Goldene Blüten

 

Wie war das eben gewesen? Hatte sie mir jetzt gerade erzählt, dass sie gerne gepierct wäre – an höchst intimer Stelle, dass sie nur schreckliche Angst habe vor dem Schmerz … und warum verwirrte mich das so?

Lustvolle Gedanken verfolgten mich seitdem.

Ich hatte mir sowieso überlegt, was ich als nächstes machen sollte – in meinem Goldschmiedekurs! Jetzt hatte ich zumindest eine Ahnung, wenn auch noch keine richtige Idee.

Immerhin wusste ich, dass es diese gewissen Schmuckstücke auch zum Klemmen gab – und dazu musste das Fleisch nicht durchbohrt werden, auch wenn ich …

Nein, Klemmen war MIR nicht genug gewesen. Ich hatte den Schmerz beinahe genossen. Mein Fleisch hatte steif und fest dieser dicken Nadel getrotzt, und der Gedanke, dass ich mich schmückte an einer Stelle, die nur wenige Menschen sehen würden, hatte mich unglaublich erregt.

Ich stellte mir ihre großen Augen vor, wenn sie des goldenen Schimmers ansichtig wurden, die erstaunt-neugierigen Blicke bei einem unübersehbaren Glitzern, ihre Sehnsucht, Hand anzulegen.

Mir wurde heiß, wenn ich daran dachte, dass ein Liebespartner mir so ein güldenes Geheimnis anvertrauen würde. Allein das Wissen um die Tatsache, dass ich ein solches Schmuckstück zu Gesicht bekommen könnte, genügte mir, um abzuheben, und nun wusste ich, dass sie …

Ich würde ihr zu so einem Schmuckstück verhelfen, auch wenn mir allein der Gedanke Schweißperlen auf die Stirn trieb!

Wie mit einem winzigen „Plätzchenausstecher“ fabrizierte ich kleine goldene Blütenblätter und hämmerte sie mit einem Kugelhammer hauchdünn, dann mattierte ich sie. Lediglich der feine Rand wurde hochglänzend. Anschließend lötete sich sie überlappend an einen feingezogenen Draht, den ich zu einem offenen Kreis gebogen hatte. Man konnte dieses feine Drähtchen auf- und zubiegen - um den süßen Blütenstempel.

Und dann, eines Abends - es war der Abend vor meinem Geburtstag - war es soweit. Ich überreichte ihr die Preziosen – und sie lächelte wissend.

Wieso war ich nur so flattrig – so nervös? Diese Goldblüten waren bezaubernd geworden, kleine Kunstwerke. Sie bestaunte sie ehrfürchtig.

„Du bist so genial, Joe!“, flüsterte sie, und ich wurde fast rot. „Willst du sie mir anpassen?“

Ich sollte …?

Als wäre es völlig selbstverständlich, knüpfte sie die weiße Flatterbluse auf, die sie lässig geknotet über einer engen, schwarzen Piratenhose trug. Mit dem langen, dunklen Lockenhaar, sah sie aus wie eine echte Piratenbraut, und die knallroten Highheels sorgten dafür, dass sie mich überragte.

Einen BH trug sie nicht, und so sprangen mir zwei pralle, leicht gebräunte Halbkugeln entgegen, wie sie wundervoller kaum sein konnten. Ihre zarte Haut schimmerte, und ich sah, dass sich der feine Blütenstempel kräuselte.

„Mach sie fest!“, verlangte sie aufgeregt.

Meine Hände zitterten, und ich fragte mich, wie ich mit diesem Gezitter goldschmieden konnte.

Ich hatte sie doch, seit wir Kinder waren, schon so oft gesehen, wieso verwirrte mich nun dieses Stückchen bloßes Fleisch so sehr?

Ihre Nacktheit verzauberte mich, brachte mich dazu mir vorzustellen, wie „ihre“ Blume sich auf meiner Zunge anfühlen würde. Irgendwie brachte ich es dennoch fertig, die Zauberblumen anzubringen, und die goldenen Blütenblätter schmiegten sich an, als gehörten sie dahin.

„Wundervoll!“, wisperte sie andächtig und zog mich in ihre Arme.

Nein, ich wehrte mich nicht, obwohl ich das Atmen einstellte und glaubte hier und jetzt sterben zu müssen.

„Ich danke dir so sehr!“

Als ihre samtenen, weichen Lippen näherkamen, wusste ich es. Mein Leben zerbrach, und doch gab ich nach, öffnete mich ihr und ließ die Versuchung ein. Meine Hände hielten ihre Brüste umfasst, wollten nicht loslassen! Saugend und leckend katapultierte sie mich durch Himmel und Hölle.

Als meine Zunge "ihre Blume" benetzte, lächelte sie.

„Keine Angst, Joe. Du bist deshalb nicht lesbisch! Du bist nur meine beste Freundin!“

 

© Anna




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