Porträt

Charlotte war 27 Jahre alt und als IT-Spezialistin weltweit anerkannt. Ihr Ruf war mittlerweile in alle Winkel der Branche vorgedrungen und so kam es, dass sie ein Angebot bekam, das sie unmöglich ablehnen konnte. Ein großes Computerhaus war an sie herangetreten und hatte sie eingeladen sich in Seattle die Zentrale anzusehen. Man würde ihr ein Angebot machen, da war sie sicher. Die Tickets waren beigelegt gewesen, und nun stand sie vor dem riesigen Gebäude und sah hinauf. Sie hatte eine Verabredung mit dem Personal Director Mr. Smith-Hendriks und nur noch 20 Minuten Zeit. Also los! Entschlossen betrat sie den Wolkenkratzer. Der Aufzug brachte sie in den 121. Stock, zum Büro ihres Gesprächspartners.

 

Dieses Treffen war eigentlich ein einziger Triumphzug. Mr. Smith-Hendriks wollte sie haben. Er war die treibende Kraft hinter der Einladung an sie gewesen, denn er hatte sie und ihre Arbeit schon früher in Deutschland kennengelernt. Sie waren damals schon fast Freunde geworden, und so verlief ihr Gespräch sehr positiv. Sie unterhielten sich kaum noch über fachliche Themen, sondern längst über das Appartement, dass die Firma ihr zur Verfügung stellen würde. Als er ihr die Fotos, die er extra besorgt hatte, zeigen wollte, läutete das Telefon, und Charlotte überlief plötzlich eine Gänsehaut.

 

Ihr Englisch war perfekt und so verstand sie auch das Gespräch. Es ging um sie. Offensichtlich wusste der Anrufer sehr genau über sie Bescheid, und Mr. Smith-Hendriks bestätigte seine Beschreibung ihres Aussehens. Ja, die Dame, die bei ihm sei, war groß und schlank. Sie hatte lange, schwarze Haare und eine indianische Nase. Völlig verblüfft beendete ihr Partner das Telefonat. Mr. Graven interessierte sich nicht für Frauen, hieß es. Und doch:

 

“Mr. Thomas Graven möchte Sie kennenlernen!” Er hatte nicht die geringste Ahnung, warum Mr. Graven sich in diese Sache einmischte. Er war sein oberster Boss. Einer der höchsten Manager der Firma. Was hatte er für ein Interesse an dieser Frau? Woher wusste er wie sie aussah? - Er wusste es sehr genau. Zu genau für einen Zufall! Hatte er sie gesehen? Vielleicht schon hier im Haus? - Heute? - Es war ein großes Rätsel!

 

“Charlotte, würden Sie bitte mitkommen. Mr. Graven möchte sie treffen! Sofort! - Wir müssen hinauf in den 146. Stock!” Charlotte war erstaunt, aber es störte sie nicht weiter. Sie würde also den obersten Chef kennenlernen. Das war ihr recht. Sie hatte längst die Erfahrung gemacht, dass es meist hilfreich war, Kontakte zu haben.

 

Sie trat mit Mr. Smith-Hendriks aus dem Büro und begab sich zu den Turbo-Aufzügen. Als der Lift hielt, bemerkte ihr Begleiter, dass er sein Handy vergessen hatte. “Warten Sie bitte oben auf mich!” bat er und ging zurück in sein Büro.

 

 

 

Charlotte betrat den Turbo-Lift und die Türen schlossen sich hinter ihr. Auf einmal stand sie in einem großen Garten - mitten auf einer wunderbaren Blumenwiese. Was, um Gottes Willen war das? Sie kannte die Gegend! Der Garten war ein Bild - aus ihrem Traum!  

 

Ihr Traum! Sie befand sich mitten in ihrem Traum! Das konnte doch nicht sein. Was war denn das bloß? Sie erinnerte sich. Früher, es lag Jahre zurück, hatte sie immer wieder einen Traum gehabt, der sie begleitete. Es war in der Zeit gewesen, als sie langsam zu einer Frau heranreifte, und sie hatte diesen Traum geliebt. Anfangs hatte er sie erschreckt, aber je öfter sie träumte, umso vertrauter wurde ihr alles - und umso mehr wollte sie das alles verwirklichen. Sie schloss die Augen. Da war er wieder! Der hagere, kantige Mann, nach dem sie sich sehnte! Der Mann, den ihre Mutter verfluchte, weil sie ihn nicht für existent hielt, und der ihre Tochter davon abhielt, endlich zu heiraten und ihr Enkelkinder zu schenken. Er stand da und erwartete sie.

 

Langsam ging sie auf ihn zu. Die Freude und das Glück ihn zu sehen überschwemmten ihr Herz. Sie hatte ihn so vermisst, den Mann, von dem sie nicht einmal wusste, ob es ihn gab. Er stand unter einem blühenden Baum und breitete seine Arme aus. Sie rannte auf ihn zu und stürzte sich in diese Arme, sie küsste ihn und vergaß die Welt. - Wo war sie nur? - Es war ihr egal! Wichtig war nur er!

 

“So wie damals?” flüsterte er. –

 

“Oh jaah! Jaah bitte!” Sie nickte eifrig. Sie schlang die Arme um ihn und küsste ihn leidenschaftlich. Brennende Sehnsucht überfiel sie. Am liebsten hätte sie ihm die Kleider vom Leib gerissen. Seine Zunge schob sich zwischen ihre Lippen. Sie spürte es und stöhnte hungrig. Ihr Unterkörper presste sich an ihn - fühlte, dass er genauso bereit war wie sie. Sie hatten aufeinander gewartet. Jahrelang!

 

Charlotte hatte um diesen Traum gebetet, aber nachdem sie tatsächlich einmal Sex gehabt hatte - im richtigen Leben - war er nicht wieder gekommen. Und jetzt, hier, geschah es auf einmal wieder! Er drückte sie hinunter auf die Knie, setzte sich neben sie in das weiche Gras. Erneut schlang er die Arme um sie und zog sie an sich. Sie waren nackt! –

 

Wo waren ihre Kleider hingekommen? - Egal! - Sie genoss seine nackte Haut an ihrer. Ihre Hände streichelten seine Brust, seinen Hals, das geliebte Gesicht. Sie küsste das kleine Grübchen an seinem Kinn. Ihre Finger vergruben sich in den dichten, blonden Locken. Sie stöhnte, als sie fühlte wie er ihre Brüste umfasste. Langsam beugte er sich darüber und leckte zärtlich ihre Brustwarzen.

 

“Oh Liebster, ich habe mich so sehr nach dir gesehnt!” flüsterte sie und drückte ihren Busen noch fester an ihn.

 

“Wir haben nicht viel Zeit, Liebes!”

 

Woher wusste er das? - Egal! Sie wollte ihn haben, wollte von ihm geliebt werden - sofort! Charlotte ließ sich nach hinten sinken, zog ihn mit sich. Er lag halb auf ihr. Sie spürte seine harte Begierde an ihrem Oberschenkel.

 

“Oh jaah!” Er wollte es genauso sehr wie sie. Behutsam kniete er sich zwischen ihre weit gespreizten Beine, legte seine Hände über ihren Venushügel und massierte ihr empfindliches Fleisch. Charlotte zuckte zusammen. Er machte sie so heiß.

 

“Komm!” flehte sie. “Komm zu mir! Wir haben keine Zeit!” - Woher wusste sie es? Hatte sie Wahnvorstellungen? - Wenn das Wahnvorstellungen waren, dann wollte sie nie mehr aufwachen. Sie hatte ihn endlich wieder gefunden, den Mann, den sie liebte.

 

Er küsste ihr kleines Muttermal an der linken Brust. Es prangte wie ein kleiner Stern über ihrem Herzen. Er hatte es immer geliebt - sie erinnerte sich. Sein Mund liebkoste ihre Brust und gleichzeitig schob er sich ganz langsam in sie hinein. Ihre Scheide war feucht, gierig nach ihm.

 

Er fand nicht den geringsten Widerstand. Im Gegenteil. Sie kam ihm entgegen, drückte ihre Schenkel noch weiter auseinander, um ihn noch tiefer in sich aufzunehmen.

 

Ihre Lust steigerte sich sprunghaft. Beide empfanden sie ungeheure Sehnsucht nacheinander, wurden immer schneller in ihren Bewegungen. Nur jetzt nicht denken, nicht aufhören! Sie fühlte seine pralle Kraft, tief in ihrem heißen Schoß. Stieß gegen ihn - hemmungslos. Er war ihr Traum! Mit ihm konnte sie sich fallen lassen. Er schenkte ihr höchste Lust - immer! Oh Gott, sie hatte ihn so sehr vermisst! Wieso kam er jetzt zurück? Egal! Nur stoßen, seinen harten Schwanz in sich zwingen und in seinen Armen sterben vor Lust.

 

Charlotte spürte aber auch seine Gier! Er war genauso geil wie sie, genauso versessen darauf in ihr zu kommen, ihr sein heißes Geschenk der Leidenschaft zu hinterlassen, und als er laut zu stöhnen begann, war das für sie das Zeichen. Ihr Becken kippte nach hinten, ließ ihn fast ganz herausrutschen und dann presste sie ihn tief in sich hinein. Gemeinsam stießen sie einen lauten Schrei aus und ihre Körper wurden zusammengeschweißt von der glühenden Lust ihrer entfesselten Leiber.

 

 

 

Charlotte atmete schwer. Langsam öffneten sich die Türen des Lifts und sie stieg aus. Von einer plötzlichen Schwäche erfasst lehnte sie sich an die Wand, sah an sich herab. Sie war gekleidet wie vorhin - korrekt! Und doch: Sie wusste, dass diese Erlebnis real gewesen war. Er hatte ihr einen Orgasmus geschenkt, wie sie ihn schon lange nicht mehr empfunden hatte. Eigentlich nur mit ihm! Und jetzt war er weg! Tränen stiegen ihr in die Augen.

 

“Are you ready?”, fragte Mr. Smith-Hendriks. Sie nickte und versuchte ihre Fassung wiederzufinden. Er begleitete sie zu einer großen Türe und öffnete, ließ sie eintreten.

 

Charlotte hatte auf einmal Pudding in den Beinen. Sie sank in die Knie.

 

“Bitte nehmen Sie Platz”, sagte der hagere, blonde Mann, der am Fenster stand, und als er sich herumdrehte, sah sie das Grübchen. Charlotte fiel in den Sessel und brachte kein Wort heraus. “Please, Mr. Smith-Hendriks, leave us alone!”, verabschiedete er ihren Begleiter.

 

Verwirrt kam der den Wünschen seines Chefs nach. Die ganze Geschichte war höchst mysteriös. Er verabschiedete sich von Charlotte: “Wir werden uns dann nächste Woche sehen, wenn Sie anfangen!”

 

Thomas Graven schüttelte den Kopf. “Das glaube ich nicht!” Aber mehr, war er nicht bereit zu sagen.

 

Als Smith-Hendriks den Raum verlassen hatte, nahm er Charlottes Hand und sagte: “Komm mit, ich muss dir etwas zeigen!” Sie rappelte sich hoch und folgte ihm in das Nebenzimmer.

 

“Ich habe hier das Bild von der Frau, die ich heiraten möchte!” Er deutete auf die Wand und dort hing - ein großes Porträt von ihr.

 

Charlotte verstand die Welt nicht mehr, aber das war eindeutig sie!

 

“Wie …?” fragte sie ratlos.

 

Thomas schüttelte den Kopf. “Ich weiß es nicht! Ich weiß nur eines: Du bist es! - Du hast mich gefunden!” Zärtlich berührte seine Hand ihre linke Brust. “Ist er noch da? - Mein Stern?”, fragte er, und als sie nickte, zog er sie endlich in seine Arme.

 

Und auf einmal waren sie wieder auf der Wiese - und sie hatten alle Zeit der Welt! Sie waren zu Hause.

 

 

 

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