Als sie siebzehn war ...




Als sie siebzehn war hatte ich sie zuletzt gesehen. Ich war damals weit mehr, als nur verliebt in sie gewesen, aber ich war auch über zehn Jahre älter als sie.
Sie war unbekümmert, fröhlich, intelligent, gebildet – und sie strahlte auch mit ihren siebzehn Jahren eine Erotik aus, der ich mich einfach nicht entziehen konnte und auch nicht wollte.

Wir waren oft zusammen, verbrachten die Nächte auf Matratzen sitzend im Licht von Kerzen, diskutierten über Hesse, Heym und Heine, tranken Rotwein, schauten uns in die Augen... Tief, sehr tief sogar! Und doch geschah – nichts! Wir küssten uns nicht einmal! Es war eine unglaubliche Nähe zwischen uns. Wir konnten uns beide dem Zauber der Stunden nicht entziehen, und berührten uns doch nicht.


Ein einziges Mal nur kamen wir uns körperlich näher, als wir einmal zusammen in eine große Stadt gefahren waren und dort für uns beide nur ein einziges Bett zur Verfügung stand. Ich hätte mich nicht getraut; sie war doch erst siebzehn! Aber offenbar hatte sie beschlossen, mir in dieser Nacht zumindest eine Ahnung von dem zu geben, wie es in ihr aussah, denn plötzlich küsste sie mich, wie ich noch nie in meinem Leben geküsst worden war. Heiß, nass, wild – und unglaublich zärtlich-weich...

Ich hatte das Gefühl, als öffnete sich mir das Paradies. Wir küssten uns, als hinge unser Leben davon ab, küssten uns, als müsste es für unser ganzes Leben reichen.

Aber weiter gingen wir nicht. Ja, natürlich sah ich ihre Brüste, denn sie hatte sehr bewusst ein Shirty angezogen, das vorne weit offen stand und eine Pracht bot, wie es bei einer Siebzehnjährigen nicht unbedingt erwartet wird. Und natürlich sah ich ihr pechschwarzes Dreieck, ich sollte es ja sehen! Aber ich war doch so viel älter als sie! Durfte ich denn eine junge Frau, die noch fast zwei Jahre bis zum Abitur vor sich hatte, einfach so nehmen?
Nein, wir verzichteten beide darauf, noch einen Schritt weiter zu gehen. Ganz kurz war der Himmel über uns aufgerissen, wir hatten etwas Wundervolles erlebt – aber das, was wir gesehen hatten, würde in unseren Herzen verborgen bleiben.

Am nächsten Morgen fuhren wir zurück.

Durch meine Arbeit und ihr Studium riss unsere Verbindung ab, aber in meinem Kopf tauchten immer wieder Bilder von ihr auf. Wie oft erinnerte ich mich an sie, ihr Lachen, ihre Art der Argumentation, ihre Wärme und – an ihre Küsse! Ja, ich hatte Sehnsucht nach ihr, ohne jede Chance, dass die Sehnsucht jemals erfüllt würde. Wie ein winzigkleiner Splitter im Fleisch, so steckte in mir die Erinnerung an all das, was ich mit ihr erlebt hatte. Wie oft schalt ich mich selbst, damals Rücksicht auf ihre Jugendlichkeit genommen zu haben.

Ja, und nun trafen wir uns auf einer Vernissage ihres Bruders, der ein bekannter Künstler geworden war. Sie selbst hatte mir die gedruckte Einladungskarte geschickt, mit dem handschriftlichen Zusatz: „Kommst du?“ Mehr nicht. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Natürlich würde ich hingehen! Wenn auch nicht, um die Kunstwerke des Bruders zu besichtigen, als viel mehr, sie selbst wiederzusehen. Zwanzig Jahre lagen zwischen unserem letzten Treffen! Zwanzig lange Jahre, in denen so unendlich viel geschehen war. Wie würde sie wohl heute aussehen? Bestimmt nicht mehr die junge Frau von damals. Ob sie noch so fröhlich und unbeschwert lachen konnte?

Am Eingang der Scheune, in der die Ausstellung aufgebaut war, nahm sie mich in Empfang, fiel mir um den Hals – und küsste mich. Nein, nicht so, wie damals, sondern Küsschen links, Küsschen rechts, aber voller Wärme und so, als habe es die zwanzig Jahre nicht gegeben, in denen wir uns nicht gesehen hatten.

Nichts an ihr hatte sich verändert! Nun gut; sie hatte einige Fältchen, aber ansonsten war sie die, die ich kannte. Offenbar hatte sie einen Beruf, in dem sie gut verdiente, denn ihre Kleidung war auf den ersten Blick schon ausgesucht. Sie trug eine kurze, hellgraue Jacke und einen dunkelgrauen, engen Rock, darunter schwarze, durchbrochene weitmaschige Strümpfe und schwarze Stiefeletten. Nein, eigentlich war das gar kein Rock, das war sehr viel weniger – er hörte etwa eine Handbreit unterhalb ihres Schrittes auf, darüber ein Gürtel, der in etwa ebenso breit war wie ihr Rock war. Innerlich musste ich aufstöhnen, aber ich musste mich schon sehr zusammen reißen, um nicht sogar laut zu aufzuseufzen. Sie lächelte mich an, als sie meinen Blick sah. Frauen registrieren es immer, wenn ein Mann sie anschaut, egal, wie sehr er seine Blicke versteckt. Aber ist es nicht gerade das besondere an diesem Spiel, dass sie seine Blicke provoziert, sie auf sich lenkt und durchschaut?!

Wir betrachteten die Kunstwerke, unterhielten uns mit den Gästen, denen sie mich vorstellte, mit dem Bruder, der mir einige seiner Werke erläuterte, wir aßen Schnittchen und prosteten uns zu, während wir nebeneinander auf einer Bierbank saßen.
Plötzlich nahm sie meine Hand.

Ich zuckte nicht zurück – nein, es war vollkommen selbstverständlich, wie es geschah. Unsere Finger verschränkten sich ineinander, spielten ein zärtliches Spiel miteinander, streichelten sich, wurden eins... Sie zumindest hatten sich gefunden. Das Spiel dauerte an, bis sie meine Hand auf ihren Oberschenkel legte. So, wie wir saßen, konnte niemand sehen, was da geschah, aber ich fühlte die Wärme ihres Schenkels, hatte unsagbare Sehnsucht nach ihr. Sie war nicht mehr siebzehn – worauf hätte ich also Rücksicht nehmen sollen?

Aber ich zögerte dennoch, streichelt sie vorsichtig, kein bisschen besitzergreifend, sondern zart, zärtlich, spürte dem Gefühl nach, das ihre Wärme in meiner liebkosenden Hand erzeugte. Nur sehr langsam wanderte meine Hand ein wenig höher, forschend, tastend, fühlend, suchend. Ich blickte zu den Menschen, die sich weiterhin der Vernissage widmeten, sichernd, ob uns etwa jemand beobachtete, aber wo ist man besser versteckt, als in einer Menschenmenge? Niemand interessierte sich für uns!

In diesem Augenblick entdeckte meine Hand nacktes, weiches Fleisch. Sie trug keine Strumpfhose, sondern Strümpfe, die sie an Strapsen befestigt hatte. Welche Entdeckung für mich! Mein Atem wurde flach, wenn er es nicht zuvor schon gewesen war. Mir wurde schwindlig – oder ließ mich mein Herz im Stich – oder litt ich plötzlich unter einer Krankheit? Meine Hände zitterten, nein, ich zitterte am ganzen Körper, so überwältigt war ich von der plötzlichen Erkenntnis, dass sie genau das wollte, was gerade begann.

Ganz langsam suchten sich meine Hand, meine Finger ihre Bahn. Erkundeten, spürten zartes und doch festes Fleisch der Oberschenkel, wanderten über die Strapse weiter unter den Rock, den sie nach oben geschoben hatte, so weit das überhaupt bei seiner Kürze noch ging. Ich spürte die Härchen ihres Dreiecks, spürte die Hitze und Nässe ihres Höschens, spürte alles so genau, als wäre ich blind und könnte meine Umwelt nur über meine übrigen Sinne erfahren.

Aber noch immer war ich unsicher; vielleicht vermochte ich mein Glück nicht zu fassen. Ich sah sie an: „Darf ich?“ Ich fragte tatsächlich!

Sie lächelte mich nur an. Wie gut, wenn Frauen in solchen Augenblicken ganz genau wissen, wie es weiter geht. „Warte!“, meinte sie, erhob sich einen Moment und zog sich an Ort und Stelle mit einem Griff ihr Höschen aus – dort, mitten in der Scheune. Das ging so rasch und unauffällig, dass sicherlich niemand etwas davon mitbekommen hatte – und schon saß sie wieder neben mir, um sich wiederum meine Hand dort hin zu legen, wo sie eben noch gelegen hatte.

Sie schenkte uns beiden ein Glas Roten ein, hob das Glas und schaute mich darüber hinweg an:
„Ich wusste, dass du kommst!“
Wir tranken – während meine Hand weiter liebkoste.

Nicht nur heiß war, was ich fühlte, sondern weich und – nass! Unglaublich nass! Sie tropfte, lief aus, verströmte sich. Und während wir uns unter dem Tisch näher waren, als je zuvor, musste es für die Besucher um uns scheinen, als unterhielten wir uns auf das Angeregteste.

Und doch waren wir unendlich erregt – beide!

Wir blieben dort auf der Bierbank sitzen, während die Gäste gingen. Irgendwann ging auch der Bruder – wir blieben sitzen.

Dann nahm sie meine Hand, mit der ich sie so lange gestreichelt hatte, lächelte und küsste meine Fingerspitzen: „Du hast jetzt eine richtige Waschfrauenhand!“
Endlich küssten wir uns – und wieder öffnete sich mir das Paradies. Sie küsste mich so unendlich weich und zart, ihre Zunge erkundete mich, tanzte mit meiner Zunge, aber immer spürte ich ihre weichen, warmen Lippen, die nicht genug von mir bekommen konnten.

Irgendwann stand sie auf, sagte nur ein Wort: „Komm!“

Ich weiß nicht, wo die Decke herkam, die plötzlich auf dem Boden lag, aber das war so unwichtig, dass ich es kaum wahrnahm, denn ich sah eigentlich nur eines:
Sie hatte sich den Rock ausgezogen und lag nun vor mir. Wieder zeigte sie mir ihr schwarzes Dreieck, das inzwischen mein Kuschelplatz geworden ist, an dem ich zur Ruhe komme.

Ihre Schenkel öffneten sich, zeigten mir gieriges, hungriges, nass-glänzendes Fleisch, aber ich ließ mir keine Zeit für die Betrachtung ihrer Köstlichkeiten, sondern war plötzlich völlig nackt, legte mich auf sie und während wir uns schon wieder küssten, drang ich in sie ein.

Es kam zusammen, was zusammen gehörte. Dort, wo ich nun war, hätte ich schon immer sein sollen – in ihren Armen und in ihr. So, als hätten wir uns schon damals geliebt, wussten wir beide bereits, wie sich der andere anfühlt. Genau so fühlte es sich an. Wir bewegten uns in einem aufeinander abgestimmten Rhythmus, der uns zu höchster Lust katapultierte, und als ich mich ihr ergab, als ich mich in ihr verströmte, schrie sie laut auf.

Ich blieb weiter auf ihr liegen, blieb in ihr, während wir uns immer wieder küssten. Irgendwann lächelte sie mich an: „Endlich!“
Ich küsste sie: „Ja, endlich!“

Wie die Geschichte weiter ging? Nun, das müssen Sie meine Frau fragen. Sie wird nicht antworten, aber lächeln.

© Carlito