Glas Saft - wahlweise Tomaten, Karotten oder Gemüse - löffeln. Aber bitte mit einem kleinen Löffel! Die ersten drei Tage sind grauenvoll, aber nach drei Wochen bin ich fast euphorisch. Sechs Pfund weniger! Das ist doch was!

Das wird meine Überraschung werden für Erik, denn er hätte mich schon gern etwas schlanker. Gesagt hat er es zwar nie, aber ich kann es mir denken.

Und dann, am Sonntag … ich mache es mir richtig kuschelig, habe ein langes Schaumbad genommen, Haare gewaschen, mich gründlich enthaart und war auf der Sonnenbank … da läutet es an der Haustüre.

Ich will nicht gestört werden! Mein Buch und mein Gemüsesaft warten schon und nun … muss ich ein Handtuch um mein Haar wickeln, in den Jogginganzug springen und zur Tür.

Als ich öffne ist da niemand mehr!

„Depp!“, fluche ich lautlos vor mich hin, doch dann sehe ich die Rose. Da liegt eine blassrosa Rose zu meinen Füßen. Hübsch! Ich hebe sie auf und überlege, wer die da wohl hingelegt hat, aber ich gehe trotzdem zurück ins Bad, um meine Haare zu trocknen. Er hätte etwas mehr Geduld haben sollen! Pech!

Zehn Minuten später bin ich fertig und begebe mich in die Küche. Wo ist mein Saft? Mein Buch ist auch nicht mehr da. Habe ich das schon ins Wohnzimmer …

Im Kamin lodert ein Feuer, und auf dem Couchtisch steht eine brennende Kerze! Hallo? Ich war das nicht! Und … neben der Kerze wurde der Tisch gedeckt. Weiße Teller, Servietten, Brot und Butter und eine Schale mit Schnittlauch. Daneben stehen unsere schönsten Gläser und mein Lieblings-Franken funkelt mich an. Mir läuft gerade das Wasser im Mund zusammen. Ich habe wirklich selten etwas Verführerischeres gesehen … bis ich mich umdrehe.

„Erik!“

Ich bringe kaum seinen Namen heraus, aber das ist egal. Schon liege ich in seinen Armen, und er küsst mich so begehrlich, dass ich meinen Hunger vergesse.

„Ich hab es nicht mehr ausgehalten!“, flüstert er zwischen zwei Küssen und öffnet meinen Reißverschluss. Der Teppich vor dem Kamin ist genau richtig. Ich kann es gar nicht erwarten, seine Haut auf meiner zu spüren.

„Ich liebe dich!“, stöhne ich, als er nackt zwischen meinen Schenkeln kniet, um mich aufzuspießen. Seine Hände liebkosen mich, streicheln von den Brüsten hinunter, umfassen meine Taille …

„Himmel, bist du dünn geworden! Wo sind meine Lieblingspfunde geblieben?“

„Weg!“ Als ob es jetzt darauf ankäme! Ich hebe mich ihm entgegen und … schlägt es ein in meinem Hirn:

Ich hätte gar nicht abnehmen müssen! Er liebt mich so wie ich bin!

Und wie er mich liebt! Wir bringen gerade die Erde zum Beben!

Als ich schwer atmend unter ihm liege, flüstert er:

„Ich war mir sicher, dass ich in unserem Eisschrank etwas finde für ein Liebesmahl, aber du hast es mir wirklich nicht leicht gemacht. Das Brot ist von der Nachbarin und der Schnittlauch aus dem Garten!“

Und dann sitzen wir nackt am Tisch, ich bestreiche mir ein Stück Bauernbrot dick mit Butter und streue Schnittlauch und Salz darauf. Ich schließe die Augen und beiße hinein!

Purer Genuss!

„Ich liebe dich, Schatz! Wirklich! Ich liebe dich!“

 

© Anna